Das Weisse Haus und die manipulierten Daten
Die Regierung Obama soll Informationen über den Giftgas-Einsatz in Syrien im August manipuliert haben. Dies behauptete der Enthüllungsreporter Seymour Hersh.

Der amerikanische Enthüllungsjournalist Seymour Hersh beschuldigt die Regierung Obama, geheimdienstliche Informationen über den Giftgasangriff auf syrische Zivilisten im August in einem Vorort von Damaskus manipuliert zu haben. In einem am Sonntag freigegebenen Artikel in der «London Review of Books» schreibt Hersh unter Berufung auf geheimdienstnahe Quellen und geheimdienstliche Dokumente, Obama habe ausserdem verschwiegen, «dass die syrische Armee nicht die einzige Partei im syrischen Bürgerkrieg mit Zugang zu dem Nervengas Sarin ist». Hersh zu Folge ist die mit al-Qaida verbündete Al-Nusrat-Front ebenfalls in der Lage, Giftgas herzustellen. Amerikanische Nachrichtendienste hätten dies bereits in den Monaten vor der Attacke am 21. August berichtet.
«Als sich der Angriff ereignete, hätte Al Nusra ebenfalls verdächtigt werden müssen, aber die Obama-Administration wertete geheimdienstliche Informationen selektiv aus, um einen Schlag gegen Assad zu rechtfertigen», schreibt Hersh. In ersten Stellungnahmen dementierte die Regierung Obama Hershs Anschuldigungen: Nachrichtendienstliche Erkenntnisse über den Giftgas-Einsatz hätten klar ergeben, «dass nur das Assad-Regime dafür verantwortlich sein konnte», sagte Shawn Turner vom Büro des nachrichtendienstlichen Direktors James Clapper. Turner wies zudem Hershs Vorwurf zurück, das Weisse Haus habe Informationen hinsichtlich der Al-Nusra-Front unterdrückt.