Bin-Laden-Sohn droht den USA

Die US-Regierung hat Hamza Bin Laden neu auf die Terrorliste gesetzt. Wer ist der Kronprinz von al-Qaida?

Aktuelle Fotos gibt es nicht: Hamza Bin Laden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2001.

Aktuelle Fotos gibt es nicht: Hamza Bin Laden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2001.

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Osama Bin Laden hinterliess eine grosse Familie, als er am 2. Mai 2011 im pakistanischen Abbottabad von einer US-Spezialeinheit getötet wurde. Der saudische Terrorfürst hatte mit fünf Frauen mindestens 20 Kinder gezeugt. Von den mutmasslich elf Söhnen und neun Töchtern ist sehr wenig bekannt. Eines dieser vielen Bin-Laden-Kinder, Hamza, scheint aber in die Fussstapfen seines Vaters treten zu wollen.

Hamza Bin Laden gilt laut Experten als neuer Kronprinz des Terrornetzwerks al-Qaida. Und er wird von den Sicherheitsbehörden der USA als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingeschätzt. Hamza Bin Laden sei auf die Terrorliste gesetzt worden, teilte das US-Aussenministerium am Donnerstag mit. Bin Laden habe Racheaktionen gegen die USA wegen der Tötung seines Vaters angedroht.

Mit der Aufnahme auf die Terrorliste können alle Vermögenswerte von Verdächtigen in den USA konfisziert werden. Ausserdem ist es US-Bürgern verboten, Geschäfte mit ihnen zu tätigen. Die Sanktionen schränken auch die Reisefreiheit von Terroristen ein.

Schon als Kind in Propaganda-Videos

Nach Angaben des US-Aussenministeriums wurde Hamza Bin Laden 1989 in Jidda (Saudiarabien) geboren. Andere Quellen geben sein Geburtsjahr mit 1991 an. Eine Zeit lang lebte er unter Hausarrest im Iran, über seinen aktuellen Aufenthaltsort ist nichts bekannt. Möglicherweise ist er in Pakistan oder Afghanistan untergetaucht.

Hamza Bin Laden galt als Lieblingssohn Osamas. Nach dessen Willen sollte er in Katar den Koran studieren, um al-Qaida einmal in theologischen Fragen leiten zu können. Hamza soll als Kämpfer ausgebildet worden sein. Bei der Tötung seines Vaters in Abbottabad befand er sich angeblich in einem Trainingscamp. Schon als Kind hatte Hamza Auftritte in Propaganda-Videos. Dabei wurde er als Krieger inszeniert. Aus einem dieser Videos stammt das letzte bekannte Bild vom Hamza. Nachdem sein älterer Bruder Saad im Jahr 2009 in Pakistan von einer US-Drohne getötet worden war, war der Weg von Hamza an die Spitze von al-Qaida vorgezeichnet.

Drohungen in Audiobotschaften

Al-Qaida-Chef Ayman al-Zawahri ernannte den Bin-Laden-Sohn in einer Audiobotschaft von 2015 offiziell zum Mitglied der Terrororganisation. Im letzten Sommer veröffentlichte Hamza Bin Laden eine Audiobotschaft unter dem Titel «Wir sind alle Osama». In der 21-minütigen Rede rief er zu Angriffen auf die Hauptstädte westlicher Länder und ihrer Verbündeten auf, darunter Washington, Paris und Tel Aviv. Er wolle Rache für seinen Vater und für alle, die den Islam verteidigen und vom Westen unterdrückt würden. «Hamza ist ein neues Gesicht für die al-Qaida. Eines, das direkt mit dem Gründer verbunden ist. Er ist ein gefährlicher Feind», sagt damals Bruce Riedel, ein früherer CIA-Agent. In weiteren Audiobotschaften hatte der neue Al-Qaida-Kronprinz mit Angriffen auf Amerikaner in den USA und im Ausland gedroht.

Nach Ansicht von Peter Bergen, Al-Qaida-Experte des amerikanischen TV-Senders CNN, ist Hamza Bin Laden «vom Status seines Vaters noch weit entfernt». Doch er sei schon früh mit der Jihadismus-Ideologie indoktriniert worden, und er sei vollkommen davon überzeugt. «Das macht ihn so gefährlich», meint Bergen weiter. «Hamza könnte tatsächlich eine grosse Nummer bei der Terrororganisation al-Qaida werden.»

Erstellt: 06.01.2017, 13:49 Uhr

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