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Am liebsten verteidigt er die Verhassten

Der polemische Anwalt Alan Dershowitz, der für Donald Trump arbeitet, hat schon O. J. Simpson freibekommen.

MeinungJean-Martin Büttner
fiel schon in der Schule durch seine Streitlust auf: Trumps Anwalt Alan Dershowitz. Foto: Reuters
fiel schon in der Schule durch seine Streitlust auf: Trumps Anwalt Alan Dershowitz. Foto: Reuters

«Es gibt nur eines, das für Sie spricht», sagt der Anwalt zum Angeklagten, einem britischen Parvenü, der seine reiche Frau umgebracht haben soll: «Alle hassen Sie.» – «Immerhin», gibt dieser lakonisch zurück. Die Szene stammt aus «Reversal of Fortune», dem exzellenten Gerichtsfilm von 1990. Er basiert auf der wahren Geschichte des Anwalts, der den Angeklagten wider Erwarten freibekommen hat: Alan Dershowitz. Der Mann ist eigensinnig, ausfällig und umstritten. Und einer der bekanntesten und erfolgreichsten Anwälte Amerikas.

Alan Dershowitz kam 1938 in Brooklyn als Sohn orthodoxer Juden zur Welt und fiel schon in der Schule durch seine Streitlust auf. Er studierte Jurisprudenz und spezialisierte sich auf Verfassungs- und Strafrecht. Mit 28 Jahren wurde er Professor an der Harvard Law School. Er hat fast 40 Bücher geschrieben, bezeichnet sich als liberalen Juden, als Kämpfer für die freie Rede, strenge Waffen­gesetze, die Legalisierung von Folter. Und für Israel.

Politisch gehört Dershowitz den Demokraten an, kritisierte aber auch eine Bürgerrechtsorganisation für ihren prononcierten Linkskurs. Wird er selber kritisiert, schlägt er mit Vehemenz zurück. Mit Wort, Schrift und Klage. Er ist der Geist, der stets verneint – der Mephistoteles der amerikanischen Justiz.

Vor allem hat sich Alan Dershowitz auf die Verteidigung von hoch umstrittenen Prominenten abonniert. Leute wie Patty Hearst, Mike Tyson, Harvey Weinstein, Jeffrey Epstein, Julian Assange und viele andere. Die meisten Prozesse hat er gewonnen, spektakulär den gegen O. J. Simpson. Dershowitz liebt es, gegen vorgefasste Meinungen anzutreten.

Kein Wunder, dass ihn Donald Trump in sein Anwaltsteam geholt hat, um das Impeachment gegen ihn abzuwenden (lesen Sie hier den Artikel «Wie ‹des Teufels Anwalt› Trump verteidigt»). Dass Dershowitz wiederholt Trump öffentlich kritisierte, kann diesem egal sein; die Erfolgsbilanz des Anwalts bringt dem Präsidenten mehr als dessen Zuneigung. Ausserdem hat sich Dershowitz schon vor zwei Jahren gegen die Amtsenthebung des Präsidenten ausgesprochen.

«Ob Trumps Wiederwahl dem Interesse Amerikas dienen würde – das hat Fox News Alan Dershowitz nicht gefragt.»

Diese Woche hat der vitale 81-Jährige im Senat eine besonders kühne These abgefeuert: dass Donald Trump als Präsident das Recht habe, fast alles für seine Wiederwahl zu unternehmen. Also auch in einem fremden Land gegen einen politischen Rivalen zu intrigieren, wie das Trump in der Ukraine tat. Diese Behauptung brachte Dershowitz scharfe Kritik ein.

In einem Interview mit dem Trump-Sender Fox News konterte er wortreich. Natürlich stehe auch der Präsident nicht über dem Gesetz. Aber es sei doch klar, das jeder Politiker mit einem Auge auf das öffentliche Interesse schaue und mit dem anderen auf seine Wiederwahl. Viele Politiker seien überzeugt, diese Ziele seien identisch. Legitim sei diese Haltung allemal.

Ob Trumps Wiederwahl dem Interesse Amerikas dienen würde – das hat Fox News Alan Dershowitz nicht gefragt. In einem Interview mit der «Zeit» hatte er einmal gesagt, diese Frage müssten die Wähler im kommenden November entscheiden.

Er kann sogar diplomatisch sein.

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