Fataler Griff zur Kalaschnikow

Mitglieder der US-Eliteeinheit Team Six schildern in einem neuen Buch, was sich bei der Aktion gegen den Terroristen Osama Bin Laden tatsächlich zugetragen hat. Und sie machen der US-Regierung schwere Vorwürfe.

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Die Aktion hat die beste Voraussetzung für einen Hollywoodstreifen: Am 1. Mai stürmte eine US-Eliteeinheit der Navy Seals ein Haus in der pakistanischen Stadt Abbottabad, in dem sich Topterrorist Osama Bin Laden versteckt hielt. Bin Laden war innert Kürze tot, US-Präsident Barack Obama konnte sich als erfolgreicher Bekämpfer des internationalen Terrorismus feiern lassen, und da zum Teil widersprüchliche Informationen über die Aktion kursierten, kamen auch Verschwörungstheoretiker auf ihre Kosten.

Ein Mann will nun aber Klarheit schaffen: Der US-Autor Chuck Pfarrer, einst selbst ein Seal, lässt in einem Buch jene zu Wort kommen, die an der Operation mit dem Codenamen Geronimo tatsächlich dabei waren: die Mitglieder des Team Six. Interviews mit den Leuten der Eliteeinheit bilden die Grundlage für sein Buch «Seal Target Geronimo: The Inside Story of the Mission to Kill Osama Bin Laden», das heute in den USA in den Buchhandel kommt. Die britische Zeitung «Sunday Times» druckte bereits Auszüge davon und liess in einem Artikel (online nicht verfügbar) den Autor zu Wort kommen.

Nach 90 Sekunden war Bin Laden tot

Die Operation soll sich demnach folgendermassen zugetragen haben: Während der mondlosen Nacht vom 1. auf den 2. Mai flog einer der beiden Ghost Hawk Helikopter, die im Einsatz standen, zum dreistöckigen Wohnhaus des al-Qaida-Chefs. Zwölf Seals seilten sich auf das Dach ab und stürmten das Haus. Dann ging alles schnell: Bereits 90 Sekunden später war Bin Laden tot, zwölf Schüsse fielen bei der Aktion.

Von einer «Tötungs-Mission» war im Nachhinein oft die Rede, doch die Seals wehren sich im Buch gegen diese Sichtweise. Team Six sei bereit gewesen, Bin Laden lebend gefangen zu nehmen. Den Ausdruck «Tötungs-Mission» bezeichnet Chuck im Interview mit der «Sunday Times» als «Washingtons Phantasie-Wort». Er sei 30 Jahre lang ein Seal gewesen und er habe dieses Wort nie zu hören bekommen, sagt der ehemalige Elitesoldat. «Wenn es einzig darum gegangen wäre, Bin Laden zu töten, dann hätte man keine Eliteeinheit gebraucht. Dazu hätte eine Kiste mit Handgranaten gereicht.»

US-Regierung warnte al-Qaida-Führer

Bin Laden sei deshalb erschossen worden, weil er nach seinem Sturmgewehr AK 47 Kalaschnikow gegriffen habe, argumentiert Pfarrer, der seine Eliteeinheit vom Verdacht des gezielten Mordes reinwaschen will. Gemäss der «Sunday Times» ärgern sich die Mitglieder des Team Six zudem über die US-Regierung. Die USA hätten die Chance verpasst, weitere hochrangige Terroristen zu töten oder festzunehmen.

Denn die Regierung habe Bin Ladens Tod zu früh veröffentlicht und damit andere Führer der Organisation gewarnt, so dass sie rechtzeitig fliehen konnten, sagt Pfarrer. Solche Vorwürfe tauchten schon kurz nach dem Bekanntwerden von Bin Ladens Tod auf. Die US-Regierung reagierte bisher nicht auf die jüngste Kritik von Pfarrer. (miw)

Erstellt: 08.11.2011, 09:56 Uhr

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