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Bush wusste doch von den Folterungen

Erst Jahre später habe die CIA den damaligen Präsidenten über ihre Verhörmethoden informiert, steht im Senatsbericht. Bushs Vize widerspricht. Der Bericht sei auch sonst «voller Scheisse».

Standen von 2001 bis 2009 an der Spitze der USA: Bush und Cheney an einem Anlass im Weissen Haus. (6. November 2008)
Standen von 2001 bis 2009 an der Spitze der USA: Bush und Cheney an einem Anlass im Weissen Haus. (6. November 2008)
Keystone

Der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney hat dem damals amtierenden Präsidenten George W. Bush eine eindeutige Mitverantwortung für die CIA-Folter zugewiesen. Cheney sagte dem Fernsehsender Fox News, Bush sei «ein integraler Bestandteil des Programms» gewesen. Der US-Senat hatte am Vortag einen Bericht über Misshandlung und Bedrohung von Gefangenen im Zuge des «Kriegs gegen den Terror» vorgestellt, in dem es hiess, Bush sei erst 2006 über Einzelheiten der Foltermethoden informiert worden.

Bush habe dem Folterprogramm «zustimmen» müssen, sagte Cheney. «Wir haben die Techniken diskutiert; es gab von unserer Seite keine Anstrengungen, ihn da rauszuhalten.» Die Senatsermittler hätten sich nicht einmal die Mühe gemacht, Schlüsselfiguren, die in das Programm eingebunden waren, zu befragen, sagte der Ex-Vizepräsident. Dann wäre womöglich herausgekommen, dass der damalige Präsident Bush mehr wusste, als in dem Bericht steht. Darin heisst es, Bush sei 2006, vier Jahre nach dem Start des Programms, über Einzelheiten der Foltermethoden informiert worden, und er habe sein «Unwohlsein» darüber zum Ausdruck gebracht.

«Sollten wir ihn auf die Wange küssen?»

Cheney übte im Übrigen in drastischen Worten Kritik an dem Senatsbericht. Dieser sei nicht nur «schwer fehlerhaft», sondern «voller Scheisse», sagte Cheney. In einer ersten Reaktion am Dienstag habe er nur «gelabert», fügte er in dem Interview hinzu. «Jetzt lasst mich das richtige Wort verwenden.»

Der Senatsbericht kommt zu dem Schluss, dass Terrorverdächtige nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington weit brutaler gefoltert wurden als bislang bekannt – ohne dass die CIA geheimdienstlich relevante Erkenntnisse gewann. Cheney widersprach heftig: «Wir taten damals exakt das, was notwendig war, um die Schuldigen für 9/11 zu schnappen und einen weiteren Anschlag zu verhindern», sagte er Fox News. «Wir waren in beiden Teilen erfolgreich.»

Bedauern darüber, dass etwa der als 9/11-«Chefplaner» geltende Khalid Sheikh Mohammed 183-mal einem simulierten Ertränken, dem sogenannten Waterboarding, unterzogen worden war, liess Cheney nicht erkennen. «Was hätten wir tun sollen? Ihn auf beide Wangen küssen und sagen: ‹Bitte, bitte, sag uns, was du weisst.› Bestimmt nicht.»

AFP/ldc

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