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100 turbulente Tage Trump

Lachhaft. Sprunghaft. Gefährlich. Donald Trumps Verhalten als US-Präsident rechtfertigt jedes dieser Urteile. Ein erster Rückblick.

In den ersten 100 Tagen als Präsident konnte man mindestens drei verschiedene Donald Trumps erkennen. Und die drei können durchaus alle am gleichen Tag auftreten. Foto: Keystone
In den ersten 100 Tagen als Präsident konnte man mindestens drei verschiedene Donald Trumps erkennen. Und die drei können durchaus alle am gleichen Tag auftreten. Foto: Keystone

Der Washingtoner Büroleiter der «Financial Times» hat von einem Interview im Weissen Haus eine Anekdote mitgebracht. Demetri Sevastopulo sass im Oval Office Donald Trump gegenüber, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, und sah auf dem Schreibtisch ein Kästchen mit einem roten Knopf. «Das ist wohl der Knopf für die Atomraketen», sagte der Journalist. Nein, keine Sorge, antwortete Trump, der Knopf sei harmlos. «Aber die Leute werden immer ein bisschen nervös, wenn ich ihn drücke.» Dann drückte Trump den Knopf. Und ein Bediensteter brachte Coca-Cola.

Heute ist Trump genau 100 Tage im Amt. Und vielleicht ist das, was Sevastopulo bei seinem Besuch erlebt hat, ein ganz gutes Bild, um Trumps bisherige Präsidentschaft zu beschreiben: Die Welt- und Atommacht Amerika, das Land mit der stärksten Wirtschaft und der stärksten Armee der Erde, wird von einem Mann regiert, der alle nervös macht, wenn er nur ein Getränk bestellt.

Eine gefährliche Mischung

Und es ist ja nicht so, als gäbe es keinen Grund, nervös zu sein. Trump ist, um es milde auszudrücken, ein ungewöhnlicher Präsident. Es gibt Dinge, über die weiss er nicht viel, und es gibt Dinge, die kümmern ihn nicht. Trotzdem tut er ständig etwas – sei es, dass er twittert, Dekrete unterschreibt oder Marschflugkörper losschickt. Diese ignorante Hyperaktivität, die im Falle Trumps mit viel Eitelkeit sowie der Überzeugung gepaart ist, immer recht zu haben, ist beim mächtigsten Mann der Welt eine gefährliche Mischung.

Ein anstrengender Job, Mister Präsident!: Ein Blick zurück auf 100 Tage Trump – mit einem Augenzwinkern. (video. Tamedia)

Blickt man genauer auf diese 100 Tage zurück, dann kann man mindestens drei Trumps erkennen. Die Grenzen sind fliessend, die drei können durchaus alle am gleichen Tag auftreten, und welcher Trump in den nächsten Jahren dominieren wird, ist offen.

Ein entlarvender Spruch

Den ersten dieser drei Trumps könnte man den Wer-hätte-das-gedacht-Trump nennen. Das geht auf ein Zitat zurück: «Wer hätte gedacht, dass Gesundheitspolitik so schwierig ist», hat Trump einmal gesagt, kurz bevor sein erster Versuch scheiterte, die Gesundheitsreform seines Vorgängers abzuschaffen. Das war ein entlarvender Spruch, denn natürlich weiss jeder, der sich in den USA mit Politik beschäftigt, dass es nichts Schwierigeres gibt als Gesundheitspolitik. In diesem Satz steckte Trumps gesamte Ahnungslosigkeit – samt der Frustration darüber, dass er weder wusste, dass er nichts weiss, noch weiss, wie er eigentlich regieren soll.

Songs statt Worte: Chuck Schumer ärgert Trump mit musikalischer Hundert-Tage-Bilanz. (Archivbild)
Songs statt Worte: Chuck Schumer ärgert Trump mit musikalischer Hundert-Tage-Bilanz. (Archivbild)
Jim Lo Scalzo, Keystone
Scheint beeindruckt von Kim, dem schlauen Keks: Trump spricht an einer Veranstaltung in Pennsylvania am 29. April 2017.
Scheint beeindruckt von Kim, dem schlauen Keks: Trump spricht an einer Veranstaltung in Pennsylvania am 29. April 2017.
Tracie van Auken, Keystone
Fordert von Deutschland höhere Verteidigungsausgaben: Donald Trump mit seinem Vize Mike Pence (l.) im Weissen Haus. (17. März 2017)
Fordert von Deutschland höhere Verteidigungsausgaben: Donald Trump mit seinem Vize Mike Pence (l.) im Weissen Haus. (17. März 2017)
Pat Benic/EPA, Keystone
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Manchmal macht die Erkenntnis, dass seine Macht Grenzen hat, Trump eher bockig. Als das Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Staaten von Gerichten blockiert wurde, erliess er ein zweites. Auch das scheiterte. Manchmal macht Trump, den sein Gerede von gestern eigentlich sowieso nie gekümmert hat, auch kurzerhand eine Wende. «Die Nato ist obsolet», sagt er an einem Tag. «Die Nato ist nicht mehr obsolet», sagt er am anderen Tag. China «vergewaltigt» Amerika, sagt Trump an einem Tag. China ist ein wichtiger Partner, um Nordkorea in Schach zu halten, am Tag darauf. Der Glaubwürdigkeit Amerikas tut das Hin und Her nicht gut.

Vieles ist nur heisse Luft

Ausser der Tatsache, dass er unberechenbar ist, hat Trump bisher keine politische Strategie entwickelt. Aber es ist eine Unberechenbarkeit, die nicht in Überzeugungen und Kalkül, sondern in Unwissen und Sprunghaftigkeit wurzelt. Nie wurde das deutlicher als beim Entscheid, nach dem Einsatz von Giftgas einen syrischen Flugplatz bombardieren zu lassen. Der Präsident hatte im Fernsehen die Bilder toter Kinder gesehen, also befahl er einen Vergeltungsschlag.

Es gibt Fälle, in denen geht dieser Wer-hätte-das-gedacht-Trump in die zweite Version über – in den Halb-so-schlimm-Trump. Denn auch das kann man nach 100 Tagen feststellen: Viel von dem, was Trump ankündigt, ist nichts als heisse Luft. Das entwertet das Amt, aber es hat wenig unmittelbare Folgen. Und bei manchen Themen hat der Präsident sein Unwissen auch erkannt, er hat dazugelernt, er lässt sich von vernünftigen Menschen beraten und ändert seine Meinung in die richtige Richtung. Trump hat keinen Handelskrieg mit China vom Zaun gebrochen; er hat das Atomabkommen mit dem Iran nicht gekündigt und (bisher) auch das Pariser Klimaabkommen und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen nicht; er hat seine naiv-rosige Sicht auf Russland korrigiert.

Der Trump-Trump

Allerdings: Für jedes Beispiel, das man für den Halb-so-schlimm-Trump anführen kann, gibt es ein Beispiel dafür, dass der Präsident doch genau so ist, wie er eben ist. Das ist die dritte Version, man könnte sie den Trump-Trump nennen. Dieser Trump ist manchmal fast lachhaft, etwa wenn er auf Twitter die Einschaltquoten von Arnold Schwarzenegger kommentiert. Manchmal ist er paranoid, dann faselt er von Wahlbetrug, für den es keine Beweise gibt. Manchmal ist der Trump-Trump hartherzig. Sein Vorgehen gegen illegale Einwanderer hat Millionen Menschen in Angst und Schrecken versetzt.

Trump-Trump gegen Arnie: Der damals designierte US-Präsident liefert sich einen unstaatsmännischen Schlagabtausch mit Arnold Schwarzenegger. (Video: Tamedia; 07. Januar 2017)

Und manchmal ist das, was der Trump-Trump veranstaltet, auch gefährlich. Sein Nepotismus, seine Ausflüge zu den eigenen Golfclubs, seine Verquickung von Amt und Geschäft, seine Attacken auf Presse und Justiz, seine Halbwahrheiten und Lügen – all das untergräbt das Vertrauen der Amerikaner in ihre politischen Institutionen und vertieft die Risse in der Gesellschaft.

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