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Bei den US-Demokraten fliegen die Fetzen

Bei der TV-Debatte in Las Vegas hat sich das Bild der zerstrittenen Opposition verstärkt. Präsident Donald Trump lacht sich ins Fäustchen.

MeinungMartin Kilian, Washington
Hitzige Diskussionen: Mike Bloomberg und Senatorin Elizabeth Warren sind sich in einigen Fragen uneinig. (Reuters/Mike Blake/20. Februar 2020)
Hitzige Diskussionen: Mike Bloomberg und Senatorin Elizabeth Warren sind sich in einigen Fragen uneinig. (Reuters/Mike Blake/20. Februar 2020)

Dass es um das politische Überleben und mithin ums Ganze ging, verriet die TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber in Las Vegas von Beginn an. Kantig und brutaler als die acht früheren Diskussionen wurde sie geführt, denn die Entscheidung über Sein oder Nichtsein rückt näher: In knapp zwei Wochen am Superdienstag stimmen 14 Bundesstaaten ab, und wer sich dann nicht behaupten kann, muss einpacken.

Die neunte Debatte in Las Vegas unterschied sich von allen vorausgegangenen überdies durch die Präsenz von Michael Bloomberg. Hatte sich der Milliardär und spät berufene demokratische Bewerber bislang hinter der Flut seiner TV-Spots versteckt, so stand er nun im gleissenden Licht auf der Bühne in Las Vegas. Eifrig hatten er und sein Stab zuvor geprobt, doch wirkte der ehemalige Bürgermeister trotzdem unsicher und ein wenig deplatziert, wenn der Rest des Felds, allesamt Veteranen solcher Veranstaltungen, hart miteinander umging.

Ob Joe Biden oder Pete Buttigieg, ob Elizabeth Warren oder Amy Klobuchar: Es galt, den in allen Umfragen führenden Linksaussen Bernie Sanders zu stutzen und gleichzeitig Mike Bloomberg zu entzaubern.

In grauer Vorzeit geboren – und alle weiss

Der Neue aus New York bekam die Härte der innerparteilichen Debatte über Bildung und Gesundheitswesen, Klimaschutz und soziale Ungleichheit nicht nur deshalb zu spüren, weil er mit Geld um sich wirft und damit den Vorwurf nährt, er wolle sich die Präsidentschaft kaufen. Es gibt zudem kaum ein der Demokratischen Partei verbundenes Segment der amerikanischen Gesellschaft, mit dem sich der frühere Republikaner Bloomberg nicht schon einmal angelegt hat.

Afroamerikaner und Gewerkschaften hat er vergrault, vor allem aber wurde Bloomberg in Las Vegas wegen frauenfeindlicher Umtriebe in seinem Unternehmen zur Rechenschaft gezogen. Elizabeth Warren wies auf die zahlreichen Stillschweigevereinbarungen hin, die Bloomberg mit ehemaligen Angestellten abgeschlossen hat, und verlangte, der Milliardär müsse diese Frauen von ihrer Verpflichtung entbinden und ihnen ermöglichen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Erhebend war nicht, was der frühere Bürgermeister dazu zu sagen hatte. Die armen Demokraten: Drei ihrer Kandidaten, nämlich Sanders, Biden und Bloomberg, wurden in grauer Vorzeit geboren, als Franklin Roosevelt Präsident war. Sie sind die Partei der Minderheiten, alle ihre Kandidaten aber sind von weisser Hautfarbe.

Zu radikal, zu sexistisch

Jawohl, die armen Demokraten: Ihr derzeitiger Spitzenreiter musste sich neuerlich gegen Vorwürfe verteidigen, er sei, weil demokratischer Sozialist, politisch zu radikal. Und seinem derzeit schärfsten Konkurrenten wurde vorgeworfen, sich gegenüber Frauen sexistisch benommen zu haben.

Mit gutem Grund wurde die gestrige Debatte besonders scharf gefochten: Es wäre ein Wunder, wenn Mitte März mehr als drei der in Las Vegas Versammelten noch eine wirkliche Chance hätten, beim Parteitag in Milwaukee im Juli zum demokratischen Widersacher Donald Trumps gekürt zu werden.

Bernie Sanders ein Bein zu stellen und den davoneilenden Senator aus Vermont zu stoppen, gelang seinen Verfolgern in Las Vegas wohl kaum. Und der lästige Geldmann aus New York musste zwar Federn lassen, kaum aber dürften ihm seine Rivalen einen Knock-out verpasst haben. Man zermürbte sich in Las Vegas, Donald Trump wird seine Freude daran gehabt haben.

Über Mike Bloomberg und seine Rolle im Vorwahlkampf der Demokraten diskutieren Christof Münger und Martin Kilian in einer weiteren Folge des Tamedia-Podcasts «Entscheidung 2020».

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