Zusammen mit Hillary Clinton gegen Ghadhafi

Die Obama-Beraterin Samantha Power verbündete sich mit ihrer früheren Gegnerin für die Libyen-Intervention.

Unversehens im Rampenlicht: Samantha Power, einst verfeindet mit Hillary Clinton, setzte sich nun an ihrer Seite für die Intervention in Libyen ein.

Unversehens im Rampenlicht: Samantha Power, einst verfeindet mit Hillary Clinton, setzte sich nun an ihrer Seite für die Intervention in Libyen ein.

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Ihr wallendes rotes Haar zeigt die ursprüngliche Heimat an: Irland, von wo die neunjährige Samantha Power mit ihren Eltern 1979 in die Vereinigten Staaten einwanderte. Nun kann sie getrost als die mächtigste irische Amerikanerin bezeichnet werden – eine enge Beraterin des Präsidenten Barack Obama, in dessen nationalem Sicherheitsrat sie für Menschenrechte zuständig ist.

Durchaus fraglich ist, ob ihr Dienstherr ohne sie in Libyen tätig geworden wäre. Neben Hillary Clinton und Obamas UNO-Botschafterin Susan Rice war es Power, die den Krieg der drei Frauen gegen Ghadhafi antrieb. In Libyen sah die Mutter eines kleinen Jungen und Gattin des berühmten Juristen Cass Sunstein einen Modellfall: einen Despoten, der mit eiserner Faust die Zivilbevölkerung bedrohte und für den Machterhalt womöglich zum Genozid schreiten würde.

«Verantwortung zum Schutz»

Samantha Powers Karriere an US-amerikanischen Eliteuniversitäten wie Yale und Harvard, ihre Bücher und ihre Überzeugungen kreisten stets um die Frage, wann Gewalt vonnöten sei, um Gewalt abzuwehren. Als Kriegskorrespondentin in den Neunzigerjahren berichtete sie für US-Medien über die Balkankriege, danach schrieb sie ein Buch über humanitäre Interventionen. Und Libyen ist nun ein Testfall geworden.

Die Männer in Obamas Umgebung waren gegen den Waffengang: Pentagon-Boss Robert Gates, Admiral Mullen, der Chef des Generalstabs, Tom Donilon, als Sicherheitsberater Powers Vorgesetzter. Sie, Clinton und Rice waren dafür. Powers gedankliches Fundament ist klar definiert: Es existiere eine universale «Verantwortung zum Schutz», weshalb einzugreifen sei, wenn wie in Darfur oder anderswo ein Völkermord drohe.

Beraterstelle verspielt

Man kann sich unschwer ausmalen, wie Power, eloquent und klug, den Präsidenten zu überzeugen versuchte. Sie kennt Obama seit 2005, als sie dem damaligen Senator als aussenpolitische Beraterin diente. Obama, befand sie bald, unterscheide sich von herkömmlichen Politikern. «Sein Urteilsvermögen ist richtig, das herkömmliche Denken falsch», schrieb sie bewundernd. Als Obama 2008 seine Präsidentschaftskandidatur erklärt hatte, beriet sie ihn erneut.

Mit Hillary Clinton, die ihrem Helden damals die demokratische Kandidatur streitig machen wollte, verstand sich Power hingegen gar nicht. Hillary, sagte sie in einem Interview mit der Zeitung «The Scotsman» im März 2008, sei «ein Monster». Zwar entschuldigte sie sich – ihre Beraterstelle in Obamas Wahlkampfteam musste sie gleichwohl aufgeben. Nach dessen Wahlsieg entschuldigte sie sich neuerlich bei der zur Aussenministerin gekürten Hillary und durfte in den nationalen Sicherheitsrat einziehen.

Unversehens im Rampenlicht

Nun zogen die einstigen Feindinnen bezüglich Libyens am gleichen Strang, was Befremden in Washington auslöste: War Obama, der anfänglich nichts wissen wollte von einem Einsatz gegen Ghadhafi, von Samantha Power intellektuell überwältigt worden? Folgte er ihrer Argumentation, ohne die Konsequenzen zu bedenken? Überhaupt wurde jetzt über Powers Einfluss im Weissen Haus speku-liert – und darüber, ob sie gar Clinton im Aussenamt beerben würde, falls Obama 2012 wiedergewählt würde.

Samantha Power jedenfalls findet sich der libyschen Ereignisse wegen unversehens im Rampenlicht. Nicht immer gedeihen politische Figuren in Washington darin.

Erstellt: 20.03.2011, 22:07 Uhr

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