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Auf Kuba rollt die Neuwagen-Revolution

Oldtimer ade: Zum Jahreswechsel hat die Karibikinsel ein Gesetz, das den Kauf importierter Neuwagen verbot, aufgehoben. Der Erwerb eines neuen Autos wird für viele Kubaner dennoch ein Traum bleiben.

Viva la revolución: Ein Oldtimer-Taxi in Kubas Hauptstadt Havanna. (30. September 2013)
Viva la revolución: Ein Oldtimer-Taxi in Kubas Hauptstadt Havanna. (30. September 2013)
Reuters
Oldtimer in den Strassen Havannas - Bilder, die typisch waren für Kuba in den letzten Jahrzehnten. Dies, weil...
Oldtimer in den Strassen Havannas - Bilder, die typisch waren für Kuba in den letzten Jahrzehnten. Dies, weil...
Keystone
Es gibt ein Aber: Der durchschnittliche Monatslohn eines Kubaners beträgt etwa 20 Dollar - ein Neuwagen bleibt für ihn wohl Utopie.
Es gibt ein Aber: Der durchschnittliche Monatslohn eines Kubaners beträgt etwa 20 Dollar - ein Neuwagen bleibt für ihn wohl Utopie.
Keystone
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Das Bild ist bei Karibik-Touristen beliebt: Ein alter amerikanischer Schlitten aus den 1950er Jahren, der die berühmte Uferpromenade Malecón in Havanna entlang rattert - eine Zeitreise. Kuba ist ein Paradies für Oldtimer-Liebhaber. Das nostalgische Gefühl könnte aber bald nachlassen.

Denn die Castro-Regierung erlaubt ihren Bürgern ab sofort den Kauf von Neuwagen. Heute trat die neue Regelung in Kraft. Jeder, der sich das leisten kann, darf nun stolzer Besitzer eines frisch importierten Neuwagens werden.

Jahrzehntelang war dies fast unmöglich gewesen. Kurz nach der Revolution von 1959 hatte Kuba den freien Autohandel weitgehend verboten. Neuwagen wurden in der Regel nur vom Staat als «Prämie» an Regierungsbeamte oder Ärzte vergeben.

Jahrelang warten für einen Neuwagen

Eingeführt wurden vor allem sowjetische Modelle wie die inzwischen veralteten Lada oder Moskwitsch. Für den privaten Erwerb benötigte man eine Sondergenehmigung («carta de autorización»), die oft erst nach jahrelanger Wartezeit erteilt wurde. Die strikte Regelung galt auch für auf der Insel lebende Ausländer.

Nur mit Autos, die vor 1959 gebaut wurden, durfte frei gehandelt werden. So entstand eine der wohl bekanntesten Tourismus-Attraktionen Havannas: hochbetagte Fahrzeuge, die ausländische Besucher durch die Hauptstadt kutschieren oder ihren Dienst als billige öffentliche Verkehrsmittel für die einheimische Bevölkerung verrichteten.

2011 kam die erste Lockerung. Als Teil ihres marktwirtschaftlichen Öffnungskurses erlaubte die Regierung des heute 82-jährigen Präsidenten Raúl Castro den freien An- und Verkauf von Gebrauchtwagen. Der Erwerb neuer Autos blieb aber weiterhin nur wenigen Menschen vorbehalten.

Reform im Dezember angekündigt

Das ändert sich nun. Ab dem 3. Januar können importierte Autos frei zu marktüblichen Preisen erworben werden, heisst es in einem aktuellen Amtsblatt. Die Reform, die im Dezember angekündigt worden war, gilt für Motorräder bis hin zu Kleinlasttransportern.

Es bleiben aber offene Fragen - zum Beispiel, ob der Staat weitere Händlerfilialen eröffnen oder Obergrenzen für die Einfuhr von Autos setzen wird. «Wir müssen sehen, welche staatlichen Unternehmen für den Verkauf bestimmt werden», erklärt Fabio Moretti der Nachrichtenagentur dpa. Der 45-jährige Italiener ist in Havanna Stellvertreter der Importfirma Finauto mit Sitz in Liechtenstein.

Das Unternehmen bringt seit 20 Jahren Neuwagen nach Kuba. Bislang durfte die Firma nur an Diplomaten und ausgewählte ausländische Firmen direkt verkaufen. Die künftige Entwicklung ist für Moretti noch unklar. Man wisse etwa nicht, wie sich die Endpreise gestalten werden. Er glaube aber, dass der Verkauf steigen werde.

Für Bevölkerung kaum bezahlbar

Die Reform erfreut die Bevölkerung, auch wenn nicht alle davon profitieren werden. Für viele Kubaner dürfte der Erwerb eines Neuwagens zwar nun theoretisch möglich, faktisch aber utopisch sein.

Am Tag vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden chinesische Gebrauchtwagen von 2010 für rund 25'000 Dollar angeboten, für einen südkoreanischen Hyundai waren sogar 37'000 Dollar fällig. Das ist im Grunde genommen unbezahlbar in einem Land, in dem der staatliche Monatslohn bei etwa 20 Dollar liegt. Und ohne die Sondergenehmigung dürfte alles bald teurer werden.

«Die Preise sind nicht erschwinglich für die Bevölkerung», klagt Miguel. Der 53-jährige Autobesitzer steht vor dem Schaufenster eines Autohändlers und kann die Anschaffung eines Neuwagens so gut wie ausschliessen. Seinen alten Chevrolet von 1954 benutzt er jeden Tag als privater Taxifahrer in Havanna. Der Fahrpreis, den er pro Person auf einer Strecke verlangt, entspricht umgerechnet etwa 0,5 Dollar.

SDA/ajk

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