Auf verlorenem Posten

Will Hurd, der einzige schwarze Republikaner im US-Repräsentantenhaus, gibt auf. Unter Donald Trump will er kein Abgeordneter sein.

Wird nicht mehr zur Wahl ins Repräsentantenhaus antreten: Republikaner Will Hurd. Foto: (CQ-Roll Call, Inc.)

Wird nicht mehr zur Wahl ins Repräsentantenhaus antreten: Republikaner Will Hurd. Foto: (CQ-Roll Call, Inc.)

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Will Hurd ist in doppelter Hinsicht eine Ausnahme. Der Sohn eines Afroamerikaners und einer Weissen ist der einzige Schwarze unter den 193 Republikanern im Repräsentantenhaus, welches das amerikanische Volk in seiner ganzen Breite vertreten soll. Die zweite Ausnahme: Hurd ist einer der letzten Republikaner im Kongress, die sich noch dazu durchringen konnten, US-Präsident Donald Trump ab und zu öffentlich zu kritisieren.

Nun gab Hurd bekannt, dass er nächstes Jahr nicht mehr zur Wahl antreten will. Einen konkreten Grund nannte er dafür nicht. Doch seine Ankündigung passt ins grössere Bild, das die Republikanische Partei in Zeiten Trumps abgibt: Wer von der Linie abweicht, hat es schwer. Der erst 41-jährige Hurd vertritt einen ländlichen Bezirk im Süden von Texas, an der Grenze zu Mexiko. Es ist einer der grössten des Landes. Die Grenze zieht sich hier auf einer Länge von 1300 Kilometern durch Wüsten und entlang der Ufer des Rio Grande.

Schon früh wehrte sich Hurd gegen den Bau einer Grenzmauer, Trumps Prestigeprojekt: Damit erreiche man nichts gegen illegale Einwanderung und Schmuggel. «Diese Mauer ist eine Lösung aus dem 3. Jahrhundert für ein Problem des 21. Jahrhunderts», sagt Hurd. Mit deutlichen Worten stellte sich Hurd zuletzt auch gegen die Angriffe des Präsidenten auf vier demokratische Abgeordnete dunkler Hautfarbe, die Trump dazu aufgeforderte, «zurückzugehen» in die Länder, aus denen sie kämen.

Vor allem verfestigt Hurds Abgang das Bild einer Partei, die immer homogener wird. 

Aufgewachsen ist Hurd in Texas, wo er Computerwissenschaften studierte. Anschliessend arbeitete er neun Jahre für den Geheimdienst CIA. Eine erste Kandidatur für den Kongress scheiterte 2010. Vier Jahre später liess er sich zum zweiten Mal aufstellen – und besiegte den Amtsinhaber der Demokraten, der wie viele Wähler in seinem Bezirk lateinamerikanischer Herkunft war. Seine eigene Wiederwahl im vergangenen Herbst schaffte Hurd nur mit einer hauchdünnen Mehrheit.

Geholfen hat ihm dabei wohl seine Freundschaft zu Beto O’Rourke, dem heutigen Präsidentschaftsanwärter der Demokraten, damals noch Abgeordneter. Die beiden filmten sich vor zwei Jahren dabei, wie sie gemeinsam in einem Mietauto die 3200 Kilometer lange Strecke von Texas nach Washington fuhren, um zu zeigen, dass es im Kongress doch noch so etwas wie Überparteilichkeit gibt. Für die Republikaner ist Hurds Rücktritt eine schlechte Nachricht. Seit der letzten Wahl haben schon neun Abgeordnete angekündigt, im nächsten Herbst nicht mehr antreten zu wollen. Vor allem verfestigt Hurds Abgang aber das Bild einer Partei, die immer homogener wird. Der einzige andere republikanische Afroamerikaner im Kongress ist Tim Scott, Senator aus South Carolina. In der Fraktion im Repräsentantenhaus sitzen zudem gerade mal noch 13 Frauen.

All dies könnte auch anders sein, glaubt Hurd. Es gebe viele Afroamerikaner und Latinos mit konservativen Ansichten, die aber von der rassistischen Rhetorik Trumps angewidert seien. Gegenüber der «Washington Post» deutete Hurd an, sich in Zukunft um ein anderes Amt bewerben zu wollen. «Ich kann dabei helfen», sagte er, «dass die Republikanische Partei mehr aussieht wie Amerika.»

Erstellt: 04.08.2019, 18:20 Uhr

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