Wie «psychisch stabil» ist Trump?

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Durchs Telefon und durch die Hose stelle keine Diagnose! Das Ärztelatein hält fest, dass Mediziner sich keine fachlichen Urteile erlauben sollten, wenn sie Patienten nicht selbst gründlich untersucht haben. Ferndiagnosen sind unseriös – allerdings auch ziemlich verlockend, wie die unverlangt veröffentlichten Bulletins über den Präsidenten der USA regelmässig zeigen. Nun mag Donald Trump nach umgangssprachlicher Lesart narzisstisch, grössenwahnsinnig, jähzornig und damit vielleicht sogar ein bisschen verrückt sein. Psychisch krank und mental instabil ist er deshalb noch lange nicht.

Im Gegenteil, Trump wirkt berechenbar in seinen Gefühlsausbrüchen. Ihn zeichnet eine emotionale Instabilität aus, die man in ihrer Zuverlässigkeit als erstaunlich stabil bezeichnen kann: Wird er gekränkt oder beleidigt, twittert er und feuert Mitarbeiter. Zweifelt jemand seine Grossartigkeit an oder prahlt – wie ein kleiner Mann aus einem kleinen Land – mit seinem Atomknopf, reagiert Trump aufbrausend und stellt schnell klar, den noch grösseren zu haben. Sich wie jüngst für mental «sehr stabil» zu halten, ist womöglich eine von Trumps zutreffenderen Fehleinschätzungen.

Als psychisch stabil gilt in Medizin und Psychologie jemand, der seine Gefühle so regulieren kann, dass er für sich selbst und seine Umgebung zumeist gut erträglich ist. Das bedeutet beispielsweise, weder auf Erfolg und Zufriedenheit noch auf Krisen, Enttäuschungen und Verletzungen mit den Extremen himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt zu reagieren, sondern eine gelassen-moderate Stimmung zu finden. Im Kontakt zu anderen heisst das, nicht bei jedem Ärgernis zu explodieren. Trumps Verhaltensmuster mögen stabil sein, seine psychischen Auffälligkeiten aber sprechen nicht für ein wetterfestes Gefühlsgerüst. So sind narzisstische Persönlichkeiten instabiler, weil sie Kränkungen leichter umwerfen. Und der reizbare, impulsive und von Verlustängsten geplagte Bor­der­line-Typ ist übellaunig und vom Gefühl der Leere bestimmt – und alles ­andere als stabil. Werner Bartens

Erstellt: 08.01.2018, 23:45 Uhr

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