Der Druck auf Bolsonaro wächst

Der Imageschaden, den Brasiliens Präsident seinem Land zufügt, beunruhigt zunehmend internationale Investoren. Das ist eine gute Nachricht.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bei seinem Amtsantritt im Januar 2019. Foto: AP

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bei seinem Amtsantritt im Januar 2019. Foto: AP

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Internationale Appelle von Politikern und Umweltschützern an den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, von seiner verheerenden Umweltpolitik abzulassen, sind nicht nur nutzlos, sondern sogar kontraproduktiv. Denn sie bieten dem Rechtspopulisten Gelegenheit, seinerseits an den Nationalstolz seiner Anhänger zu appellieren, nach dem Motto: Der Amazonas-Regenwald gehört uns, und allein wir bestimmen darüber.

Wie verheerend Bolsonaro für das Ökosystem mit der weltweit grössten Biodiversität ist, zeigen folgende Daten: Laut dem brasilianischen Institut für Weltraumforschung hat seit seinem Amtsantritt der Kahlschlag um 40 Prozent zugenommen, während die Zahl der Brände um über 80 Prozent gestiegen ist. Das ist umso erschreckender, als sich die Rodungen zwischen 2004 und 2016, unter den linken Regierungen von Lula und Dilma Rousseff, um drei Viertel verringerten. Bolsonaro ist dabei, diese Fortschritte zunichtezumachen.

Für den brasilianischen Präsidenten zählen kurzfristige ökonomische Gewinne alles und der Schutz des Regenwaldes fast nichts. Die längerfristigen Kosten der Abholzung – Gefährdung von Landwirtschaft und urbaner Wasserversorgung wegen weniger Regen, Erosion des Bodens, geringerer Fruchtbarkeit, Überschwemmungen – ignoriert er. Wer so denkt, der lässt sich, wenn überhaupt, nur durch eines beeindrucken: dass seine Politik auch kurzfristig wirtschaftliche Schäden verursacht.

«Wir glauben, dass die internationale Sorge über den Kahlschlag im Amazonas Export und Investitionen behindert.»Analyst, Fitch Group

Genau hier setzen 230 internationale Investmentfonds an, die insgesamt 16 Billionen Dollar verwalten, rund das Neunfache des brasilianischen Bruttoinlandproduktes. Bevor kommende Woche in New York der UN-Klimagipfel stattfindet, haben sie einen Aufruf veröffentlicht. Darin fordern sie Bolsonaro und dessen linken bolivianischen Amtskollegen Evo Morales auf, dem Kahlschlag entgegenzutreten. Wichtiger noch: Sie ermahnen auch die Unternehmen, deren Anteile sie in den Portfolios halten, operative Aktivitäten zu stoppen und Vertriebskanäle von Produkten zu schliessen, die mit der Zerstörung des Amazonas zusammenhängen.

Anderen privaten Unternehmen genügen Ermahnungen nicht mehr: Nordea, ein grosser nordeuropäischer Finanzkonzern, hat den Kauf brasilianischer Anleihen eingestellt. Die amerikanische VF Corporation, eine der weltweit grössten Bekleidungsfirmen, kauft kein brasilianisches Leder mehr. Das Textilhandelsunternehmen H&M ebenso wenig. Erstaunliches hat sich Anfang September in São Paulo ereignet, als selbst der brasilianische Agrobusiness-Verband Bolsonaro aufforderte, seinen ökologischen Amoklauf zu beenden. Der internationale Imageschaden für das Land sei gewaltig, sagte der Präsident der Vereinigung, Marcello Brito. Ein Analyst des Finanzdienstleisters Fitch Group schreibt über Brasilien: «Wir glauben, dass die internationale Sorge über den Kahlschlag im Amazonas Export und Investitionen behindert.» Mauro Cunha, Präsident eines brasilianischen Investorenverbandes, bekräftigt: «Eine negative Wahrnehmung könnte grosse internationale Fonds zum Rückzug bewegen.»

In einer globalisierten Wirtschaft können sich auch Firmen und Branchen, die gemeinhin als Inbegriff des Profitstrebens gelten, dem Druck weltweiter Empörung nicht entziehen. Das ist inmitten des Desasters im Amazonas ein kleiner Lichtblick.

Erstellt: 19.09.2019, 19:49 Uhr

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