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Biden präsentiert sich als Versöhner zwischen den Parteien

Joe Biden will auf die Republikaner zugehen und die politische Spaltung in Washington überwinden. Seine demokratischen Gegner werfen ihm Blauäugigkeit vor.

Kann sich einen Republikaner als Vizepräsidenten vorstellen und will damit einen Schritt auf die gegnerische Partei zugehen: US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Foto: Matt Rourke (Keystone)
Kann sich einen Republikaner als Vizepräsidenten vorstellen und will damit einen Schritt auf die gegnerische Partei zugehen: US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Foto: Matt Rourke (Keystone)

Am Donnerstag gab Bernie Sanders bekannt, er habe im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres 34,5 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Das ist viel Geld und unterstreicht einmal mehr die Stärke des linken Senators aus Vermont. Gleichentags schied der ehemalige Wohnungsbauminister Julian Castro aus dem demokratischen Kandidatenrennen aus. Es sei «nicht die richtige Zeit» für ihn gewesen, sagte er.

Ebenfalls am zweiten Tag des neuen Jahres traf Joe Biden im Staat Iowa ein, wo Anfang Februar die ersten demokratischen Parteiversammlungen darüber abstimmen, wer im Herbst gegen Donald Trump antreten darf. Biden sieht sich als Versöhner, als Mann des Ausgleichs in der extrem polarisierten Landschaft Washingtons.

Gefährliche Vertretung weisser Amerikaner

«Wenn du wirklich glaubst, dass man nichts machen kann, dann kannst du gleich zu Hause bleiben», sagte er im Juni 2019 über die tiefe Kluft zwischen den beiden Parteien. Er glaubt, sie als Präsident überbrücken zu können. Dies sei eine gefährliche Illusion, wirft ihm der linke Flügel seiner Partei vor. Bidens Irrglaube beweise, dass er ein Mann von gestern sei. Denn die Republikanische Partei in ihrem gegenwärtigen Zustand sei keine politische Partnerin.

Der Obama-Vize sei ein Opfer politischer Nostalgie, wenn er behaupte, die Spaltung der Nation überwinden zu können, sagen seine Gegner.

Dahinter kommt Bitterkeit zum Vorschein, Wut auch darüber, wie Barack Obamas Präsidentschaft von Beginn an sabotiert wurde. Die Republikaner hätten dem demokratischen Präsidenten die Ernennung eines Richters zum obersten Gericht verwehrt und seine Legitimität zu untergraben versucht, klagt das links-progressive Lager an. Inmitten eines historischen demografischen Wandels habe sich die Republikanische Partei zu einer gefährlichen Interessenvertretung weisser Amerikaner entwickelt.

Der Obama-Vize sei deshalb ein Opfer politischer Nostalgie, wenn er behaupte, die Spaltung der Nation überwinden zu können, lautet die Beschwerde. Wenn Biden wie kürzlich erklärt, er könne sich einen Republikaner als Vizepräsidenten vorstellen, giesst er Öl in dieses Feuer.

«Ich kenne keine Parteien mehr»

Dabei ist Joe Biden keineswegs der erste oder einzige Demokrat, der auf die andere Seite zugehen möchte. 2004 machte der damalige Senator Barack Obama auf dem demokratischen Parteitag in Boston mit einer zündenden Rede erstmals auf sich aufmerksam. Wie weiland Kaiser Wilhelm – «Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!» – beschwor Obama amerikanische Einheit. «Es gibt kein linksliberales Amerika und kein konservatives Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika», sagte er. Es kam natürlich anders, siehe Donald Trump.

Joe Biden mag einwenden, dass er laut diversen Umfragen als einziger Demokrat von Trump enttäuschte Republikaner anzieht. Seine Gegner auf der Linken aber wollen davon nichts wissen: Man müsse die demokratische Basis verbreitern und neue Wähler anziehen. Werde das gesamte demokratische Potenzial mobilisiert, habe Trump keine Chance.

Vom Ausgang dieses Streits hängt ab, wer gegen Donald Trump in die Wahlschlacht 2020 ziehen wird. Und ob dieser Kandidat den republikanischen Präsidenten im November besiegen kann.

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