Zwischen Feindschaft und Zweckbeziehung

Kanada wirft al-Qaida-Mitgliedern im Iran vor, hinter einem vereitelten Anschlag auf einen Reisezug zu stecken. Wie stark das Terrornetzwerk im Iran tatsächlich ist.

Wichtige al-Qaida-Kader leben im Iran: Einer der beiden Terrorverdächtigen im Zusammenhang mit dem vereitelten Anschlag auf den kanadischen Zug (links) und sein Anwalt vor Gericht. (23. April 2013)

Wichtige al-Qaida-Kader leben im Iran: Einer der beiden Terrorverdächtigen im Zusammenhang mit dem vereitelten Anschlag auf den kanadischen Zug (links) und sein Anwalt vor Gericht. (23. April 2013) Bild: Reuters

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Wer sind die Drahtzieher hinter dem vereitelten Anschlag auf einen kanadischen Zug? Kanada hat Hinweise, dass al-Qaida-Mitglieder im Iran dafür verantwortlich sind. Iran bestreitet jegliche Verbindung zu den beiden Verdächtigen. Teheran und das Terrornetzwerk haben eine sehr komplexe Geschichte, die zwischen Feindschaft und Zweckbeziehung schwankt. Einige wichtige Fragen und Antworten:

Sind der Iran und die al-Qaida verbündet?

Die grösste Kluft zwischen den beiden besteht in den beiden grössten Strömungen des Islams: Der Iran ist mehrheitlich schiitisch, al-Qaida wird fast ausschliesslich von Sunniten angeführt. Sunnitische Hardliner bezeichnen schiitische Muslime als Ketzer und sehen Teherans regionale Machtansprüche als grössere Gefahr als den Westen. Der Iran ist unter anderem erzürnt über die Unterstützung von syrischen Rebellen durch die al-Qaida, die sich damit auch gegen einen der wichtigsten Verbündeten Teherans in der Region stellt: Präsident Bashar al-Assad. Vor den Anschlägen vom 11. September 2001 war der Iran in seiner Kritik an den Taliban, die Osama bin Laden und anderen al-Qaida-Führern Unterschlupf gewährten, viel deutlicher als der Westen. In einer bei der Tötung Bin Ladens entdeckten al-Qaida-Mitteilung aus dem Juni 2009 wird die iranische Regierung als «kriminell» bezeichnet und ihre Politik als unvorhersehbar und undurchsichtig kritisiert.

Wie kamen al-Qaida-Leute in den Iran?

Nach den von den USA angeführten Angriffen auf die Taliban in Afghanistan 2001 flohen Dutzende al-Qaida-Kämpfer, -Anführer und auch Verwandte bin Ladens über die Grenze in den Iran. Viele von ihnen wurden unter Hausarrest gestellt, aber nicht an US-Verbündete wie Saudiarabien ausgeliefert. Beobachter werteten die Gefangennahmen als Druckmittel des Irans gegenüber sunnitischen Aufständischen, aber auch gegenüber dem Westen, denn Teheran begrüsste zwar den Sturz der Taliban im Nachbarland, aber war gleichzeitig in Sorge über die dort eingefallenen internationalen Truppen.

Wer aus dem al-Qaida-Führungskreis war im Iran?

Al-Qaidas oberster Militärstratege Saif al Adel lebte jahrelang mit seiner Familie im Iran. Er wurde streng überwacht, erhielt aber 2010 offenbar grössere Freiheiten, nachdem er die Freilassung eines in den pakistanischen Stammesgebieten entführten iranischen Diplomaten eingefädelt hatte. Ob er immer noch im Iran ist oder möglicherweise in Pakistan lebt, ist unklar. Mehrere Berichte über den angeblichen Tod Al Adels in den vergangenen Jahren wurden nie bestätigt, er trat aber zuletzt auch nicht mehr in Erscheinung.

Ein weiteres Mitglied der al-Qaida-Führungsriege, Bin Ladens Schwiegersohn Sulaiman Abu Ghaith, lebte nach Angaben von US-Ermittlern rund ein Jahrzehnt im Iran. Er wurde im Februar in Jordanien gefasst und soll in den USA vor Gericht kommen. Er fungierte vor der Flucht aus Afghanistan als al-Qaida-Sprecher und soll auch vom Iran aus weiter aktiv gewesen sein. Auch er bekam nach der Befreiung des iranischen Diplomaten grössere Reisefreiheiten.

Könnten al-Qaida-Mitglieder im Iran einen Anschlag im Westen planen, ohne dass Teheran davon weiss?

In der Vergangenheit hat der Iran alle al-Qaida-Vertreter sehr genau überwacht. Der Geheimdienst kontrollierte alle ihre Kontakte und jede Kommunikation. Durch den Deal um den iranischen Diplomaten stellte sich aber die Frage, ob die al-Qaida-Führungsriege durch nun erlaubte Reisen ins Ausland dort Kontakte getroffen und gepflegt hat. Zudem könnte die Überwachung der al-Qaida durch die wirtschaftlichen Probleme des Irans – ausgelöst durch die internationalen Sanktionen – nicht mehr die gleiche Priorität haben.

Was geschah mit Bin Ladens Familienmitgliedern im Iran?

Eine von Bin Ladens Frauen sowie mehrere Kinder und Enkelkinder kamen ebenfalls in den Iran. 2010 gelang es seiner Tochter Iman, aus einem der abgesperrten Anwesen im Iran in die saudische Botschaft in Teheran zu fliehen. Sie durfte schliesslich den Iran verlassen und sich in Syrien niederlassen. Im selben Jahr schrieb Bin Ladens Sohn Chalid einen Brief an den geistlichen Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamanei, in dem er beklagt, dass seine Familienmitglieder im Iran «geschlagen und zum Schweigen gebracht» würden. Chalid wurde beim Angriff auf Bin Ladens Anwesen in Pakistan ebenfalls getötet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2013, 23:49 Uhr

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