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Amerikanische Regierung geht gegen Wikileaks vor

Die Investigativ-Seite hat geheime Militärdokumente aus Afghanistan veröffentlicht. Jetzt kündigen die USA und Deutschland Untersuchungen an.

Muss mit Widerstand der Regierungen rechnen: Wikileaks-Gründer Julian Assange am Montag in London.
Muss mit Widerstand der Regierungen rechnen: Wikileaks-Gründer Julian Assange am Montag in London.

Die amerikanische Regierung hat nach der Veröffentlichung von 90'000 Militärdokumenten aus dem Afghanistan-Krieg eine Untersuchung eingeleitet. Der Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs, bezeichnete es am Montag als «Verletzung von Bundesgesetzen», dass Wikileaks die Dokumente ins Internet gestellt hat.

Der nationale Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, James Jones, reagierte ebenfalls empört auf die Publikation: «Die USA verurteilen aufs Schärfste die Veröffentlichung von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen, durch die das Leben von Amerikanern und deren Verbündeten gefährdet und die nationale Sicherheit bedroht wird.»

Auch das deutsche Verteidigungsministerium warnte, die Veröffentlichung der Militärdokumente könne die nationale Sicherheit der USA und der internationalen Truppen beeinträchtigen. Im Ministerium werde derzeit geprüft, ob deutsche Sicherheitsinteressen beeinträchtigt würden. Aussenminister Guido Westerwelle forderte eine Prüfung.

Mehr Opfer als bislang bekannt

Die Unterlagen sind der Internetplattform Wikileaks zugespielt worden. Wikileaks sammelt geheime offizielle Dokumente aus anonymen Quellen, um Missstände öffentlich zu machen. Die Veröffentlichung der Militärdokumente wirft ein düsteres Licht auf den Krieg in Afghanistan: Dieser verläuft demnach schmutziger und gefährlicher als bislang bekannt.

Die Dokumente zeugen von weit mehr zivilen Opfern als offiziell bekannt, geheimen amerikanischen Todeskommandos sowie der Zusammenarbeit des pakistanischen Geheimdienstes mit den Taliban in Afghanistan. Laut «Guardian» sind Hunderte afghanischer Zivilisten bei bislang nicht bekannten Aktionen der internationalen Truppen ums Leben gekommen. In den Dokumenten sind 144 Zwischenfälle mit 195 zivilen Todesopfern aufgelistet.

Sachverhalt «verharmlost»

Die geheim operierende US-Einheit «Taskforce 373» hat demnach den Auftrag, Taliban-Führer gefangen zu nehmen oder zu töten. Seit Sommer 2009 sind laut «Spiegel» 300 Mann der Truppe in Masar-i- Scharif auf dem Gelände des deutschen Feldlagers Camp Marmal stationiert und führen von dort aus gezielte Tötungsaktionen durch.

Das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sowie die Zeitungen «New York Times» und «Guardian» (London) analysierten jeweils für sich die gewaltige Datenmenge. Die drei Blätter glichen nach eigenen Angaben die aus den Jahren 2004 bis 2009 stammenden Informationen mit den offiziellen Darstellungen der Lage in Afghanistan ab. In den genau 91'713 Dokumenten seien keine Widersprüche zur offiziellen Darstellung festgestellt worden, das US-Militär habe jedoch in Erklärungen Sachverhalte immer wieder «verharmlost», schreibt die «New York Times».

SDA/oku

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