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Bankrott, gebrochen und unberührbar

Sie alle waren erfolgreich, hatten gut bezahlte, spannende Jobs. Aber sie wussten auch von Missständen, zeigten diese auf und kamen dabei selber unter die Räder. Die Schicksale von Whistleblowern in den USA vor dem Fall Edward Snowden.

Gestrandet am Moskauer Flughafen, Zukunft ungewiss: Edward Snowden, NSA-Whistleblower.
Gestrandet am Moskauer Flughafen, Zukunft ungewiss: Edward Snowden, NSA-Whistleblower.
Guardian/Glenn Greenwald/Laura Poitras

Wenn Edward Snowden eines Tages alles hinter sich hat und sich überall auf der Welt wieder frei bewegen kann, wie wird sein Leben weitergehen? Was passiert mit Leuten, die Staatsgeheimnisse öffentlich gemacht haben? Die «Washington Post» hat den Schicksalen von Whistleblowern nachgespürt.

Peter van Buren hat Verschwendung und Misswirtschaft beim Irak-Wiederaufbauprogramm angezeigt. Seine ranghohe Beamtenstelle beim Auswärtigen Dienst in Washington hat er danach verloren. Sein Name landete auf der schwarzen Liste. Es sei nicht einfach, in Washington eine Stelle zu finden, wenn man keine Sicherheitsfreigabe mehr habe, sagt Van Buren der «Washington Post». Seinen Lebensstandard musste er nach unten anpassen, er schrieb ein Buch über seinen Fall und fand einen Arbeitgeber, dem seine Vergangenheit egal ist. Heute arbeitet er in einem Laden für Kunsthandwerk.

Job im Apple Store

Thomas Drake verlor seinen 155'000-Dollar-Jahreslohn-Job bei der NSA, als er nach dem 11. September 2001 bei Vorgesetzten Bedenken anmeldete, dass das geplante geheime Überwachungsprogramm die Privatsphäre von amerikanischen Bürgern verletzen würde. Aus Frustration habe er 2007 mit Journalisten über Betrug und Verschwendung bei der NSA gesprochen, ohne dabei geheime Informationen preiszugeben. Er wurde wegen Landesverrats angezeigt. Die Anklage wurde 2011 fallen gelassen. Drake war durch Gerichts- und Anwaltskosten längst ruiniert und arbeitet heute im Stundenlohn in einem Apple Store.

Sibel Edmonds hatte beim FBI einen sicheren Job als Übersetzerin. Sie wurde gefeuert, als sie Informationslecks meldete, von denen sie glaubte, dass sie die Sicherheit des Landes gefährdeten. Das Justizdepartement unterstützte und bestätigte ihre Behauptung, trotzdem bekam sie ihren Job nicht mehr zurück. Nachdem ihr Name in der Zeitung gewesen war, wurde sie von Kollegen und Nachbarn gemieden. Erdrückt von der Atmosphäre in Washington, zog sie mit ihrer Familie in den Westen und schrieb ein Buch über ihren Fall. Ihr Gatte arbeitet glücklicherweise in einem Beruf, der nicht ortsgebunden ist. Die meisten Whistleblower hätten Partner, die in derselben Geschäftsstelle tätig seien, was zusätzlichen Druck auf die Beziehung ausübe, sagt Edmonds der «Washington Post». Heute betreibt Edmonds einen Blog und eine Webseite zum Thema Whistleblowing und ist Gründerin und Präsidentin der National Security Whistleblowers Coalition.

Verfilmt mit Tom Hanks

Richard Barlow lebt mit seinen drei Hunden am Rande des Yellowstone-Nationalparks. Der ehemalige CIA-Experte für Massenvernichtungswaffen hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen. Er wollte 1989 verhindern, dass die USA für 1,4 Milliarden Dollar F-16-Kampfjets an Pakistan verkaufen, die mit Atombomben bestückt werden konnten. Der Milliardendeal kam nach einiger Verzögerung trotzdem zustande, Barlow wurde gefeuert. Vier Jahre später wurde Barlow nach einer Untersuchung rehabilitiert. Trotzdem bekam er von der Regierung keinen Job mehr wegen der Flecken in seinem Reinheft. Seine Frau, ebenfalls CIA-Angestellte, hatte ihn da schon längst verlassen. Er ist jetzt im Rentenalter, aber der Staat verweigert ihm noch immer die Pensionsgelder. Sein Fall wurde mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt in «Charlie Wilsons War».

Die studierte Juristin Jesselyn Radack war Ethik-Beraterin beim FBI und zeigte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 an, dass der «amerikanische Talib» John Walker Lindh ohne die Präsenz eines Anwaltes verhört wurde. Ihr Vorgesetzter empfahl ihr, sich einen neuen Job zu suchen. Nachdem der Fall öffentlich geworden war, kam sie vor Gericht. Der Fall wurde 2003 wieder geschlossen, ohne dass es zu einer Anklage kam. In der Zwischenzeit wurde sie von Kollegen, Nachbarn, sogar von Mitgliedern der Kirche gemieden. «Wenn man dieses Etikett trägt, ist man radioaktiv», sagt sie der «Washington Post». Heute leitet die dreifache Mutter als Direktorin für nationale Sicherheit und Menschenrechte das Government Accountability Project, eine Interessenvertretung für Whistleblower.

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