Bernie Sanders hält weiter mit

Hillary Clintons knapper Erfolg bei den «Caucuses» in Nevada überzeugte nicht. Bernie Sanders wird ihr auf den Fersen bleiben.

Weiterhin im Rennen: Bernie Sanders bei seinem Auftritt in Nevada. (20. Februar 2016)

Weiterhin im Rennen: Bernie Sanders bei seinem Auftritt in Nevada. (20. Februar 2016) Bild: Jae C. Hong/AP/Keystone

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Noch vor wenigen Monaten galt als ausgemacht, dass Hillary Clinton die «Caucuses», also die demokratischen Parteiversammlungen im westlichen US-Staat Nevada klar gewinnen und ihrem Herausforderer Bernie Sanders seine Grenzen aufzeigen würde. Denn Sanders, so streute Team Hillary, habe Probleme, Minderheiten auf seine Seite zu ziehen, und in Nevada wählten im Gegensatz zu den nahezu rein weissen Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire neben Latino-Wählern auch Amerikaner asiatischer Herkunft sowie ein kleiner Anteil Afroamerikaner.

Nach der Auszählung der Stimmen am gestrigen Samstagnachmittag aber konnte die Favoritin für die Nominierung zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin wie schon zuvor im ersten Vorwahlstaat Iowa nur einen knappen Sieg verbuchen – ein Erfolg für den linken Senator aus Vermont, der nach seinem Erfolg vor elf Tagen in New Hampshire wiederum deutlich machte, dass er sich nicht so ohne weiteres abhängen lassen wird. Es muss dem Wahlkampfstab von Clinton überdies zu denken gegeben haben, dass die Teilnehmer an den «Caucuses» Sanders bei Umfragen weit vertrauenswürdiger fanden als Clinton: 84 Prozent für Sanders, elf Prozent für Clinton.

Vorsprung dank Gewerkschaften

Und wie schon 2008, als die Ex-Aussenministerin die Parteiversammlungen in Nevada ebenfalls knapp gewonnnen hatte, sicherte sie sich ihren Sieg auch diesmal mit Hilfe der Gewerkschaften in den Kasinos von Las Vegas: Köche, Kasino- und Hotelangestellte bescherten Clinton einen Vorsprung, den Sanders trotz seiner überwältigenden Mehrheiten bei jungen Wählern nicht aufholen konnte.

Zu verdanken hat Clinton ihren Erfolg nicht zuletzt einem Telefonat von Harry Reid, als demokratischer Minderheitsführer im Washingtoner Senat der mächtigste Politiker Nevadas, mit der Führung der Gewerkschaft der Küchenarbeiter. Offenbar ermunterte Reid die Gewerkschaftsspitze, die Mitglieder für Clinton zu mobilisieren. Hillarys knapper Erfolg in Nevada dürfte die nervösen demokratischen Bonzen in Washington ein wenig beruhigen, Anlass zur Freude aber bietet er nicht. Denn nach Nevada gilt erst recht, dass Sanders hartnäckig im Rennen und der Favoritin auf den Fersen bleiben wird.

FBI ermittelt gegen Clinton

Wenn das Parteivolk in einer Woche im Südstaat South Carolina wählt, dürfte Hillary mit Hilfe der afroamerikanischen Mehrheit unter den demokratischen Vorwählern zwar neuerlich siegen, aber Sanders wird weiterhin Delegierte für den Parteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia sammeln – und geduldig auf neue Siegeschancen warten. Immerhin ermittelt das FBI, ob die ehemalige First Lady US-Gesetze verletzt hat, weil sie als Aussenministerin teils geheime E-Mails auf einem privaten Server in ihrer Residenz in New York speicherte, auch sorgt die Dynamik amerikanischer Vorwahlkämpfe unweigerlich für Überraschungen – vor allem im Wahljahr 2016.

Die Demokratische Partei muss zudem befürchten, dass manche der Sanders-Wähler im Falle seiner Niederlage Hillary am Wahltag im Herbst den Rücken kehren werden, was die Position der demokratischen Präsidentschaftskandidatin erheblich schwächen würde. Aber zuvor muss Hillary Clinton erst einmal beweisen, dass sie Bernie Sanders überzeugend schlagen kann. Weder in Iowa noch in Nevada ist ihr das gelungen.

Erstellt: 21.02.2016, 03:08 Uhr

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