Autopsie bestätigt den Selbstmord von Epstein

Der wegen Sexualverbrechen angeklagte US-Milliardär hat sich in seiner Zelle erhängt. Das teilen die Untersuchungsbehörden in New York mit.

Der Ort des Freitodes: Das Medical Correction Centre in Manhattan, wo sich der angeklagte Unternehmer zuletzt aufgehalten hat. (Keystone/10. August 2019)

Der Ort des Freitodes: Das Medical Correction Centre in Manhattan, wo sich der angeklagte Unternehmer zuletzt aufgehalten hat. (Keystone/10. August 2019)

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Der am Wochenende in seiner Gefängniszelle tot aufgefundene US-Unternehmer Jeffrey Epstein hat sich dem offiziellen Obduktionsbericht zufolge umgebracht. Das berichteten US-Medien am Freitag übereinstimmend.

Damit bestätigte der Bericht die ohnehin wahrscheinliche Annahme, das Epstein – dem Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen wurde – Suizid beging. Nach Epsteins Tod hatten einige Verschwörungstheorien behauptet, der Multi-Millionär sei ermordet worden. Anfragen an die zuständige medizinische Behörde in New York blieben zunächst unbeantwortet.

Der wegen mutmasslicher Sexualverbrechen angeklagte Epstein habe sich laut dem Obduktionsbericht erhängt, hiess es in den Medienberichten. Der frühere Investmentbanker war am vergangenen Samstag tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden.

Der Selbstmord war deshalb möglich geworden, weil Epsteins Wächter trotz eines offenbar vorausgegangenen Suizid-Versuchs zwei Wochen zuvor ihre Aufsichtspflicht verletzten. Statt wie vorgeschrieben alle 30 Minuten nach dem Inhaftierten zu schauen, seien die beiden Beamten in der Gefängniseinheit Epsteins eingeschlafen und hätten dessen Zustand für rund drei Stunden nicht kontrolliert, hatte die «New York Times» berichtet.

Direktor versetzt

Epstein nahm sich mutmasslich in dieser Zeit das Leben. Der 66-Jährige wurde von Mitarbeitern der Haftanstalt am vergangenen Samstagmorgen Lokalzeit gefunden und später in einem Spital für tot erklärt. Der Direktor der Haftanstalt wurde auf Veranlassung von Justizminister William Barr versetzt. Barr hatte «schwere Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt beklagt und eine gründliche Untersuchung des Falles versprochen.

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Der in elitären Kreisen bestens vernetzte Epstein sass in einer Haftanstalt in Manhattan ein, wo er bis zum Beginn seines Prozesses bleiben sollte. Den Prozessauftakt hatte das Gericht vorläufig auf Anfang Juni 2020 festgelegt. Der Geschäftsmann wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklageschrift baute Epstein zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring auf. Bei einer Verurteilung hätten Epstein, der enge Kontakte zu hochrangigen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Zu Epsteins Freunden zählten einst sogar Ex-Präsident Bill Clinton und der heutige Präsident Donald Trump. Um Epsteins Tod ranken sich bereits zahlreiche Theorien, die unter anderen von Trump mit angeheizt wurden.

Weitere Zivilklagen gegen die Erben

Inzwischen haben zwei weitere Frauen nach dem Suizid von Epstein eine Zivilklage gegen dessen Erben eingereicht. In der bei einem Bundesgericht in New York eingereichten Klageschrift heisst es, dass die beiden Frauen vor 15 Jahren von Epstein sexuell missbraucht worden seien. Die zwei mutmasslichen Opfer fordern von Epsteins Erben und möglichen Komplizen Schadenersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar.

In der Klageschrift werden die Namen der beiden mutmasslichen Opfer nicht genannt. Deren Anwältin Lisa Bloom erklärte am Freitag, ihre Mandantinnen seien 18 und 20 Jahre alt gewesen, als sie von Epstein missbraucht worden seien. In der Klageschrift wird zudem zehn Frauen vorgeworfen, als Komplizinnen Epsteins agiert zu haben. Auch ihre Namen wurden nicht genannt.

«Rekrutiererin» nahm Kontakt auf

Nach Angaben Blooms arbeiteten die beiden mutmasslichen Epstein-Opfer im Juni 2004 als Hostessen in einem Restaurant im New Yorker Stadtbezirk Manhattan, als eine «Rekrutiererin» des Multimillionärs mit ihnen Kontakt aufgenommen habe. Sie habe ihnen mehrere hundert Dollar angeboten, wenn sie Epsteins in dessen Domizil aufsuchten und ihm Massagen gäben. Die «Rekrutiererin» habe versichert, die Massagen beinhalteten keine sexuellen Berührungen.

Zwei Tage darauf hätten sich die beiden Frauen in das luxuriöse Wohnhaus Epsteins nahe des New Yorker Central Parks begeben, heisst es weiter in der Klageschrift. Dort habe sie Epstein sexuell belästigt und ihnen im Anschluss mehrere hundert Dollar ausgehändigt.

Der Klageschrift zufolge waren die zwei Frauen zur Zeit des mutmasslichen Übergriffs so «verängstigt» von Epstein und seiner Macht, dass sie den Missbrauch damals nicht anzeigten. In der vergangenen Woche hatte bereits ein anderes mutmassliches Epstein-Opfer Klage eingereicht. Die 32-jährige Jennifer Araoz gab an, als Teenager von Epstein sexuell belästigt und vergewaltigt worden zu sein.

(fal/sda/afp)

Erstellt: 16.08.2019, 23:25 Uhr

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