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«Der Deal ist ein Desaster»

Die Einigung im US-Schuldenstreit löst weltweit gemischte Reaktionen aus. Vielerorts ist Erleichterung zu spüren. Doch Experten wie Nobelpreisträger Paul Krugman heben den mahnenden Finger.

Die Märkte reagierten – wie häufig – am schnellsten: Nach der Einigung im US-Schuldenstreit stieg an den Börsen in Asien sogleich der Ölpreis. Ein Barrel kostete am Mittag (Ortszeit) in Singapur 97,11 Dollar, was einen Anstieg um 1,41 Dollar bedeutet. In der vergangenen Woche war der Ölpreis gefallen. Grund war die Sorge vor einer Rezession und die Angst vor einer sinkenden Nachfrage von Öl gewesen, welche die Zahlungsunfähigkeit der USA ausgelöst hätte.

Und natürlich reagierten auch die Kommentatoren und Medien. «Obama gibt sich geschlagen», schrieb der renommierte Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Paul Krugman in einem Kommentar in der «New York Times». Wenn die angekündigte Einigung im Kongress durchkomme, würden viele Kommentatoren schreiben, man habe ein Desaster abgewendet. Doch das sei keinesfalls so: «Der Deal ist ein Desaster, nicht nur für Präsident Obama und seine Partei.» Die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft werde noch weiter beschädigt, die Einigung werde vermutlich Amerikas Defizitproblem noch verschärfen. Amerika, so Krugman, entwickle sich so zu einer Bananenrepublik. Das Dümmste, was der Staat jetzt tun könne, sei es, die Ausgaben zu kürzen.

«Wenn ich Republikaner wäre, würde ich tanzen»

Etwas anders sieht es die «Washington Post». Sie zählt Obama durchaus zu den Gewinnern. Seine Basis seien unabhängige und gemässigte Wähler – und die würden Kompromisse jeglicher Form lieben. Gemischt sind auch die Reaktionen im News-Ticker der «Huffington Post». Von einer «historischen Einigung» ist einerseits die Rede, andererseits zitiert das Medium frustrierte Demokraten: «Wenn ich Republikaner wäre, würde ich in der Strasse tanzen», sagt etwa der Abgeordnete Emanuel Cleaver.

Der Kommentator des britischen «Independent» befürchtet, dass die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA trotzdem herunterstufen könnten. «Dies würde jede Person auf diesem Planeten betreffen.» Der «Guardian» spricht von einer blutigen Schlacht, die nur Verlierer und keine Gewinner kenne.

Der deutsche «Spiegel» beurteilt den Kompromiss als «Obaman gefährlichem Sieg», das Magazin «Focus» sieht in der Einigung eine doppelte Niederlage für Obama: «Er hat nicht annähernd das erreicht, was er erreichen wollte, und er hat darüber hinaus auch bei seinen Wählern stark an Ansehen verloren.»

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