Alles endet in Samba

Die Brasilianer haben ihrer Natur den Krieg erklärt. Unser Autor hat das Land dennoch lieben gelernt.

Christusstatue, der Stadtteil Botafogo, Zuckerhut, der See Rodrigo de Freitas und der Stadtteil Ipanema (von links): Der Blick auf die brasilianische Metropole Rio de Janeiro ist atemberaubend. Foto: Rüdiger Nehmzow (Laif)

Christusstatue, der Stadtteil Botafogo, Zuckerhut, der See Rodrigo de Freitas und der Stadtteil Ipanema (von links): Der Blick auf die brasilianische Metropole Rio de Janeiro ist atemberaubend. Foto: Rüdiger Nehmzow (Laif)

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Es ist unmöglich, ohne vorgeprägte Bilder im Kopf nach Rio de Janeiro zu kommen, denn diese Bilder gehören zu den bekanntesten Postkartenmotiven der Welt: der Zuckerhut mit der Bucht von Botafogo. Der scheinbar unendliche Sandstrand von Copacabana. Die Christusstatue auf dem Corcovado.

Rios Schönheit ist ein altes Klischee und gleichzeitig über jedes Klischee erhaben. Auch nach Jahren ist man jeden Tag aufs Neue hingerissen. Das liegt wohl auch an dieser eigentümlichen Spannung, die in der Luft liegt, weil das Wundervolle so stark mit dem Schrecklichen kontrastiert. Mit der mittelalterlichen Alltagsgewalt, mit dem Drogenkrieg, mit der kriminellen Polizei. Unter den vielen Sehnsuchtsorten der Welt ist Rio einer derjenigen mit der höchsten Mordrate. Auf all das war ich eingestellt, als ich mich hier niederliess. Aber niemand hatte mich darauf vorbereitet, dass Rio neben einem Grossstadtdschungel auch eine Dschungelgrossstadt ist.

Die Portugiesen haben sie im tropischen Mikroklima der Mata Atlântica errichtet. Inzwischen ist sie um den Nationalpark Tijuca herum gewachsen, der damit zum grössten innerstädtischen Urwald der Welt wurde. Wenn man nicht gerade am Ufer der Guanabara-Bucht spazieren geht, seit 2016 auch als die dreckigste Segelkloake der Olympiageschichte bekannt, dann duftet Rio vor allem nach Gewächshaus. Märchen­hafte Schlingpflanzen wuchern selbst in zentralen Stadtvierteln.

Falls die Menschen eines Tages Rio verlassen sollten, dann würde es nicht lange dauern, bis die Natur diesen Ort zurückerobert hätte.

Auf den Stromleitungen turnen die Seidenäffchen, in der Bucht schwimmen neben all dem Plastikmüll auch Schildkröten und Delfine. Neben den «balas perdidas», den Querschlägern des Krieges zwischen der Drogenmafia und der Polizeimafia, gehören herabfallende Kokosnüsse und medizinballgrosse Jaca-Früchte zu den grössten realen Gefahren des Alltagslebens. Die Luft ist so feucht, dass selbst der Reisepass in der Nachttischschublade schimmelt.

Wenn wir über Weihnachten für ein paar Wochen verreisten, mussten wir nach der Rückkehr regelmässig unseren Treppenaufgang freischneiden, die Zimmer entschimmeln, das Bad entmoosen, die Speisekammer enttieren. Beim ersten Mal war ich entsetzt, aber mit der Zeit gelangten wir zu der durchaus beruhigenden Erkenntnis: Falls die Menschen eines Tages Rio de Janeiro verlassen sollten, dann würde es nicht lange dauern, bis die Natur diesen Ort zurückerobert hätte.

Unberechenbar, bedrohlich

Manchmal musste ich an Charles Marlow denken, den Erzähler aus Joseph Conrads Roman «Herz der Finsternis». Seine Geschichte spielt im Kongo, aber manches ist auf Brasilien übertragbar, schon allein deshalb, weil sich beide Länder nie von ihrer Kolonialzeit erholt haben. Die Wildnis, sagt Marlow, warte geduldig auf das Ende der Invasion.

Viele Brasilianer sehen das anders. Ich würde behaupten, dass diese Gesellschaft ein sehr seltsames Verhältnis zu der Natur ihres Landes pflegt. Die unvergleichliche Üppigkeit, von der Forschungsreisende, Touristen und ja, auch Korrespondenten so gerne schwärmen, wird in Brasilien oft ganz anders wahrgenommen. Als etwas Unberechenbares, Bedrohliches. Als etwas, das es zu beherrschen gilt.

Wenn man an einem regnerischen Sommertag, bei gut 30 Grad, an einem der Strände von Rio spazieren geht, dann kann man darauf wetten, dass die wenigen Leute, die einem begegnen, keine Cariocas sind. Keine Einhei­mischen. Echte Cariocas haben eine Regenphobie. Das ist, als würden sich die Marokkaner vor Sand oder die Finnen vor Nadelbäumen fürchten, denn im tropischen Rio dauert die Regenzeit von Oktober bis März. Die Angst vor dem Regen beginnt bereits dann, wenn in irgendeinem Wetterbericht das Wort Regen auftaucht. Selbst beim geringsten Verdacht, dass es vielleicht nieseln könnte, fallen vorsorglich Strassenumzüge, Grillfeste und Schulausflüge aus. Die Feierabendfussballgruppe, mit der ich jeden Dienstag kickte, ist zum Glück nicht ganz so wasserscheu. Aber an Tagen, an denen es stark regnete, stehen in Brasilien nur halb so viele Spieler wie sonst auf dem Platz, und die beglückwünschen sich dann den ganzen Abend gegenseitig zu ihrem Wagemut.

Wo sich die Reichen und Schönen zum Badeplausch treffen: Der weltberühmte Strand von Ipanema. Fotos: Dukas

«Brasilien ist nichts für Anfänger», hat Rios Bossa-nova-Grossmeister Tom Jobim einmal zu Recht gesagt. Der Versuch, dieses chaotische Gebilde von der doppelten Grösse der EU in all seinen Eigenarten und Widersprüchen zu verstehen, ist zum Scheitern verurteilt. Aber nach gut vier Jahren glaube ich immerhin begriffen zu haben, dass vieles von dem, worüber ich mich am meisten wunderte, mit dem gnadenlosen Fortschrittsbegriff zusammenhängt. Das Wort «Natur» ist in diesem beispiellos artenreichen Land nicht mit Reichtum, sondern mit Armut konnotiert.

Wer sich den Launen der Natur, also dem Regenwetter, aussetzt, der kann es sich scheinbar nicht anders leisten – so wie die Indigenen am Amazonas oder die Mittellosen in den Favelas. Es ist eine Form der gesellschaftlichen Distinktion, sich nicht von oben einnässen zu lassen. Die Brasilianer der Mittel- und Oberschicht und alle, die dazugehören wollen, machen lieber das Fenster zu und die Klimaanlage an. Und zwar nicht nur dann, wenn sie tatsächlich schwitzen, sondern auch dann, wenn im Südhalbkugelwinter die Temperaturen auf angenehme 22 Grad fallen. Dann wird die Klimaanlage eben auf 18 Grad runtergeschraubt. Offensichtlich geht es dabei weniger um das Gefühl als um das Statussymbol. In öffentlichen Gebäuden sitzen die mächtigsten Bürokraten stets in den kältesten Büros. Die Natur muss immerzu besiegt werden. Und derjenige, der sie am deutlichsten besiegt, hat gewonnen. So geht ein brasilianischer Gesellschaftssport.

Benannt nach einem Baum

Das Land ist bezeichnenderweise nach einem Baum benannt, den es wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung als Färbemittel schon im 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet hatte, dem Pau Brasil. Unter dem Banner der Ordnung und des Fortschritts hat es sich dann im 20. und 21. Jahrhundert an die Eroberung des Amazonas gemacht. Unzählige Staudämme, gigantische Wasserkraftwerke, Goldminen, Rinderfarmen und Sojaplantagen, ganze Millionenstädte wurden und werden in den grössten Tropenwald des Planeten gestanzt. Alles begründet mit der Zivilisierung der Wildnis und des Wohlstandes für alle. Die Natur wird immer ärmer, und die Gesellschaft glaubt offenbar, sie werde dadurch reicher. Wenn es anders wäre, hätte Jair Bolsonaro niemals die Präsidentschaftswahl gewinnen können.

Bolsonaro steht wie kein anderer für die mutwillige Zerstörung der Natur im Namen des Fortschritts und der damit verbundenen Kriminalisierung der Armut. Umweltschutz hält er für eine lästige Ideologie der Linken. Das Gruselkabinett der neuen Regierung ist voller Leute, die den menschengemachten Klimawandel sowie die Evolutionstheorie leugnen. Bei Bolsonaro steht «Gott über allem», also auch über der Verfassung und dem gesunden Menschenverstand. Sein ideologischer Guru, der Internet-Philosoph Olavo de Carvalho, zweifelt sogar daran, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Kurzum: Brasilien ist in den zurückliegenden Monaten mit demokratischem Votum, wehenden Fahnen und voller Stolz hinter die Aufklärung zurückgefallen.

Es tat weh, das aus der Nähe zu beobachten. Anders gesagt: Was bleibt, wenn ich zurück nach Europa gehe, ist eine enttäuschte Liebe.

Wir haben in diesem Land viele wunderbare Menschen kennen gelernt, aber wenn es Verständigungsschwierigkeiten gab, dann ging es oft um den Umgang mit der Natur, der Armut oder der Gewalt. Als ich einer wirklich sehr netten brasilianischen Mutter im Privatkindergarten unserer Töchter einmal erzählte, dass wir uns sonntags hin und wieder an einem Begrünungsprojekt in der Favela Rocinha beteiligten, war sie aufrichtig entsetzt. Sie sagte, sie würde niemals eine Favela betreten, schon gar nicht mit ihren Kindern. Das sei absolut lebensgefährlich. Ich argumentierte, dass das nicht stimme, dass in der Rocinha eben nicht nur Drogenbosse wohnten, sondern vor allem einfache Leute, die sich nach einem ganz normalen Leben sehnten.

Eine traurige Metapher

Seit sich nach Olympia 2016 die Sicherheitslage in Rio radikal verschlechterte, hielten wir uns von der Rocinha und anderen grossen Favelas fern, denn dort gab es jetzt fast täglich Schiessereien. Ich merkte, wie sich unsere missionarische Einstellung an die real existierende Alltagsgewalt anpasste. Das gefiel mir nicht, denn dadurch starb für mich ein bedeutender Teil dieser Stadt.

2017 intervenierte das Militär in Rios Favelas. Der Versuch, die Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, machte alles nur noch schlimmer. Aber in jenen Teilen der Bevölkerung, die nicht in Favelas leben müssen, kam das gut an. Als in den Abendnachrichten Panzerwagen in Richtung Rocinha rollten, fühlte sich die gesellschaftliche Elite wieder sicherer.

Der Name Favela stammt von einem unscheinbaren Gewächs aus dem trockenen und verarmten Hinterland im Nordosten Brasiliens. Er verweist auf Wildwuchs, auf etwas, das angeblich zivilisiert werden muss. Es ist eine so treffende wie traurige Metapher. Denn der Gedanke, dass Natur, Armut und Chaos zusammengehören, ist fest im Nationalbewusstsein verankert.

Der Botanische Garten von Rio erstreckt sich auf einer Fläche von 140 Hektaren und beherbergt rund 6500 Pflanzenarten.

Man begegnet ihm überall im Alltag. Zum Beispiel in der Klinik, in der zwei unserer Töchter zur Welt kamen. Dort wird zwischen «natürlichen Geburten» und «normalen Geburten» differenziert. Mit der normalen Geburt ist ein Kaiserschnitt gemeint. Wer es sich leisten kann oder dank mehrerer Kreditkarten glaubt, es sich leisten zu können, lässt sein Kind in Brasilien mit Terminvereinbarung und mit dem OP-Messer zur Welt bringen. In Ballungszentren wie Rio oder São Paulo gehören Kaiserschnitte genauso zum Lifestyle wie die Schönheitschirurgie. Viele Frauenärzte bieten überhaupt keine Vaginalgeburten mehr an. Auch in den Kreisssälen ist die Natur praktisch abgeschafft.

Auch die Beziehung der Brasilianer zu Kindern hat etwas Anorganisches. Man lässt die lieben Kleinen nicht im Wald toben, nicht im Matsch wühlen und schon gar nicht im Regen spielen. In Parks, an Stränden und Spielplätzen werden Ein- und Zweijährige oft an­geschnallt im Buggy geparkt. Es gibt Kinderwagen mit nach innen gerichteter Smartphone-Halterung: damit auch die Säuglinge Zeichentrickfilme gucken können.

Wenn man eine Weile in Rio lebt, kommt einem eine europäische Stadt im Vergleich praktisch handyfrei vor. Die brasilianische Wirklichkeit bestimmt, was bei Whatsapp aufploppt. Der Erfolg der professionellen Lügenkampagne Bolsonaros wäre ohne die völlig unkritische Handybegeisterung dieses Volkes nicht zu erklären. Bolsonaros Wahlsieg war ein Triumph der digitalen Volksverdummung.

Als jemand, der Brasilien liebt, bin ich hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Mitleid. Das hat ganz praktische Folgen. Ganz hinten in der Schublade mit den Babystramplern vermodert bei uns ein kanarienvogelgelbes Hemdchen, dessen Design an das Trikot der brasilianischen Fussballnationalmannschaft angelehnt ist. Unserer ersten Tochter haben wir es vor vier Jahren regelmässig angezogen. Mit den beiden jüngeren Mädchen hätten wir uns damit niemals hinausgewagt. «A amarelinha», das kleine Gelbe, wie dieses Trikot immer zärtlich genannt wurde, gehört zu den bekanntesten brasilianischen Marken weltweit. Inzwischen ist es zur Uniform der Ultrarechten verkommen.

Nein sagen ist unhöflich

Wer heute mit dem Brasilien-Trikot herumläuft, gibt sich weniger als Bewunderer der Seleção denn als Fan von Bolsonaro zu erkennen. Das ist auch deshalb so unendlich traurig, weil Aldyr Garcia Schlee, der Mann, der dieses Trikot in den 50er-Jahren entwarf, sich für diese politische Instrumentalisierung zutiefst schämte.

Wenn ich mit meiner Bolzplatztruppe nach Spielschluss beim Bier zusammensass, ging es nie um Politik. Manche meiner Mitspieler waren über 60, sie sind in der Militärdiktatur aufgewachsen, die Bolsonaro verklärt und verherrlicht. Aber von dieser Zeit haben sie nie erzählt. Und wenn ich selbst einmal vorsichtig nachfragte, dann wurde auf schnellstem Weg das Thema gewechselt. «Tudo acaba em Samba», lautet ein brasilianisches Sprichwort: Alles endet in Samba. Es beschreibt die Gabe der Brasilianer, jedwedes Problem, ob gross oder klein, konziliant wegzulächeln.

Das hat definitiv seine guten Seiten. Ähnlich wie die Erhabenheit der Copacabana ist auch die brasilianische Fröhlichkeit viel mehr als ein Klischee. Wenn man 15 Jahre lang in Berlin gelebt hat, weiss man das zu schätzen. Aber Konzilianz macht das Leben nicht nur angenehmer, sondern auch undurchschaubarer. Eine der wichtigsten Lektionen, die man als Fremdling in Rio lernen muss, ist die Tatsache, dass das Wort «nein» nicht gebräuchlich ist. Es existieren vielmehr verschiedene Spielarten von «ja», die entweder «auf gar keinen Fall», «vielleicht, mal sehen» oder tatsächlich «ja» bedeuten können. Das direkte Nein gilt als unhöflich, es wird rhetorisch umdribbelt und umtänzelt. Ganz so, wie es das Samba-Sprichwort besagt.

Ansteckende Harmoniesucht

Als ich es in der Woche der Präsidentschaftswahl doch einmal wagte, mich im Kreis meiner Fussballfreunde politisch zu äussern, und zwar indem ich kritisierte, dass der ehemalige Weltfussballer Ronaldinho zur Wahl von Bolsonaro aufgerufen hatte, merkte ich, wie einigen die Gesichtszüge entglitten. Danach kühlte sich mein Verhältnis zu diesem Team deutlich ab. Kurz vor Weihnachten vergass ich meine Fussballschuhe in der Kabine. Als ich beim Clubhauswirt anrief, um zu fragen, ob sie jemand gefunden habe, erhielt ich keine eindeutige Antwort, sondern eine Mischung aus ja, nein und vielleicht. Wochen später fand ich heraus, dass er die Schuhe zum Zeitpunkt meines Anrufs bereits an einen anderen Spieler weitergereicht hatte, unser Linksverteidiger Wesley lief jetzt mit ihnen auf und betrachtete sie offenbar als sein Eigentum. Ich spürte trotzdem keinen Drang, daraus eine Szene zu machen, zumal ich mir bereits neue Schuhe gekauft hatte. Was ich spürte: Die brasilianische Harmoniesucht ist ansteckend.

In einem grösseren Kontext erklärt sich so vielleicht die konsequente Weigerung dieser Gesellschaft, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Alle historischen Umbrüche Brasiliens fanden nahezu geräuschlos statt. Keiner der grossen Gewaltkomplexe wurde richtig aufgearbeitet, weder der Sklavenhandel noch der Genozid an den Indigenen oder die Militärdiktatur. In vielerlei Hinsicht gleicht Brasilien deshalb immer noch dem feudalen Ständestaat, den die portugiesischen Kolonialherren hier hinterlassen haben.

Diese Trennung von Arm und Reich ist praktisch deckungsgleich mit Schwarz und Weiss. Bolsonaro und seine Anhänger unterscheiden entlang derselben Trennlinie zwischen «bandido» und «cidadão de bem», Banditen und guten Bürgern. Die Guten, das sind demnach die in den kalten Büros. Und alle, die im Regenwald oder in den Elendsvierteln der Grossstädte leben, stehen im Generalverdacht, Verbrecher zu sein.

Die Kreativität der Unterdrückten

Ich weigere mich trotzdem, mir mein Bild von einem anderen Brasilien vollends kaputt machen zu lassen. Eine Nacht im Strassenkarneval von Rio kann da schon sehr heilsam sein. Er entstammt wie fast alle grossen brasilianischen Errungenschaften der Subkultur, der Kreativität der Unterdrückten und der Marginalisierten. Die Ursprünge des Samba liegen im Klagelied gegen den Rassismus. 2019 wurde er als politische Protestform wiederentdeckt. Fast jeder Umzug war auch ein Statement für die Aufklärung und gegen das Bolsonaro-Brasilien. In Rio skandierten die Narren an den Präsidenten gerichtet: «Ele não», er nicht! Wie schön so ein direktes Nein sein kann, merkt man erst dann, wenn es mal ausgesprochen wird.

Meine Fussballkollegen haben mir nach meinem letzten Spiel noch ein Abschiedsgeschenk gemacht. Es wurde mir kommentarlos in einer Plastiktüte überreicht. Dann haben wir wie immer mit halb gefrorenem Bier angestossen, über dies und das gelacht, bloss nicht über Politik oder den Inhalt der Tüte geredet und den Moment mit zahlreichen Gruppenselfies festgehalten. Es war ein sehr harmonischer Abend.

In der Geschenktüte befanden sich die Fussballschuhe von Wesley, also meine eigenen. Alles endet in Samba.

Erstellt: 14.06.2019, 19:25 Uhr

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