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Das tragische Ende eines Abenteuers

Der Tod des US-Studenten Otto Warmbier nach seiner Haft in Nordkorea verschärft den ohnehin schon gefährlichen Konflikt zwischen Washington und Pyongyang.

«Schlimmster Fehler meines Lebens»: Otto Warmbier an der Pressekonferenz nach seiner Verurteilung. Foto: Yuri Sidorov (Keystone)
«Schlimmster Fehler meines Lebens»: Otto Warmbier an der Pressekonferenz nach seiner Verurteilung. Foto: Yuri Sidorov (Keystone)

Er wollte nur fünf Tage in Nordkorea bleiben und ein Abenteuer erleben. Doch aus der kurzen Reise wurde eine folgenschwere Haft. Otto Warmbier, Student aus Cincinnati, Ohio, wurde bei seiner Ausreise am 2. Januar 2016 am Flughafen Pyongyang festgenommen, weil er in einem Hotel ein politisches Plakat von der Wand genommen und es eingepackt hatte. Ein Gericht verurteilte den 22-jährigen US-Bürger im Schnellverfahren zu 15 Jahren Arbeitslager. In einer tränenreichen, choreografierten Pressekonferenz bezeichnete er den Diebstahl des Posters als «schlimmsten Fehler meines Lebens».

Tragischer Tod: Der US-Student verstarb nach seiner Gefangenschaft. (Video: Tamedia/AFP)

Diesen Montag starb Warmbier an den Folgen seiner Haft, nachdem es amerikanischen Diplomaten vor einigen Tagen gelungen war, den Studenten in die USA zurückzuholen. Sein Tod wird den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea weiter belasten, der seit April dieses Jahres zusehends eskalierte. Nach mehreren nordkoreanischen Raketentests schickten die USA damals einen Flugzeugträger in die Region, worauf die Regierung Nordkoreas antwortete, man sei «zu jeder Form von Krieg bereit».

Nordkorea sei ein Land, in dem «schreckliche Dinge» passierten, sagte Präsident Donald Trump am Montag, und der US-Präsident fügte mehrdeutig hinzu: «Wir werden uns darum kümmern.» Schon vor Wochen kündigte Trump in einem Interview an, das «Nordkorea-Problem» zu lösen, falls das mit Pyongyang verbündete China nichts unternehme. Auch die Mitglieder des Kongresses verschärften ihren Ton, nachdem sie vom Tod Warmbiers erfahren hatten. Neu ist davon die Rede, amerikanischen Bürgern die Einreise nach Nordkorea zu verbieten. Der Reiseveranstalter Young Pioneers Tour, mit dem Warmbier unterwegs war, hat bereits bekannt gegeben, er werde keine Amerikaner mehr nach Nordkorea bringen. Senator John McCain, der in Vietnam 1967 selbst in Kriegsgefangenschaft geriet und gefoltert wurde, sagte, das brutale Regime von Kim Jong-un habe den US-Studenten Warmbier «ermordet».

Nach Warmbiers Tod: US-Präsident kritisiert Nordkorea. (Video: Tamedia/AFP)

Der Tod des jungen Mannes aus Ohio werde auch am «Diplomatie- und Sicherheitsgipfel» zwischen den USA und China zur Sprache kommen, heisst es. Heute Mittwoch treffen sich die Aussen- und Verteidigungsminister der beiden Länder in Washington. Bis anhin lautete die Strategie Donald Trumps, den Druck auf Pyongyang über Chinas Präsidenten Xi Jinping zu erhöhen. «Doch der nordkoreanische Diktator tut weiterhin, was er will», sagte Leon Panetta, der ehemalige Verteidigungsminister von Barack Obama. Nun müsse die chinesische Regierung «endlich Farbe bekennen», forderte Panetta. Es sei auch an der Zeit, über sogenannte sekundäre Sanktionen nachzudenken, also chinesische Unternehmen zu bestrafen, die nach wie vor Geschäfte mit Nordkorea tätigen.

Schädigungen am Gehirn

Gemäss mehreren Medienberichten sorgte der Tod Otto Warmbiers auch in China für Diskussionen. «Wie kann so etwas im Jahr 2017 passieren?», fragten User des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. «Und dies alles nur wegen eines Posters?» Nach der Verhaftung von Otto Warmbier hatten seine Eltern über ein Jahr nichts mehr von ihrem Sohn gehört. Erst vorletzte Woche wurde der Nordkorea-Beauftragte des US-Aussen­ministeriums, Joseph Yun, darüber informiert, dass Warmbier seit Monaten im Koma liege. Mit einem Gulfstream-Jet wurde er von Pyongyang nach Cincinnati gebracht. Nach Angaben amerikanischer Ärzte hatte der 22-Jährige während seiner 17-monatigen Haft schwere Schädigungen am Gehirn erlitten, die am ehesten von Sauerstoffmangel stammten, etwa als Folge eines Herzstillstands.

In Nordkorea misshandelt: Der kürzlich freigelassene US-Student Otto Warmbier ist tot.
In Nordkorea misshandelt: Der kürzlich freigelassene US-Student Otto Warmbier ist tot.
Keystone
Wurde zu 15 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt: Otto Warmbier wird zum obersten Gerichtshof in Pjöngjang eskortiert. (16. März 2016)
Wurde zu 15 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt: Otto Warmbier wird zum obersten Gerichtshof in Pjöngjang eskortiert. (16. März 2016)
Keystone
Warmbier sei auf dem Weg zurück in seine Heimat, teilte US-Aussenminister Rex Tillerson mit.
Warmbier sei auf dem Weg zurück in seine Heimat, teilte US-Aussenminister Rex Tillerson mit.
Keystone
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Seit 1996 hat Nordkorea etwa 16 US-Bürger verhaftet, die angeblich gegen seine Gesetze verstiessen. Nicht selten sind es Missionare. Vor drei Jahren etwa liess Jeffrey Fowle eine Bibel in einem Nachtclub von Pyongyang liegen. Derzeit sitzen drei weitere Amerikaner im Norden ein und warten auf ihre Prozesse. Bürger anderer Staaten, die in Nordkorea verhaftet wurden, werden nach einer gewissen Zeit meist abgeschoben. Amerikaner hingegen gelten in Pyongyang als nützliche Geiseln. 2009 löste Bill Clinton zwei US-Journalistinnen aus, Laura Ling und Euna Lee, die 2009 aus China über die Grenze nach Nordkorea eingedrungen sein sollen. Sie wurden zu je 12 Jahren Arbeitslager verurteilt. Clintons Stippvisite wurde in Pyongyang zu Propagandazwecken ausgeschlachtet, zudem missbrauchte Nordkorea die Geiseln, um mit Washington in Kontakt zu treten.

An der Grenze geschlagen

Ling und Lee berichteten nach ihrer Freilassung, sie seien an der Grenze geschlagen, später aber anständig behandelt worden. Die Verhältnisse seien ärmlich gewesen, das Essen bescheiden, aber sie mussten nicht wie verurteilte Nord­koreaner ins Arbeitslager, wo Hunger herrscht und gefoltert wird, sondern wurden in Pyongyang festgehalten. Ähnlich erging es andern US-Gefangenen. Einige waren sogar in einem Hotel eingesperrt. Nordkorea hat kein Interesse daran, die Gesundheit der aus seiner Sicht so wertvollen Geiseln zu beeinträchtigen. Nur Warmbiers Fall endete tragisch. Der Student aus Ohio ist der erste US-Gefangene, der nach seiner Rückkehr aus Nordkorea an den Folgen der Haft verstarb.

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