Zum Hauptinhalt springen

«Das hat viel Bewegung in die kubanische Gesellschaft gebracht»

Mit dem historischen Aussenministertreffen nähern sich Kuba und die USA weiter an. Dem begegnen die Kubaner mit einer Mischung aus ewiger Hoffnung und konstanter Angst, sagt Kuba-Kenner René Zeyer.

US-Präsident Barack Obama mit kubanischer Zigarre inmitten von kubanischen Souvenirs: Touristen-Shop in Havanna.
US-Präsident Barack Obama mit kubanischer Zigarre inmitten von kubanischen Souvenirs: Touristen-Shop in Havanna.
Keystone

Sie kennen Kuba seit Jahrzehnten und reisen regelmässig dort hin. Wie haben Sie Kuba bei Ihrem letzten Besuch erlebt? Ich war bei der Verkündung der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen im Dezember in Havanna und kam vor drei Wochen zurück. Nach fünfzig Jahren striktem Staatssozialismus dürfen Kubaner seit einiger Zeit Kleinbetriebe auf «cuenta propia», auf eigene Rechnung, unterhalten, zum ersten Mal mit Häusern oder Autos handeln. Das hat viel Bewegung in die Gesellschaft gebracht, die Strassen sind bunter geworden, es wird geschachert und gewerkelt. Auf der anderen Seite sind mehr als 80 Prozent aller Werktätigen immer noch Staatsangestellte, zu einem Durchschnittslohn von 500 Pesos, rund 20 Franken im Monat. Trotz gratis Gesundheits- und Bildungssystem, teilweise subventionierten Lebensmitteln und kostenfreiem Wohnen fordert das von jedem Kubaner komplizierte Überlebensstrategien ab. Gleichzeitig geht zum ersten Mal seit dem Sieg der Revolution im Jahre 1959 die Schere zwischen cleveren und gutverdienenden Kubanern und der breiten Masse deutlich auf.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.