(Zu) derbe Witze gegen Trump

Michelle Wolfs Auftritt am Korrespondenten-Dinner verschlägt einigen die Sprache. Die Veranstalterin reagiert mit einer Erklärung.

Derbe Sprüche über den US-Präsidenten und sein Umfeld: Die Komikerin Michelle Wolf am Korrespondenten-Dinner. Video: Tamedia/AFP.

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Das White House Correspondents' Dinner könnte der Grund dafür gewesen sein, dass in Donald Trump der brennende Wunsch entstand, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. So zumindest geht die Legende.

Ihren Ursprung hat sie im Jahr 2011, als der Comedian Seth Meyers seinen Auftritt beim traditionellen Korrespondentendinner in Washington hatte. Das Jahresdinner der im Weissen Haus akkreditierten Journalisten ist einer der gesellschaftlichen Höhepunkte in Washington. Traditionell halten Präsidenten bei dem Dinner humorvolle Reden, in denen sie sich selbst auf die Schippe nehmen. Trump war 2011 als Gast anwesend und wurde von Meyers und dem damaligen Präsidenten Barack Obama heftig kritisiert. Seither wird dieser Abend immer wieder zitiert, wenn es darum geht, die Motivation Trumps für seine Kandidatur im Jahr 2016 zu erklären.

«Das Correspondents' Dinner war eine Peinlichkeit für alle, die daran beteiligt sind.»Donald Trump

In diesem Jahr war es die Komikerin Michelle Wolf, die sich den US-Präsidenten vornahm. Wie schon im vergangenen Jahr liess Trump das Korrespondentendinner sausen. Unkommentiert vom Twitterpräsidenten aber blieb es natürlich nicht. Und Trumps Reaktion fiel gewohnt heftig aus. Er nannte den Auftritt Wolfs «schmutzig», schrieb: «Beerdigt das Dinner oder fangt von vorne an damit.» Seine Tirade gipfelte in dem Satz: «Das White House Correspondents' Dinner war ein Fehlschlag im vergangenen Jahr, aber in diesem Jahr war es eine Peinlichkeit für alle, die daran beteiligt sind.»

Tatsächlich ist die Kontroverse, die das Dinner dieses Jahr in den USA ausgelöst hat, sehr viel heftiger als in den Jahren zuvor. Und das lag vor allem an Wolfs Auftritt, der so bissig ausfiel, dass es den Anwesenden immer wieder die Sprache verschlug, immer wieder Phasen unbehaglichen Schweigens eintraten. Als nach einem besonders krassen Witz ein Raunen durch den Festsaal ging, kommentierte sie: «Ja, ihr hättet mehr recherchieren sollen, bevor ihr mich das hier machen lasst».

Und so sah sich die White House Correspondents' Association, die die Veranstaltung organisiert, gezwungen, eine Erklärung herauszugeben – was nur äusserst selten vorkommt. Es war keine Entschuldigung, doch die Präsidentin der Vereinigung, Margaret Talev, erklärte, dass mit Blick auf die Mission der Gruppe die Rede Wolfs «nicht in Ordnung gewesen» sei. Das Programm sei als einende Botschaft gedacht gewesen. Als Engagement für eine freie Presse, es habe die Menschen nicht polarisieren sollen. Talev schloss: «Unglücklicherweise war der Monolog der Entertainerin nicht im Geiste dieser Mission.»

Ivanka Trump und der Windeleimer

Was war geschehen? Wolf begann ihre Moderation mit den Worten «eines Pornostars, bevor sie mit Trump ins Bett geht: Bringen wir es hinter uns». Es folgten anzügliche Witze auf Kosten des Präsidenten und der Frauen aus seinem Umfeld. Wolf verglich Trumps Tochter Ivanka mit einem Windeleimer: Beide hätten eine glänzende Oberfläche, seien aber voller Fäkalien.

Für all das erntete Wolf zwar einige Lacher, vielen im Saal war der Auftritt aber sichtlich zu viel. «Es ist 2018 und ich bin eine Frau, ihr könnt mir also nicht den Mund verbieten», verkündete die Komikerin an einer Stelle, um dann mit einem Hinweis auf Trumps Anwalt und dessen Schweigegeld für die Pornodarstellerin Stormy Daniels nachzulegen: «Sofern mir Michael Cohen nicht 130'000 Dollar überweist.»

Auch Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders hatte es an diesem Abend ganz und gar nicht leicht: Sie sass nur wenige Meter von Wolf entfernt, als diese ihre Glaubwürdigkeit ebenso auf die Schippe nahm wie ihr Auftreten und ihre Wurzeln in den Südstaaten.

Das Format wird überdacht

Trump-Verbündete, aber auch einige Journalisten forderten wegen der kontroversesten Teile des Auftritts eine Entschuldigung der Association. Dieser Forderung kam Talev nicht nach, sie erklärte, dass Comedy Gedanken und Debatten provozieren müsse. «Und das hat sie sicherlich getan.» Im kommenden Jahr werde man aber über das Format noch mal nachdenken. Über Sinn und Unsinn des Dinners wird schon lange gestritten. Die Debatte wird jetzt noch einmal an Kraft gewinnen. Die Washington Post beispielsweise forderte gerade die Abschaffung.

Trump wird das freuen. Er zeigte sich, bereits als die Veranstaltung in Washington noch lief, froh darüber, das Dinner mit den Journalisten nicht über sich ergehen lassen zu müssen. Auf einer Kundgebung nahe Detroit versicherte er, dass er in dem Augenblick lieber hier in Washington Township als in Washington D.C. sei. «Ist das hier besser als dieses unechte Korrespondentendinner des Weissen Hauses? Macht das hier mehr Spass?», fragte er das Publikum. Es antwortete mit Jubel.

Der Präsident wirft kritischen Reportern regelmässig vor, unehrlich zu sein und «Fake News» zu produzieren. Dem Dinner, das einst Oscar-Preisträger und andere Stars angezogen hatte, war er deshalb schon im ersten Jahr seiner Präsidentschaft ferngeblieben – als erster US-Präsident seit Ronald Reagan 1981, der sich damals gerade von einem Attentatsversuch erholt hatte.

«Fast so wie Seth Meyers»

«Ich könnte heute Abend dort sein, lachen, so als ob ich es liebe, wo sie einen treffen, ein Schuss nach dem anderen. Diese Leute, sie hassen deinen Mut (...) und du musst lächeln», sagte Trump. «Wenn du nicht lächelst, dann sagen sie: »Er war schrecklich, er konnte nicht damit fertig werden.« Und wenn du lächelst, dann sagen sie: »Worüber hat er gelächelt?«»

Später twitterte Trump im Wissen um Wolfs Auftritt: «Sie konnte ihre Pointen nicht mal richtig raushauen – fast so wie Seth Meyers' schwache Vorstellung.» Da war er dann wieder, der Schmerz von 2011.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2018, 19:42 Uhr

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