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«Der abscheulichste Moment meiner Präsidentschaft»

In seinem ersten Fernsehinterview seit zwei Jahren sprach der ehemalige US-Präsident Bush über seine frühere Alkoholsucht und Kanye Wests Vorwurf, er sei ein Rassist. Ein Versuch der Imagekorrektur.

Muss viel Kritik einstecken: George W. Bush signiert sein Buch in Dallas.
Muss viel Kritik einstecken: George W. Bush signiert sein Buch in Dallas.
Keystone
Steht zu seinen Entscheidungen: George W. Bush beim Besuch eines Baseballspiels.
Steht zu seinen Entscheidungen: George W. Bush beim Besuch eines Baseballspiels.
Keystone
«Das war ein Fehler»: Bush zu seinem Krisenmanagement in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina.
«Das war ein Fehler»: Bush zu seinem Krisenmanagement in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina.
Keystone
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George W. Bush hat begleitend zur Veröffentlichung seiner Memoiren «Decision Points» dem amerikanischen Fernsehsender NBC ein Interview gegeben, sein erstes seit dem Ende seiner Amtszeit. Im Gespräch mit dem NBC-Gastgeber Matt Lauer versuchte sich der ehemalige US-Präsident von seiner jovialen, entwaffnenden Seite zu zeigen. Ein Versuch, der nicht immer gelang.

So sprach er über die für ihn prägende Jugenderinnerung, als seine Mutter eine Fehlgeburt erlitt und ihm zu seinem Erstaunen den Fötus im Glas zeigte. Zu seiner früheren Alkoholsucht gab er folgende Anekdote von sich: «Ich sass betrunken mit meinen Eltern, meinen Geschwistern und meiner Frau Laura am Familientisch. Neben mir sass eine wunderschöne Dame, eine Freundin meiner Eltern. Und ich fragte sie laut: Hey, wie fühlt sich Sex mit 50 an?»

Auf seine Präsidentschaft angesprochen, gab er sich zuweilen distanziert und undurchsichtig. Zu seiner historisch tiefen Zustimmungsrate in den letzten Jahren seiner Amtszeit, meinte der Ex-Präsident nur: «Wen kümmert dies schon?» Zum Vorwurf, dass Vize-Präsident Dick Cheney ihn manipuliert habe, hatte er nur Spott übrig.

Der Unmut gegenüber Kanye West

Als NBC-Gastgeber Matt Lauer das Versagen während des Hurrikans Katrina thematisierte, zeigte sich Bush wiederum reumütig: «Ich hätte nach Baton Rouge (die Hauptstadt des US-Bundesstaates Louisiana) fliegen, den Gouverneur treffen und den Leute sagen sollen: Ich bin bei euch!» Dies habe er aber nicht getan und den Preis dafür bezahlt.

Der Vorwurf von Rap-Star Kanye West, er habe sich während Katrina nicht um die schwarze Bevölkerung gekümmert, sei für Bush persönlich der schlimmste Moment seiner Amtszeit gewesen. «Alleine die Andeutung, ich sei Rassist wegen der Reaktion auf Katrina, war ein Tiefpunkt», berichtete der Ex-Präsident dem überraschten Matt Lauer. «Darüber ärgere ich mich heute noch, weil es einfach nicht stimmt. Es war einer der abscheulichsten Momente meiner Präsidentschaft.»

«Diesen Luxus hat man nicht als Präsident»

Bezüglich der Irak-Invasion zeigt sich Bush unverbesserlich. Auf die Frage, ob er die Invasion in den Irak wieder anordnen würde, hätte er gewusst, dass es keine Massenvernichtungswaffen gibt, sagte er: «Diesen Luxus hat man nicht als Präsident. Ich kann aber mit Bestimmtheit sagen, dass die Welt ohne Saddam Hussein besser da steht. Heute können 25 Millionen Menschen in Freiheit leben.»

Das Interview mit NBC war für George W. Bush der Auftakt zu einer Reihe von öffentlichen Auftritten. Es wird sein persönlicher Versuch sein, seine Präsidentschaft in einem neuen, günstigen Licht erscheinen zu lassen.

Sein erstes Auftreten scheint jedoch nicht den von ihm gewünschten Effekt bewirkt zu haben. «Es hatte etwas Irritierendes, George W. Bush plötzlich auf den Bildschirmen wiederzusehen», schrieb etwa die «New York Times». Es sei so gewesen, als sei man nach vielen Jahren einem ehemaligen Partner begegnet. «Das erste Wiedertreffen war beunruhigend, weil sich der Ex auf unheimliche Weise kein bisschen verändert hat.»

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