Brasilien stellt Bedingungen für Hilfe

20 Millionen von den G7-Staaten würde das Land am Amazonas schon nehmen – verbittet sich aber jede Einmischung. Bolsonaro beleidigt ausserdem die Macrons.

Flammen im grössten Regenwald der Welt: Feuerwehrleute kämpfen gegen die Brände. Video: AP

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Die G 7 haben Brasilien 20 Millionen Dollar Hilfe angeboten gegen die Waldbrände, doch Brasilien will sich nicht helfen lassen – jedenfalls nicht in der Weise, wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sich das vorstellt. Macron hatte die Hilfe an die Bedingung gekoppelt, dass das Geld zum Teil an regierungsunabhängige Organisationen geht. Doch darauf will sich Brasiliens Regierung nicht einlassen: O Globo zitiert Regierungsmitarbeiter, die sagen, man werde keine Konditionen akzeptieren. Die Äusserungen reichten bis hin zu einer kompletten Ablehnung des Angebots, entscheiden muss das Aussenministerium.

Dort wurde unterstellt, Macron habe eine «Internationalisierung» Amazoniens im Sinn, das könne man nicht akzeptieren.

Präsident Jair Bolsonaro selbst sagte am Dienstag, er werde die Hilfe nur annehmen, wenn «Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknimmt». Macron habe ihn als Lügner bezeichnet. Bolsonaro beschuldigte den französischen Präsidenten, die Souveränität Brasiliens infrage gestellt zu haben. Der Streit zwischen beiden Staatschefs war am Montag eskaliert, nachdem Bolsonaro sich in einem Tweet darüber lustig gemacht hatte, dass Brigitte Macron 25 Jahre älter ist als ihr Mann. Ein Brasilianer hatte ein Bild gepostet, das Brigitte Macron zeigt und dazu geschrieben: «Versteht ihr jetzt, warum Macron Bolsonaro bedrängt?» Er wette, dass Macron neidisch auf Bolsonaro sei. Später folgte ein Bild von Bolsonaros Frau aus dritter Ehe, die 27 Jahre jünger ist als er.

Bolsonaro antwortete: «Oh Mann, nicht demütigen haha.» Macron verurteilte Bolsonaros Verhalten als «überaus respektlos». Er hoffe, dass Brasilien bald einen Präsidenten habe, der sich angemessen verhalte. Viele Brasilianer entschuldigten sich unter dem Hashtag #PardonBrigitte bei der Präsidentengattin.

Ein brasilianischer Bauer und ein Hund spazieren durch ein verbranntes Gebiet des Amazonas-Regenwalds in der Nähe von Porto Velho im brasilianischen Bundesstaat Rondonia. (26. August 2019) Bild: Carl de Souza/AFP

Zuvor hatte Bolsonaro dem Franzosen neokoloniales Verhalten vorgeworfen, weil dieser den laxen Umgang Brasiliens mit der Umwelt kritisiert hatte. Macron hatte auch die Soforthilfe der G-7-Länder initiiert. Die Reaktionen aus Brasilien waren gegensätzlich: «Das brasilianische Volk und die brasilianische Regierung entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden», sagte Umweltminister Ricardo Salles am Montag. «Auf jeden Fall ist Hilfe immer willkommen.» Präsidialamtschef Onyx Lorenzoni hingegen sagte, Europa solle das Geld lieber selber ausgeben. In Brasiliens Presse wurden Gehässigkeiten darüber verbreitet, dass Frankreich ja nicht mal in der Lage sei, seine Kirchen vor Brand zu schützen. Das Militär behauptete, die Waldbrände seien keineswegs ausser Kontrolle.

Die Brände waren keine abgesprochene Aktion, erklärt der Bauernverband

Hinter all dem steht ein Grundsatzstreit. Macron hatte Amazonien beim Gipfel als Gemeingut der Menschheit bezeichnet, in rechtsnationalen Kreisen Brasiliens herrscht aber die Meinung vor, der Urwald sei Privatsache des Landes und diene der Entwicklung. Der brasilianische Bauernverband wies jedoch Meldungen zurück, wonach Farmer sich abgesprochen hätten, Brände zu legen: «Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion», sagte der Präsident des Verbands, Agamenon da Silva Menezes. Generalstaatsanwältin Raquel Dodge blieb jedoch dabei, es gebe den Verdacht, «dass das von langer Hand geplant wurde».

Bolivianische Soldaten ruhen sich im Otuquis-Nationalpark in der Ökoregion Pantanal im Südosten Boliviens aus. (26. August 2019) Bild: Aizar Raldes/AFP

Bundesaussenminister Heiko Maas hat Brasilien aufgefordert, energischer gegen die Brände vorzugehen. Er habe seinem brasilianischen Kollegen am Montagabend deutsche Hilfe angeboten, sagte Maas am Dienstag auf der Botschafterkonferenz in Berlin. Brasilien müsse aber daran erinnert werden, dass es im Mercosur-Handelsabkommen mit der EU zugesagt habe, den Regenwald zu schützen. «Vielleicht sollten wir das gerade in diesen Tagen nicht verschweigen», sagte er in Anspielung auf Forderungen etwa aus Irland oder Frankreich, das Abkommen solange nicht umzusetzen, bis Brasilien stärker gegen die Brandrodungen vorgeht.

Von Kanzlerin Angela Merkel ist jedoch bekannt, dass sie es eher skeptisch sieht, Abkommen als Druckmittel einzusetzen. Umweltverbände kritisieren, das Abkommen biete überhaupt keine Handhabe, Druck auszuüben. Präsident Macron sagte am Montag, er bedauere, dass Brasilien keine Hilfe annehme. Sie sei ein Zeichen der Freundschaft. «Wir respektieren Ihre Souveränität. Es ist Ihr Land, aber wir können Ihnen nicht erlauben, alles zu zerstören.» Durch den Import von Agrarprodukten wie Soja aus Brasilien sei Europa allerdings mitverantwortlich.


Satellitenbilder zeigen Rekord-Waldbrände im Amazonas-GebietNoch nie gab es im weltweit grössten Regenwald so viele Feuer. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur sind verheerend.

Erstellt: 27.08.2019, 20:07 Uhr

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Weitere Attacken gegen Macron

Die brasilianische Regierung hat Macron in den vergangenen Tagen wiederholt scharf angegriffen, weil der französische Präsident die Amazonas-Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt hatte.

Bolsonaro selbst warf Macron eine «kolonialistische Mentalität», eine «Instrumentalisierung» der Amazonas-Waldbrände sowie einen «sensationsgierigen Ton» vor. Der ultrarechte Politiker schreckte selbst vor einer sexistischen Attacke gegen Macrons Ehefrau Brigitte nicht zurück.

Lorenzoni setzte die Attacken am Dienstag fort. «Macron schafft es nicht mal, einen vorhersehbaren Brand in einer Kirche zu verhindern, die Teil des Welterbes ist, und er will uns Lektionen für unser Land erteilen?», sagte Lorenzoni in Anspielung auf das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April.

Bolsonaros Zustimmungswerte im eigenen Land legten in die vergangenen sechs Monaten eine rasante Talfahrt hin: Inzwischen missbilligen knapp 54 Prozent der Brasilianer seine Politik, im Februar hatte er noch 57,5 Prozent Zustimmung.

Verteidigungsminister sieht Brände «unter Kontrolle»

Im ökologisch für die ganze Welt wichtigen Amazonasgebiet lodern derzeit tausende Waldbrände. Nach jüngsten Angaben des brasilianischen Forschungsinstituts Inpe gab es in Brasilien seit Jahresbeginn mehr als 80'000 Feuer, davon mehr als die Hälfte im Amazonasbecken.

Der brasilianische Verteidigungsminister Azevedo e Silva erklärte, die Brände seien «unter Kontrolle». Die Regierung habe schnell reagiert und die Brände in der betroffenen Region gingen bereits zurück.Die Lage werde «etwas übertrieben» dargestellt in der Öffentlichkeit. Es habe schon Jahre zuvor «Bilder von viel schlimmeren Bränden» gegeben. (sda)

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