Zum Hauptinhalt springen

Das «mutigste Mädchen der Welt» spricht vor der UNO

Die Taliban schossen ihr in den Kopf, weil sie zur Schule gehen wollte: Die pakistanische Malala wurde heute 16 – und hielt eine Rede bei den Vereinten Nationen. Für die Zukunft hat sie eine klare Forderung.

«Lasst uns unsere Bücher und Stifte in die Hand nehmen»: Malala Yousafzai in New York. (12. Juli 2013)
«Lasst uns unsere Bücher und Stifte in die Hand nehmen»: Malala Yousafzai in New York. (12. Juli 2013)
Andrew Burton/Getty Images, AFP
Die UNO kürte den Tag zum «Malala-Tag».
Die UNO kürte den Tag zum «Malala-Tag».
Stan Honda, AFP
Malala mit Ban Ki-Moon und ihrer Familie.
Malala mit Ban Ki-Moon und ihrer Familie.
Stan Honda, AFP
1 / 6

Das Attentat auf die pakistanische Schülerin Malala erschütterte im letzten Jahr die Welt. Keine zehn Monate später zeigt sich das Mädchen nun genesen und voller Tatendrang bei den Vereinten Nationen. Ihre Mission: Schulbildung für alle.

Normalerweise gehört der grüne Stuhl im Zentrum des Podiums dem UNO-Generalsekretär. Ist er nicht da, geht der Chefsessel an den jeweils nachfolgenden in der UNO-Hierarchie.

Grosse braune Augen

Nun aber sitzt darauf ein schmales Mädchen mit grossen braunen Augen und einem rosa-weiss-gemusterten Kopftuch und blickt schüchtern in die Menschenmenge des voll besetzten UNO-Saales. «Malala Yousafzai» steht auf einem Schild vor ihr auf dem Tisch.

Radikal-islamische Taliban-Kämpfer hatten der pakistanischen Schülerin, die sich in ihrer Heimat für die Schulbildung von Mädchen eingesetzt hatte, im Oktober 2012 in den Kopf geschossen. Keine zehn Monate später, an ihrem 16. Geburtstag, ist Malala zu den Vereinten Nationen nach New York gekommen, um Bildung für alle Kinder auf der Welt zu fordern: «Bildung ist die einzige Lösung.»

«Unsere Heldin»

Mit leicht gesenktem Blick nimmt Malala, die weltweit zu einer Symbolfigur für das Recht auf Bildung geworden ist, die Lobeshymnen und Geburtstagsglückwünsche ihrer Vorredner entgegnen. Die Plastikflasche mit Wasser rührt sie nicht an.

«Malala ist unsere Heldin», sagt UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, an dessen Hand sie den Saal betreten hat. Es sei selbstverständlich, dass sie an so einem Tag das Zentrum des Podiums einnehmen müsse. «Andere Menschen feiern ihren Geburtstag mit einer Party oder einem freien Tag. Sie setzt sich für mehr Bildung ein.»

Es sei ein «Wunder», dass Malala hier sein könne, sagte der frühere britische Premierminister Gordon Brown, dessen Büro Malala unterstützt. «Noch nie gab es so eine mutige Jugendliche, die sich so leidenschaftlich für Bildung eingesetzt hat.»

«Einer der grossartigsten Tage meines Lebens»

Und dann folgt Malalas grosser Auftritt, ihre erste öffentliche Rede. Unter dem Applaus und Jubel der Zuschauer läuft sie vorsichtig zum Rednerpult und setzt mit überraschend fester und lauter Stimme an.

Sie redet auf Englisch mit weichem Akzent, das Manuskript fest umklammert. «Es ist eine grosse Ehre für mich, nach so langer Zeit wieder sprechen zu können. Und hier mit all diesen ehrwürdigen Menschen zu sein, das ist einer der grossartigsten Tage meines Lebens.»

In der ersten Reihe wischt sich ihre in ein weisses Gewand samt Kopftuch gekleidete Mutter eine Träne aus dem Augenwinkel. Ihr Vater sitzt mit schwarzem Schnauz, grauem Anzug und weissem Hemd daneben und lächelt mit stolzgeschwellter Brust. Ein kleiner Bruder schaut sich verwundert um.

Kein Hass, keine Rache

Jedes Kind auf der Welt soll zur Schule gehen können, fordert die 16-Jährige, die mit ihrer Familie inzwischen in Grossbritannien lebt und unter anderem im Internet immer noch zahlreiche Morddrohungen bekommt. «Ich stehe hier, um meine Stimme zu erheben für das Recht jedes einzelnen Kindes auf Bildung.»

Mit der Attacke auf sie und ihre Schulkameraden im vergangenen Jahr hätten die Taliban sie nicht stoppen können. «Sie dachten, dass die Kugeln uns verstummen lassen würden, aber da lagen sie falsch.» Ganz im Gegenteil: Der Angriff habe sie noch stärker und mutiger werden lassen. «Niemand kann uns jetzt mehr stoppen.»

Sie hasse ihre Angreifer nicht und fordere keine Rache, sondern sehe sich in der Tradition des friedlichen Protests von Symbolfiguren und Bürgerrechtlern wie Martin Luther King oder Mahatma Gandhi.

Geburtstagsständchen für Malala

In UNO-Generalsekretär Ban, der im kriegszerstörten Südkorea aufwuchs und grosse Teile seiner Schulbildung unter einem Baum in seinem Heimatdorf bekam, hat Malala einen Verbündeten gefunden. Sie übergibt ihm eine Petition, die alle UNO-Mitgliedsstaaten zu mehr Engagement für Bildung auffordert.

Ban verspricht, sich für das UNO-Ziel starkzumachen, dass die 57 Millionen Kinder und Jugendlichen auf der Welt, die derzeit keine Schule besuchen können, bis 2015 qualifizierte Bildungsmöglichkeiten erhalten. Und dann singt der ganze Saal «Happy Birthday» und Malala bekommt doch noch ihr Geburtstagsständchen.

SDA/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch