Wikileaks erhebt neue Vorwürfe gegen die USA

Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera hat unter Berufung auf die Internetplattform Wikileaks über die Tötung hunderter irakischer Zivilisten an US-Checkpoints berichtet.

Viele Zivilisten fanden an US-Checkpoints den Tod: hier ein Posten in Bagdad.

Viele Zivilisten fanden an US-Checkpoints den Tod: hier ein Posten in Bagdad. Bild: AFP

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Trotz vehementen Protests der US- Regierung hat die Internetplattform Wikileaks am Samstag fast 400'000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg veröffentlicht. Die Dokumente belegen unter anderem Folterungen in irakischen Gefängnissen und die hohe Zahl ziviler Opfer.

Die als «Iraq War Logs» (Irak Kriegstagebücher) bezeichnete Sammlung sei das grösste Leck in der Militärgeschichte schrieben die WikiLeaks-Betreiber auf ihrer Internetseite. Die Unterlagen entsprächen 200'000 Seiten Material.

Militärische Zwischenfälle dokumentiert

Anhand der Dokumente könne der gesamte Krieg nachvollzogen werden. «So gut wie jeder militärische Zwischenfall» sei darin dokumentiert. Die Unterlagen dokumentierten den blutigen Alltag des Kriegs und illustrieren die Hilflosigkeit der US-Truppen angesichts des zunehmenden Chaos im Irak, hiess es weiter.

Wikileaks-Gründer Julian Assange sagte dem US-Nachrichtensender CNN, die Dokumente belegten ein «Blutbad» in bisher nicht gekanntem Ausmass. Wikileaks wollte die Unterlagen am Samstagmorgen bei einer Pressekonferenz in London erläutern.

Folter und hohe Opferzahl

Der Fernsehsender al-Jazeera , die «New York Times», der «Spiegel», der britische «Guardian» und die französische «Le Monde» hatten die aus «einer Datenbank des Pentagon» stammenden Unterlagen aus der Zeit vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2009 im Vorhinein ausgewertet.

Aus den Dokumenten geht unter anderem hervor, dass die US-Armee von der brutalen Folterung von Gefangenen durch irakische Sicherheitskräfte wusste, oftmals aber nicht einschritt. Die Unterlagen dokumentieren auch, dass an Strassensperren mit US- Soldaten hunderte irakische Zivilisten getötet wurden.

Bereits Dokumente zu Afghanistan veröffentlicht

Einer internen Aufstellung der Armee zufolge wurden zwischen der Invasion 2003 und Ende 2009 insgesamt etwa 109'000 Iraker getötet, 63 Prozent von ihnen Zivilisten.

Wikileaks hatte bereits im Juli 77'000 geheime US-Dokumente zur Lage in Afghanistan veröffentlicht und sich damit den Zorn der US- Regierung zugezogen. Laut dem «Guardian» stammen die Irak-Dokumente aus der selben Quelle.

USA reagieren empört

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) forderte die USA auf, die Übergriffe in irakischen Gefängnissen zu untersuchen. Washington müsse aufklären, «was US-Verantwortliche über Folter und Misshandlung von Gefangenen in irakischen Haftanstalten wussten», teilte ai in einem Communiqué mit.

Die US-Regierung reagierte empört auf die Veröffentlichung. US- Aussenministerin Hillary Clinton sagte, es sei strengstens zu verurteilen, wenn durch solche Veröffentlichungen das Leben von Soldaten und Zivilisten aus den USA und seinen Partnerländern gefährdet werde. (miw/sda)

Erstellt: 22.10.2010, 23:30 Uhr

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