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Bolivien steuert auf einen Bürgerkrieg zu

Im Osten des Landes stehen sich Regierungstreue und Oppositionelle gegenüber, der Konflikt droht zu eskalieren. Jetzt ruft der Präsident zum Krisengipfel.

Als heute Militärflugzeuge der Regierung am Flughafen von Santa Cruz landeten, kam es nach Angaben des lokalen Gouverneurs Leopoldo Fernandez zu einer Schiesserei. Ihr Flugzeug sei angegriffen worden, sagte ein Sprecher der Zentralregierung gegenüber CNN.

Derweil treffen sich in der Hauptstadt La Paz Präsident Evo Morales und die Gouverneure der aufständischen Provinzen im Osten des Landes zu Gesprächen. Bolivien steht am Rand eines Bürgerkriegs.

Industriemetropole gegen Bergland

Heute hat Morales im aufständischen Osten den Ausnahmezustand ausgerufen: Grössere Versammlungen in öffentlichen Plätzen sind verboten, Restaurants und Clubs müssen um Mitternacht ihre Türen schliessen und Autos dürfen nicht ohne Spezialbewilligung fahren.

Dass Morales den Ausnahmezustand verhängt hat, ist nur die neuste Entwicklung in einer Situation, die seit Monaten angespannt ist. In der östlichen Provinz Pando begannen Aufständische vor zwei Wochen, Regierungsgebäude und lokale Flughäfen zu besetzen. Sie drohten ausserdem damit, die Gaslieferungen nach Argentinien und Brasilien zu unterbrechen. In der Stadt Santa Cruz zerstörten sie Telefonhäuser, zündeten kleinere Gebäude an und zogen durch die Strassen. Regierungstreue reagierten mit Gewalt; acht Menschen starben bei den Kämpfen zwischen regierungsfreundlichen und oppositionellen Gruppen.

Der Grund für die Unruhen liegt in der Unzufriedenheit der reicheren, weissen Bevölkerungsschichten um Santa Cruz. Die Zentralregierung im westlichen Bergland von La Paz ignoriert das aufstrebende Santa Cruz seit langem, Steuereinnahmen verteilt Präsident Evo Morales lieber im ärmeren, kargen, von Indios besiedelten Westen. Morales selber stammt von dort, und er nenne die Weissen im Osten verächtlich «Krawattenträger», schreibt Spiegel Online.

Morales macht Amerikaner verantwortlich

Den US-Botschafter in Bolivien hat Morales deswegen ausweisen lassen, weil er sich mit den Aufständischen im Osten getroffen hat. Für Morales tragen die Amerikaner eine grosse Mitschuld an den Konflikten in Bolivien, so behauptete er, die Aufständischen seien rechtsgerichtete bewaffnete Gruppen, die durch «Verbrecher, darunter Ausländer» unterstützt worden seien. Venezuelas Hugo Chavez, der Morales politisch nahe steht, zeigte sich sofort solidarisch, warf ebenfalls den US-Botschafter aus dem Land und nutzt die Situation, um gegen den «Imperialisten» USA zu hetzen. Zögerlicher und diskreter folgte die Regierung von Honduras und meldete bei den USA, sie wünschten ebenfalls keinen Botschafter mehr im Land.

Nach Einschätzung von Spiegel Online liegen nun alle Hoffnungen bei Brasiliens Präsident Lula da Silva. Brasilien sei von den Gaslieferungen aus Bolivien abhängig und habe darum ein Interesse daran, dass der Konflikt nicht eskaliere. Sowohl Chavez und Morales als auch die Regierung der USA respektierten Lula - jetzt sei es am ihm, «das Pulverfass Bolivien zu entschärfen».

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