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China schaltet sich in US-Waffenpolitik ein

Nach dem Massaker von Newtown rät China den USA zu einer strengeren Waffenregulierung. Dabei erlebte es eben erst eine ähnliche Tragödie. Doch Schusswaffen sind im Reich der Mitte tatsächlich nur schwer zugänglich.

China schaut mit Argwohn auf die US-Waffenpolitik: Chinesischer Soldat vor einer US-Flagge. (Archivbild)
China schaut mit Argwohn auf die US-Waffenpolitik: Chinesischer Soldat vor einer US-Flagge. (Archivbild)
Reuters

Bereits wenige Stunden nach dem Attentat von Newtown versammelten sich am Freitag die ersten Aktivisten in Washington vor dem Weissen Haus, um für strengere Waffengesetze zu demonstrieren. Seither ist eine neue Debatte über den Waffenbesitz entbrannt, und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten.

Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hat die USA auf ihrer Website Xinhuanet.com aufgerufen, striktere Waffengesetze einzuführen. Mit dem Attentat von Aurora, der Schiesserei in einem Einkaufszentrum in Oregon und dem Massaker von Adam Lanza habe es allein in den vergangenen sechs Monaten schon zu viele Tote durch Schusswaffen gegeben. «Das Blut und die Tränen fordern eine strengere Waffenregulierung von den USA», schreibt die Agentur weiter.

Messerattacke in Grundschule

Pekings Einmischung in die Debatte ist insofern von Bedeutung, als China selbst just am Tag des Massakers in Newtown durch einen Angriff auf Kinder einer Grundschule erschüttert wurde (Redaktion Tamedia berichtete). In der zentralen Provinz Henan drang ein Mann in das Schulgebäude ein und stach mit einem Messer auf 22 Kinder ein.

Die Tatsache, dass es bei diesem Attentat keine Toten, sondern lediglich Verletzte gab, fliesst nun wiederum in die Schusswaffen-Debatte in den USA ein. Den glimpflicheren Ausgang des Angriffs in China führt der Soziologe und Harvard-Absolvent Ding Xuellang auf die Abwesenheit einer Schusswaffe in diesem Fall zurück. Gegenüber CNN sagte der Wissenschaftler von der University of Science and Technology in Hongkong: «Der grosse Unterschied zum Massaker in den USA besteht darin, dass der Täter in China keine effektive Waffe zur Verfügung hatte.» In den Vereinigten Staaten, so der Soziologe weiter, komme man einfacher an Schusswaffen verschiedener Art und gar an Sprengstoff.

Seltene Erlaubnis für Schusswaffen

China verfügt über äusserst strikte Waffengesetze. Den privaten Besitz von Feuerwaffen jeglicher Art kennt das Land kaum. Eine Trageerlaubnis für Pistolen werde, so «International Herald Tribune»-Journalist Mark McDonald, nur in seltenen Fällen erteilt; wenn Bewohner einer entlegenen Gegend etwa eine Schusswaffe als Verteidigung gegen wilde Tiere benötigten.

Ähnlich strikt sind die Regeln bezüglich Messern. Seit 2010 bei Attacken auf Schulen insgesamt 28 Kinder getötet und rund 80 Personen verletzt wurden, kann nur noch Messer ab einer gewissen Grösse kaufen, wer sich zuvor mit seiner Identitätskarte registrieren liess. Während des Parteitages der Kommunistischen Partei Chinas war in Peking gar der gesamte Verkauf von Messern untersagt.

Versandeter Plan zur Verschärfung

Ob die Tragödie von Newtown in den USA zu einem Umdenken führen wird, bleibt fraglich. Eine nationale Kommission solle das Waffenrecht überprüfen, forderte der parteilose Senator Joe Lieberman heute in der Fernsehsendung «Fox News Sunday». Der demokratische Senator Dick Durbin schloss sich der Forderung an. In der Sendung «Meet the Press» kündigte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein an, sie werde ihren Plan für ein Verbot von militärischen Waffen wieder aufnehmen.

Bislang wurde jedoch immer wieder nach Schiessereien in den USA über ein restriktiveres Waffenrecht gestritten, geändert hat sich nichts. Wie die «New York Times» berichtet, landete der letzte Vorstoss des Justizdepartements zu dieser Problematik zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes in einer Schublade.

Das Departement hatte offenbar 2011 nach dem Attentat von Tucson, bei dem unter anderem die Repräsentantin Gabrielle Giffords schwer verletzt wurde, eine Liste mit Massnahmen für verbesserte Hintergrundchecks ausgearbeitet. Gründlichere Überprüfungen von Waffenbesitzern sollten demnach zukünftig die Chancen verringern, dass Pistolen und Gewehre in den Händen von vorbestraften oder psychisch instabilen Personen landeten.

Gemäss «Gunpolicy.org», einer von australischen Universitäten betriebenen Datenbank, rangieren die USA mit einer geschätzten Zahl von 270 Millionen Feuerwaffen in privatem Besitz weltweit auf Rang eins. Jedes Jahr sterben zwischen 9000 und 10'000 Menschen durch Schusswaffen.

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