Amerikas Eiserne Lady

Kim Davis sitzt im Gefängnis, weil sie keine Trauscheine für Homo-Paare austellt. Mehrere republikanische Präsidentschaftskandidaten unterstützen sie.

Die Justizbeamtin, die für ihre Überzeugung ins Gefängnis ging: Kim Davis an ihrem Arbeitsplatz (1. September 2015). Foto: Timothy D. Easley (AP, Keystone)

Die Justizbeamtin, die für ihre Überzeugung ins Gefängnis ging: Kim Davis an ihrem Arbeitsplatz (1. September 2015). Foto: Timothy D. Easley (AP, Keystone)

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Die Justizangestellte Kim Davis ist zu einer Heldin für konservative US-Christen geworden. Davis wurde vergangenen Donnerstag von US-Bundesrichter David Bunning in Beugehaft genommen, weil sie sich weigerte, Trauscheine auszustellen. Unter Berufung auf ihren christlichen Glauben hatte es Davis als verantwortliche Justizangestellte des Landkreises Rowan im Staat Kentucky abgelehnt, homosexuellen Paaren eine Ehegenehmigung auszustellen. Da jeder Trauschein ihren Namen trage, begehe sie eine Sünde, so Davis.

Der Oberste Gerichtshof der USA in Washington hatte die Homo-Ehe im Juni landesweit legalisiert. Dennoch verwehrte Davis heterosexuellen und homosexuellen Paaren Trauscheine und war von gleichgeschlechtlichen wie heterosexuellen Paaren deshalb verklagt worden. Ihre Anwälte machten vor Gericht geltend, dass die Ausstellung von Trauscheinen für Homosexuelle dem Gewissen ihrer Mandantin «irreparablen und unabänderlichen Schaden» zufügte.

Politiker protestieren vor dem Gefängnis

Nachdem Davis in mehreren Instanzen, darunter auch beim Obersten Gerichtshof, unterlegen war, ordnete Richter Bunning eine Gefängnisstrafe für Davis an. Nach ihrer Inhaftierung stellten fünf ihrer Stellvertreter im Landkreis Rowan endlich Trauscheine für heterosexuelle wie homosexuelle Paare aus. Bereits am Wochenende hatten Unterstützer von Davis auf Kundgebungen sowie vor dem Haus von Richter Bunning die sofortige Freilassung der Justizangestellten verlangt.

Am Dienstag besuchten die beiden republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee und Ted Cruz die Inhaftierte und nahmen an einer Protestveranstaltung vor dem Gefängnis teil. Huckabee ist ein Pastor und ehemaliger Gouverneur von Arkansas, der wie der texanische Senator Cruz bei den republikanischen Vorwahlen um die Stimmen konservativer evangelikaler Christen kämpft. Auch konservative Medien wie Foxnews aber haben die Haltung von Davis kritisiert: Selbst wenn sie die Homo-Ehe ablehne, dürfe sie der Entscheidung des Obersten Gerichts nicht zuwiderhandeln.

Davis' Anwalt Horatio Mihet sagte hingegen gegenüber CNN, seine Mandantin werde so lange im Gefängnis bleiben, «bis sie ihre verfassungsmässigen Rechte wiedergewonnen hat». Die Justizangestellte kann nicht entlassen werden, da sie in ihr Amt gewählt worden ist. Ihres Postens entheben könnte sie lediglich das Staatsparlament Kentuckys, die republikanische Mehrheit im Parlament aber lehnt dies ab. Die Anwälte von Davis schlugen daraufhin vor, das Staatsparlament solle ein Gesetz verabschieden, wonach der Name der verantwortlichen Justizangestellten nicht mehr auf Trauscheinen vermerkt werde.

Das am 3. September veröffentlichte Polizeifoto zeigt Kim Davis nach ihrer Inhaftierung. Foto: Carter County Detention Center, EPA, Keystone

Das Staatsparlament wird jedoch erst wieder im Januar 2016 zusammentreten, und Kentuckys demokratischer Gouverneur Steve Beshear hat sich geweigert, eine Sondersitzung einzuberufen. Dies koste die Steuerzahler hunderttausende Dollar, so der Gouverneur. «Das ist eine Angelegenheit zwischen ihr und den Gerichten», begründete ein Sprecher die Weigerung des Gouverneurs, sich einzumischen. Davis wiederum lehnt einen Rücktritt von ihrem Amt ab. Ihr Jahreseinkommen beträgt 80'000 Dollar.

Ihre Sünden sind «nicht relevant»

Unterdessen haben Kritiker von Davis auf ihre drei Ehescheidungen und vier Ehen verwiesen. Das Online-Nachrichtenmagazin «US News & World Report» berichtete unter Berufung auf Davis' Heiratsdokumente, sie habe «fünf Monate nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann Zwillinge geboren». Diese seien «mit ihrem dritten Ehemann gezeugt und von ihrem zweiten Ehemann adoptiert worden», so die Webseite. Davis'Anwalt Mat Staver von der christlichen Kanzlei Liberty sagte gegenüber «US News & World» daraufhin, dies sei «nicht relevant»: Mit ihrer Bekehrung zum apostolischen Glauben 2011 seien Davis' Sünden vergeben worden.

Erstellt: 08.09.2015, 18:37 Uhr

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