Clinton auf Erfolgskurs dank Afroamerikanern

Nach dem Superdienstag ist Hillary Clinton die Nominierung zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin kaum noch zu nehmen.

Im Wahlkampf präsentiert sie sich als politische Erbin Barack Obamas: Hillary Clinton.

Im Wahlkampf präsentiert sie sich als politische Erbin Barack Obamas: Hillary Clinton. Bild: Keystone

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Durfte sie schon nach ihrem überzeugenden Sieg im Südstaat South Carolina aufatmen, so beeindruckte Hillary Clinton bei den gestrigen Vorwahlen und Parteiversammlungen erst recht. Die Favoritin für die Präsidentschaftsnominierung der demokratischen Partei räumte ab: Von Texas bis hinauf zum neuenglischen Massachusetts reicht die Palette ihrer Wahlsiege am Superdienstag über den linken Senator Bernie Sanders aus dem kleinen Staat Vermont. Sanders gewann gestern seinen Heimatstaat sowie Oklahoma und die Parteiversammlungen in Minnesota und Colorado, Clinton den Rest der elf Vorwahlstaaten.

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Und wie schon vor kurzem in South Carolina waren es wieder afroamerikanische Wähler, die Clinton zu beeindruckenden Mehrheiten in diversen Südstaaten verhalfen: Alabama und Georgia, Virginia, Arkansas und Tennessee konnte die Ex-Aussenministerin vor allem deshalb für sich verbuchen, weil sie überwältigenden Zuspruch von schwarzen Wählern erhielt. In Texas gesellte sich eine Mehrheit von Latinos dazu, so dass Clinton auch hier einen grossen Sieg erzielte.

Obamas Politik fortsetzen

Hatte sie die innerparteiliche Schlacht gegen Barack Obama 2008 auch und vor allem wegen afroamerikanischer Wähler verloren, die in den Südstaaten eine Mehrheit des demokratischen Wahlvolks bilden, so brachte sie nun diese Wählerschicht hinter sich sich – womit sich auszahlte, dass sich Clinton im gesamten Wahlkampf als politische Erbin Barack Obamas präsentierte. Sie wolle «auf den Fortschritt bauen, den Präsident Obama erreicht hat», sagte sie vor wenigen Tagen.

Dieser Anspruch entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Die Lage des schwarzen Amerika ist unter Barack Obama keineswegs besser geworden, auch war es Bill Clinton, der 1994 als Präsident durch eine Verschärfung der Gesetze den Boden bereitete für die massenhafte Inhaftierung von Afroamerikanern.

Sanders sollte nicht aufgeben

Bernie Sanders konnte davon nicht profitieren, denn zu fremd sind sich der Senator aus Neuengland und die südstaatliche schwarze Klientel der Demokraten. Sanders bleibt der Held junger Amerikaner und weisser Linker innerhalb einer demokratischen Koalition, die zusehends von Schwarzen, Latinos und asiatischstämmigen Wählern geprägt wird. Nach dem gestrigen Erfolg Clintons dürften nun Stimmen in der Partei laut werden, die Sanders zum Aufgeben raten. Aufgeben aber sollte der Senator keinesfalls.

Denn in den kommenden Wochen und Monaten wird er den einen oder anderen Vorwahlstaat und die eine oder andere Parteiversammlung gewinnen und dabei Themen besetzen und Anliegen vertreten, die von der Demokratischen Partei umfänglich diskutiert und verfolgt werden müssen: Soziale Gerechtigkeit, eine kritische Distanz zur Wallstreet sowie Hilfen für die bedrängte Mittelklasse und die überschuldeten amerikanischen Studenten.

Mangel an Enthusiasmus

Auch wenn er den Kampf um die Nominierung verlieren sollte, wird Sanders an der Spitze einer beachtlichen Zahl von Delegierten beim demokratischen Parteitag im Juli in Philadelphia einziehen und seine Anhänger hoffentlich davon überzeugen können, der Siegerin Gefolgschaft zu leisten. Für die Demokraten eher ernüchternd ist, dass auch gestern Abend die demokratische Wahlbeteiligung weit hinter der republikanischen zurückblieb.

Fällt Clinton tatsächlich die Kandidatur der demokratischen Partei zu, muss sie sich mit diesem Mangel an Enthusiasmus auseinandersetzen – und ihn beseitigen. Andernfalls könnte ihr und ihrer Partei am Wahltag im November eine unliebsame Überraschung blühen.

Erstellt: 02.03.2016, 06:43 Uhr

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