«Das Präsidentenflugzeug verschwindet!»

Mexikos neue Regierung jubelt über einen Verzicht, der für die Zeitenwende unter Präsident López Obrador stehen soll.

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Von den vielen Versprechen, die Mexikos neuer Präsident Andrés Manuel López Obrador während des Wahlkampfes gemacht hat, ist es eines der populärsten und aufsehenerregendsten: Er werde das mexikanische Präsidentenflugzeug Donald Trump zum Kauf anbieten.

Dass sein amerikanischer Amtskollege darauf eingehen würde, war natürlich ausgeschlossen, aber den wichtigsten Teil seines Versprechens hat López Obrador gehalten: Am Montag hat die Boeing Dreamliner 787-8, die nach dem mexikanischen Unabhängigkeitshelden José María Morelos y Pavón benannt ist, vom Flughafen in Mexiko-Stadt abgehoben. Sie flog ins südkalifornische San Bernardino, wo sie gewartet wird und eine UNO-Agentur einen Käufer für das Flugzeug finden will.

Der Dreamliner startet am 3. Dezember 2018 in Richtung Kalifornien. Video: Gobierno de México (Youtube)

Zu teuer, zu protzig, zu volksfern

Auf Twitter hat Mexikos neue Regierung das Ereignis mit dem Ausruf «Das Präsidentenflugzeug verschwindet, es verschwindet!» gefeiert. Dass sie statt über einen prestigiösen Neuerwerb über einen Verzicht jubelt, steht symbolisch für die Zeitenwende, die López Obrador in Mexiko heraufbeschwören will. Die Präsidentenboeing empfindet der 65-jährige linke Politiker als zu teuer, zu protzig, zu volksfern.

Schon als sein Vor-Vorgänger, der zwischen 2006 und 2012 regierende Konservative Felipe Calderón, das Flugzeug für knapp 219 Millionen Dollar bestellte, bezeichnete López Obrador den Kauf als Geldverschwendung. Später forderte er seinen Vorgänger Enrique Peña Nieto dazu auf, die Bestellung zu widerrufen.

López Obrador will auch 60 weitere Flugzeuge und 70 Helikopter verkaufen, die sich bisher im Besitz der mexikanischen Regierung befanden. Foto: Keystone

Vergeblich: Im Februar 2016 weihte Peña Nieto die «José Maria Morelos y Pavón» ein und benutzte sie für 214 Reisen, auf denen er insgesamt 600'000 Kilometer zurücklegte. Nun, so sagte ein Funktionär, werde der Hangar, in dem die Präsidentenmaschine stand, für Gescheiteres genutzt. Zusätzlich will López Obrador 60 weitere Flugzeuge und 70 Helikopter verkaufen, die sich bisher im Besitz der mexikanischen Regierung befanden.

An Bord gibt es Büros, Schlafzimmer, Internet sowie Systeme zur Spionageabwehr.

Eigentlich hätten 242 Passagiere in der «José Maria Morelos y Pavón» Platz, doch wurde ihre Kapazität zur Steigerung der präsidialen Bequemlichkeit auf 80 Personen verringert. In der Maschine gibt es Büros, Sofas, Schlafzimmer, Internet, Satellitentelefon sowie elektronische Systeme zur Spionageabwehr – was ein Staatsoberhaupt während einer Reise halt so braucht. Ihr letzter offizieller Flug führte vergangene Woche an den G-20-Gipfel nach Buenos Aires, ehe Peña Nieto am 1. Dezember die Macht an seinen linken Nachfolger abtrat.

Video: El Universal (Youtube)

Und wie wird künftig López Obrador reisen? Eigentlich könnte er wieder das alte Präsidentenflugzeug «Benito Juárez» verwenden. Dass es noch immer funktionstüchtig ist, war einer der Gründe, weshalb der Kauf der «José Maria Morelos y Pavón» seinerzeit grosse öffentliche Polemik entfachte. Mexikos neuer Präsident zieht es jedoch vor, normale Linienflüge zu benutzen, und bei seiner ersten offiziellen Reise in die Küstenstadt Veracruz am Golf von Mexiko hat er dies bereits ein erstes Mal getan, in Begleitung weniger Leibwächter.

Eine Ära volkstümlicher Bescheidenheit

Neben dem Verkauf des Präsidentenflugzeugs hat López Obrador weitere Massnahmen angeordnet, um seinem Volk und der Welt zu zeigen, dass mit seinem Amtsantritt eine Ära volkstümlicher Bescheidenheit angebrochen ist. Die Residenz Los Pinos, das mexikanische Gegenstück zum Weissen Haus in Washington, hat er dem Volk zur Besichtigung geöffnet. Auf dass sich alle davon überzeugen, wie gut es sich seine Vorgänger gehen liessen. Später sollen in Los Pinos Museen und ein Kulturzentrum entstehen, während López Obrador weiterhin sein verhältnismässig bescheidenes Apartment in Mexiko-Stadt bewohnen will.

Er hat die Eltern der 43 Studenten von Ayotzinapa empfangen, die am 26. September 2014 spurlos verschwunden sind. Eine Wahrheitskommission soll nun das Verbrechen, an dem neben der organisierten Kriminalität mutmasslicherweise auch Polizei und Armee beteiligt waren, aufklären. Ferner hat López Obrador an einer traditionellen indigenen Zeremonie teilgenommen und dabei den «bastón de mando» erhalten, den Stock des Anführers. Und er fährt auch als Präsident einen schlichten VW Sedan, begleitet einzig von seinem Chauffeur und allenfalls von seiner Ehefrau.

López Obradors Anhänger stellen erleichtert fest, dass der neue Präsident seine Wahlversprechen unverzüglich umsetzt. Seine Gegner sprechen von billigem Populismus. Und erinnern daran, dass mit symbolträchtigen Gesten kein einziges von Mexikos gewaltigen Problemen gelöst ist.

Erstellt: 04.12.2018, 14:35 Uhr

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