Wie schwarze Football-Spieler einen Uni-Rektor zu Fall brachten

Die Proteste wegen rassistischer Zwischenfälle in den USA reissen nicht ab: 15 Monate nach Ferguson gärt es schon wieder im Staat Missouri, diesmal an der grössten Universität.

Muss sich dem Druck beugen: Uni-Rektor Tim Wolfe gibt seinen Rücktritt bekannt (9. November 2015).

Muss sich dem Druck beugen: Uni-Rektor Tim Wolfe gibt seinen Rücktritt bekannt (9. November 2015). Bild: Justin L. Stewart/Columbia Missourian via AP

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Missouri kommt nicht zur Ruhe: Der Rektor der Universität von Missouri in Columbia ist nach einer Welle vorwiegend afroamerikanischer Proteste am Montag zurückgetreten. Noch am Vortag hatte Tim Wolfe, der die grösste Universität des mittwestlichen US-Staats seit 2012 leitete, «Veränderungen» zugesagt, ohne aber die Forderungen nach seinem Rücktritt zu entkräften.

Seit dem Beginn des Herbstsemesters haben sich an der Universität mehrere rassistische Zwischenfälle ereignet, worauf afroamerikanische Studentengruppen Demonstrationen und Proteste organisierten und Wolfe vorwarfen, ungenügend sowie verspätet auf die Vorfälle reagiert zu haben. Der Tumult an der Universität ist besonders brisant, weil die Rassenbeziehungen in Missouri nach der Erschiessung des jungen Afroamerikaners Michael Brown durch einen weissen Polizisten in der Stadt Ferguson im August 2014 weltweit kritisiert wurden.

Die Macht des Footballteams

Unter anderem waren schwarze Studenten als «Nigger» beschimpft worden. Bei einer Probe einer afroamerikanischen Theatergruppe Anfang Oktober war ein weisser Student auf die Bühne gestürmt und hatte die schwarzen Studenten beschimpft. Die Proteste hatten sich am Wochenende ausgeweitet, nachdem Dutzende schwarzer Spieler des Footballteams der Universität angekündigt hatten, sie würden nicht mehr trainieren oder spielen, «bis Rektor Wolfe zurücktritt oder seines Amtes enthoben wird». Der Trainer des Teams hatte sich daraufhin mit seinen Spielern solidarisiert.

Auch Teile der Professorenschaft unterstützten die Proteste sowie den Streik der Footballspieler. Falls die «Tiger» am kommenden Samstag in Kansas City nicht wie vorgesehen gegen das Footballteam der Brigham Young Universität angetreten wären, hätte die Universität Missouri automatisch eine vertraglich festgesetzte Strafe von einer Million Dollar entrichten müssen. Die Spieler erklärten sich zudem mit dem schwarzen Studenten Jonathan Butler solidarisch, der wegen «rassistischer, sexistischer und homophober Vorfälle» in einen Hungerstreik getreten war. Rund acht Prozent der 27'000 Studenten an der Universität sind Afroamerikaner.

Gouverneur schaltete sich ein

Tim Wolfe, zuvor ein Tech-Manager, hatte nach seiner Ernennung zum Rektor der wichtigsten staatlichen Universität in Missouri einen Sparkurs eingeschlagen und wollte unter anderem den Verlag der Hochschule schliessen. Nachdem das Rektorat im September die Zuschüsse für die Gesundheitsversicherung graduierter Studenten, die als Lehrende an der Universität arbeiten, gekappt hatte, kam es zu Streiks und Protesten. Daraufhin wurden die Sparmassnahmen zurückgenommen.

Studenten der Universität Missouri nach dem Rücktritt von Rektor Tim Wolfe.

Nach der Protestwelle schwarzer Studenten hatten sowohl führende Republikaner im Staatsparlament Missouris als auch der demokratische Gouverneur Veränderungen gefordert. Die Universität müsse «ein Ort sein, an dem alle Studenten ihre Träume in einer Atmosphäre von Respekt und Toleranz verwirklichen können», so Gouverneur Jay Dixon. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2015, 21:12 Uhr

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