Das Land der begrenzten Möglichkeiten

In den USA sind die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten geringer als in anderen reichen Nationen. Schuld daran ist auch das Bildungswesen.

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Vom Tellerwäscher zum Millionär: Das war im Kern der amerikanische Traum, der jedem Erfolg versprach, so er nur hart arbeitete und die Regeln einhielt. Soziale Mobilität nach oben war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zuvor in den USA ausgeprägter als in Europa, vorstellbar war fast alles.

Das war einmal, die soziale Durchlässigkeit hat seit den Siebzigerjahren stetig abgenommen. Wer in den USA arm geboren wird, hat eine grössere Chance, in Armut zu leben und zu sterben, als arm geborene Schweizer, Deutsche oder Franzosen. Aufstiegschancen sind seltener geworden, die amerikanische Gesellschaft ist verknöchert.

Der am Dienstag nach eingehenden FBI-Ermittlungen aufgeflogene Skandal um die 50 Eltern, Unisporttrainer und akademischen Testspezialisten, die Sprösslingen aus reichen US-Elternhäusern durch Tricks, Betrug und Bestechung zum Studium an Eliteunis verhalfen, ist lediglich ein krimineller Auswuchs dieses problematischen Systems.

Vorbereitungskurse kosten viel Geld

Dass sich unter den Angeklagten bekannte Schauspielerinnen und Wirtschaftskapitäne befinden, überrascht ebenfalls nicht: Kinder aus der Unter- und Mittelschicht sowie Minderheiten haben weit weniger Zugang zu Eliteunis als die Kinder der Reichen und Vermögenden. Zwar bemühen sich Universitäten wie Harvard, Princeton oder die gleichfalls renommierte University of Virginia um Abhilfe, aber noch immer ist benachteiligt, wer aus bescheidenen Verhältnissen stammt.

Laut einer Studie der US-Notenbank in Minneapolis aus dem Jahr 2017 hat die «intergenerative Mobilität» im Gefolge «einer ungleicheren Gesellschaft» stark abgenommen. Ebenfalls 2017 stellte die US-Notenbank in St. Louis fest, dass soziale Mobilität nach oben in den USA wesentlich geringer ist als in vergleichbaren reichen Nationen.

Reiche Eltern spenden bisweilen beträchtliche Summen für die bevorzugten Universitäten ihrer Kinder.

Daran Schuld trägt auch das Bildungswesen: Kinder aus reichen Familien und der oberen Mittelschicht besuchen bessere Kindergärten und bessere Schulen, darunter auch teuere Privatschulen. Für die Zulassung zu Unis vorgeschriebene Prüfungen wie der «Scholastic Aptitude Test» verschaffen diesen Kindern weitere Vorteile: Sie bereiten sich mithilfe kostspieliger Experten sowie in speziellen Schulungskursen privater Anbieter auf ihre Bewerbungen vor, nicht selten betragen die Kosten dafür Tausende von Dollar.

Bewerber, deren Eltern jährliche Studiengebühren in Höhe von oft 40'000 Dollar und mehr bezahlen können, geniessen ebenso Vorteile wie die Absolventen prestigeträchtiger Highschools, die seit Jahrzehnten als Pipelines für Elite-Universitäten fungieren. Reiche Eltern spenden bisweilen beträchtliche Summen für die bevorzugten Universitäten ihrer Kinder, es werden Lehrstühle eingerichtet und Uni-Institute mit grosszügigen Schenkungen bedacht.

Kinder von Ehemaligen werden bevorzugt

So konnte etwa Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner trotz mittelmässiger Schulnoten die Harvard-Universität besuchen, nachdem sein Vater der Uni zweieinhalb Millionen Dollar versprochen hatte. Wer als Schüler Lacrosse spielt oder Golf, hat ebenfalls bessere Chancen für die Zulassung an gewissen Universitäten.

Einerseits klagen US-Konservative über die Zulassungsquoten für Afroamerikaner an amerikanischen Universitäten, andererseits aber nehmen diese Kritiker kaum Anstoss an einem System, das die Kinder von Ehemaligen bevorzugt behandelt. Besuchten die Eltern oder sogar Grosseltern beispielsweise die Yale-Universität, können sich die Kinder berechtigte Hoffnungen auf eine Zulassung machen, auch wenn sie akademisch hinterherhinken.

Zusammen mit der profunden Ungleichheit von Einkommen und Vermögen tragen solche Faktoren zu einem erschreckenden Mangel an Aufstiegschancen bei. Der jüngste Skandal bei den Zulassungsverfahren für renommierte Unis bestätigt nur, was längst bekannt ist.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.03.2019, 17:38 Uhr

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