Bolsonaro erhält Gegenwind von Amazonas-Gouverneuren

Die Regierungschefs des Amazonasgebiets fürchten wegen des Streits um die verheerenden Waldbrände internationale Wirtschaftssanktionen und einen Imageschaden.

Flammen im grössten Regenwald der Welt: Feuerwehrleute kämpfen gegen die Brände. Video: AP

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Wegen seiner umstrittenen Umweltpolitik bekommt der rechte Präsident Jair Bolsonaro nun auch in Brasilien Gegenwind zu spüren: Die Gouverneure des Amazonasgebiets fürchten internationale Wirtschaftssanktionen und einen schweren Imageschaden wegen des Streits um die verheerenden Waldbrände und das Hilfsangebot der G7-Staaten.

«Wenn sich Brasilien auf internationaler Ebene isoliert, setzt es sich ernsten Handelssanktionen gegen unsere Produzenten aus», sagte der Regierungschef des Bundesstaates Maranhão, Flávio Dino, am Dienstag bei einem Treffen der Gouverneure mit Bolsonaro.

Der Staatschef hatte zuvor eine Entschuldigung von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron gefordert, bevor er die von den Industrieländern angebotene Hilfe bei den Löscharbeiten annehmen will. Er warf Macron vor, ihn als Lügner bezeichnet und die Souveränität des Amazonasgebiets infrage gestellt zu haben.

Jair Bolsonaro gab am Dienstag vor den Medien die Bedingungen für eine Annahme ausländischer Hilfe bekannt. Bild: Antonio Cruz/Agencia Brasil via AP

«Ich denke, jetzt sollten wir uns um unsere Probleme kümmern und der Welt der Umweltdiplomatie ein Zeichen geben, denn sie ist fundamental für die Landwirtschaft. Sonst erleiden wir einen schweren Imageschaden, der bereits jetzt allen Anlass zu Sorge gibt», sagte der Gouverneur von Pará, Hélder Barbalho.

Freihandelsabkommen mit EU gefährdet

Bolsonaro gilt eigentlich als Freund der Agrarindustrie. Weil wegen seiner Umweltpolitik nun aber einige europäische Länder bei der Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur auf die Bremse treten, sorgen sich mittlerweile auch die brasilianischen Landwirte um ihr Exportgeschäft mit Rindfleisch und Soja.

«Brasilien hat sich mit Abschluss des Mercosur-Abkommens zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft bekannt», sagte die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einen Interview mit der «Welt». «Wenn das Land dieser Verpflichtung nicht nachkommt, werden wir nicht tatenlos zuschauen.»

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur beinhalte ein Nachhaltigkeitskapitel mit verbindlichen Regelungen. Wenn diese nicht eingehalten würden, könne es keine Zollerleichterungen geben.

Bolsonaros Attacke auf Umweltschützer

Auch wegen seiner umstrittenen Äusserung zu Umweltschützern bekam Bolsonaro von den Gouverneuren Kontra. Der Staatschef hatte zuletzt behauptet, Nichtregierungsorganisationen (NGO) könnten die Waldbrände gelegt haben, um sich für die Streichung öffentlicher Mittel zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren.

«Ich gehöre nicht zu denen, die Nichtregierungsorganisationen verteufeln», sagte nun Gouverneur Dino. «Ich halte das für einen Fehler, denn es gibt in der Welt und in Brasilien sehr ernsthafte NGOs.»

Rückendeckung von Trump

Rückendeckung erhielt Bolsonaro hingegen von US-Präsident Donald Trump. «Ich habe Präsident Jair Bolsonaro gut kennengelernt», schrieb er auf Twitter. «Er arbeitet sehr hart wegen der Brände im Amazonasgebiet und macht einen grossartigen Job für das brasilianische Volk.»

Bolsonaro bedankte sich ebenfalls bei Twitter: «Vielen Dank, Präsident Trump. Wir bekämpfen die Waldbrände mit grossem Erfolg. Brasilien ist und wird immer eine internationale Referenz in nachhaltiger Entwicklung sein. Die Fake-News-Kampagne gegen unsere Souveränität wird nicht funktionieren.» (sda)

Erstellt: 28.08.2019, 02:28 Uhr

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