Zum Hauptinhalt springen

«Das ist kein Fehler, das war Absicht»

Die US-First Lady zieht unterwegs ins Heim für Migrantenkinder eine Jacke mit dem Slogan «I really don’t care» – jetzt wetteifern Politbeobachter mit Interpretationen.

Die First Lady reiste am Donnerstag an die texanische Grenze und besuchte ein Kinderheim – mit rätselhafter Garderobe. Video: Tamedia/Reuters

First Lady Melania Trump hat sich erneut in den Streit um die Trennung von Zuwandererfamilien eingeschaltet und sich klar auf die Seite der Kinder gestellt. Am Donnerstag besuchte die 48-Jährige in Texas demonstrativ ein Aufnahmezentrum für Kinder. Dabei sorgte indes vor allem ihre Kleiderwahl für Diskussionen. Beim Besteigen des Flugzeugs in Richtung Texas trug Melania Trump am Donnerstag eine olivgrüne Khakijacke, auf deren Rückseite der Spruch prangte: «I really don’t care. Do U?» («Es ist mir wirklich egal. Und dir?»)

Bilder: Melanias provokative Jacke

Eric Baradat, AFP
Melania Trump besuchte in Texas ein Aufnahmezentrum für Kinder, dabei trug sie eine olivgrüne Khakijacke mit dem Spruch: «Es ist mir wirklich egal. Und dir?» (22. Juni 2018)
Melania Trump besuchte in Texas ein Aufnahmezentrum für Kinder, dabei trug sie eine olivgrüne Khakijacke mit dem Spruch: «Es ist mir wirklich egal. Und dir?» (22. Juni 2018)
Andrew Harnik/AP, Keystone
Dieses unterzeichnete er noch am selben Tag in Washington.
Dieses unterzeichnete er noch am selben Tag in Washington.
Leah Millis, Reuters
1 / 14

Sofort ging auf den sozialen Medien der Kampf über die Interpretation des unklaren Statements los. Eine Gruppe interpretierte den Slogan als: Melania Trump interessiert sich nicht wirklich für die Migrantenkinder. Eine andere Gruppe dachte, Adressat der Botschaft sei ihr Mann, US-Präsident Donald Trump – zumal sich Melania bereits zuvor gegen die Praxis der Familientrennung gestellt hatte, als sie am Sonntag mitteilen liess, sie «hasse es», wenn Kinder und Eltern auseinandergerissen würden. Dabei vermied es die First Lady allerdings, ihren Gatten direkt zu kritisieren.

Melania Trumps Sprecherin und Donald Trump widersprechen sich

Als Nächstes schaltete sich Melania Trumps Sprecherin Stephanie Grisham erneut ein. «Es ist eine Jacke. Es gibt keine versteckte Botschaft», so Grisham. Sie hoffe, dass sich die Medien nach dem «wichtigen Besuch» der First Lady an der Grenze nun nicht auf die Garderobe fokussieren würden. In den sozialen Medien untermauerte Grisham ihr Statement mit dem Hashtag #ItsJustAJacket (Es ist nur eine Jacke).

Doch Grisham machte die Rechnung ohne den US-Präsidenten, der sich zwei Stunden später in den Interpretationskampf einschaltete und der Sprecherin seiner Gattin widersprach: «‹I REALLY DON’T CARE, DO U?›, auf der Rückseite von Melanias Jacke, bezieht sich auf die Fake-News-Medien. Melania hat gelernt, wie unehrlich sie sind, und es interessiert sie wirklich nicht mehr!»

Melania Trump selbst hat sich bislang nicht zu ihrer Kleiderwahl geäussert. Ihr Büro bestätigte indes, dass es sich um eine Jacke aus dem Kleiderladen Zara handle, die 39 US-Dollar gekostet habe.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kleiderwahl der First Lady für Aufsehen sorgt. Die Episode erinnert an den vergangenen August, als sie sich mit High Heels auf den Weg in das vom Wirbelsturm Harvey teilweise überflutete Houston machte. Bei der Ankunft stieg sie dann aber mit weissen Sneakers aus dem Flugzeug. Auch während des Wahlkampfs hatte sie eine Debatte ihres Gatten, der damals wegen seiner «Grab them by the pussy»-Aussage unter Druck stand, in einem «Pussy-bow»-Oberteil von Gucci verfolgt – «unabsichtlich», wie eine Sprecherin sagte.

Auch die olivgrüne Khakijacke hatte Melania Trump beim Verlassen des Flugzeugs in Texas nicht mehr an. Sie zog das Kleidungsstück erst auf dem Heimweg wieder an und stieg so zurück in Maryland aus dem Flieger.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums stand die ehemalige First Lady Michelle Obama oft in der Kritik, weil sie gerne ärmellose Kleider trug. Ihr Mann, Präsident Barack Obama, stand einen Nachrichtenzyklus im Fokus, als er 2014 zu einer Pressekonferenz einen beigen Anzug anzog.

«Es ist schwer zu glauben»

Wie die Trumps und Benutzer auf den sozialen Medien kommen auch Politbeobachter nicht zu einer eindeutigen Interpretation des Slogans. Einigen Analysten erscheint es unwahrscheinlich, dass die First Lady mit der Jacke überhaupt eine politische Nachricht habe senden wollen: «Es ist schwer zu glauben, dass die First Lady die Anstrengung unternehmen würde, nach Texas zu fliegen, Kinder zu besuchen, mit dem Personal zu sprechen und sich auf diese herzzerreissende Geschichte einzulassen, nur um sie absichtlich mit einer herzlosen Wahl der Kleidung zu untergraben», schreibt etwa BBC-Reporterin Katty Kay zum Vorfall unter dem Titel «Pretty tone deaf» (sinngemäss: «Unsensibel in der Tonwahl»). Es sei unklar, wie die Jacke durch die vorsichtigen Protokolle des Weissen Hauses geschlüpft ist. «Aber es ist letztlich ein Fehler ihres Personals», so Kay. Gemäss ihrer Sprecherin habe die First Lady ihre Mitarbeiter gebeten, die Reise nach Texas zu organisieren, nachdem sie die Fotos und Tonaufnahmen aus den Heimen in Texas gesehen hatte.

Es gibt aber auch andere Stimmen. CNN-Analystin Kirsten Powers hebt hervor, dass Melania Trump als sehr modebewusste Frau (sie war früher Model), sehr viel Zeit damit verbringt, ihre Kleider auszusuchen. «Das war kein Fehler, das war Absicht», ist sich Powers sicher. «Sie ist offiziell die Marie Antoinette dieser Regierung. Es fehlt nur noch, dass sie sagt: ‹Sollen sie doch Kuchen essen.›»

Auch Vanessa Friedman der «New York Times» glaubt nicht, dass die First Lady die Jacke «einfach so» gewählt habe. Die richtige Frage sei, an wen sie die Nachricht «I don't care» habe senden wollen. Friedman meint, die Migrantenkinder seien kaum die beabsichtigten Empfänger der Botschaft – zumal die First Lady die Jacke in Texas abgezogen hatte.

Letztlich bleibe unklar, wer gemeint war – doch es gebe neben der Kritiker ihres Mannes eine ganze Reihe möglicher Adressaten. «Möglicherweise wollte sie sagen, dass sie nicht Teil dieser Politik war oder nicht dafür verantwortlich, die Empörung aller über diese Politik zu vermitteln.» Es sei auch möglich, dass die Botschaft für ihren Gatten bestimmt war. Oder vielleicht sei es ja auch eine Botschaft an alle: «Ich werde tragen, was ich will, und es ist mir egal, was du darüber denkst.»

Zwei Einrichtungen besucht

Während ihres Aufenthalts in McAllen besichtigte die First Lady zwei Einrichtungen: das «Ursula Border Patrol Processing Center», in dem die Zoll- und Grenzpatrouille Migrantenfamilien für einige Tage festhalten, und der «Upbring New Hope Children’s Shelter», der vom Gesundheits- und Sozialamt betrieben wird und derzeit etwa 60 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren aus Honduras und El Salvador beherbergt. Wie «Vox» mit Bezug auf einen hohen Verwaltungsbeamten berichtet, wurden sechs dieser Kinder von ihren Eltern getrennt, während die anderen als unbegleitete Minderjährige ankamen.

Die US-Migrationspolitik kommt indessen nicht vom Fleck: Eine für Freitag im Repräsentantenhaus geplante Abstimmung über neue gesetzliche Regelungen wurde auf kommende Woche verschoben. Die Republikaner verfügen dort über eine grössere Mehrheit. Doch selbst wenn der Entwurf diese Kongresskammer passieren sollte, wird er angesichts der knapperen Mehrheiten im Senat wenig Chancen auf Erfolg haben. Ein Entwurf mit härteren Regelungen für die Einwanderung war am Donnerstag klar durchgefallen.

In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden Familien illegal eingewanderter Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent getrennt. Dies hatte international und auch in den USA scharfe Proteste verursacht. Trump hatte diese Praxis am Mittwoch unter grossem Druck überraschend beendet.

US-Armee soll Kinder unterbringen

Die US-Armee soll nun für die Unterbringung von 20'000 illegal ins Land gelangten Minderjährigen sorgen. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, dass es vom Sozialministerium um Kapazitäten von bis zu 20'000 Betten in seinen Militärbasen gebeten worden sei.

Laut Pentagon kommen vier Basen in Frage. Diese sind für Minderjährige vorgesehen, die unbegleitet über die Grenze in die USA kamen. Es geht dabei nicht um die Immigrantenkinder, die von ihren Eltern getrennt wurden. Im Jahr 2014 wurden auch unter Präsident Barack Obama drei Militärbasen zeitlich befristet für die Unterbringung von Migranten genutzt.

(Mit Informationen der Nachrichtenagentur SDA.)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch