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Der elektronische Sargnagel für Sarah Palin

Auf die ehemalige Gouverneurin Alaskas könnte eine Welle unangenehmer Berichte zurollen. Heute erhalten mehrere Medienhäuser sechs Kartons mit 24'199 Seiten E-Mails von Sarah Palin.

Sarah Palin wird der Spiegel ihrer elektronischen Mitteilungen als Gouverneurin von Alaska vorgehalten werden: Sie tourt wieder durchs Land, hier in Portsmouth, New Hampshire. (2. Juni 2011)
Sarah Palin wird der Spiegel ihrer elektronischen Mitteilungen als Gouverneurin von Alaska vorgehalten werden: Sie tourt wieder durchs Land, hier in Portsmouth, New Hampshire. (2. Juni 2011)
Reuters

Es könnte peinlich werden, vielleicht auch lustig oder gar tragisch – oder alles zusammen. Vielleicht wird auch alles nur halb so wild. Der britische «Guardian» und 15 US-Medienhäuser, darunter CNN und die «New York Times», sollten heute eine geballte Ladung von Sarah Palins schriftlichen Mitteilungen in Empfang nehmen.

Ein Gericht in Juneau, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Alaska, wird den Journalisten Tausende E-Mails überreichen aus Palins Amtszeit als Gouverneurin zwischen 2006 und 2008, als sie an der Seite von John McCain in den US-Präsidentschaftswahlkampf zog. Die Medien hatten erfolgreich im Rahmen des Freedom of Information Act geklagt, einem Gesetz, das die US-Behörden zu Transparenz verpflichtet.

Allerdings seien rund 2275 Mails zurückbehalten worden und einige der 24'199, die ausgehändigt werden sollen, seien redigiert, schreibt der «Guardian». Palin habe sich in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox letzte Woche jedenfalls gelassen gegeben. Anwälte Palins hatten die Gelegenheit, den Schriftverkehr auf eine mögliche Verletzung der Privatsphäre hin zu prüfen. Es seien deswegen aber keine Mails zurückgehalten oder verändert worden, betonte Verwaltungsdirektorin Linda Perez, die die Veröffentlichung koordinierte.

Wettlauf um Enthüllungen

Die einzelnen Medienhäuser werden bemüht sein, als Erste über allfällige Enthüllungen zu berichten. Die Briten wollen zu diesem Zweck auch die Leserinnen und Leser einspannen. Der «Guardian» kündigte an, die erhaltenen Seiten schnellstmöglich ins Internet zu stellen und die Leserschaft um Hinweise auf interessante Stellen zu bitten.

Frühere Veröffentlichungen hatten Einblicke in die wichtige Rolle des Ehemanns von Sarah Palin geboten und gezeigt, wie die Gouverneurin Alaskas ein Pipeline-Projekt unterstützte. Mit dem neuen Material erhofft sich der «Guardian» vor allem weitere Einblicke in Palins Charakter, den Kritiker laut dem Blatt als «rachsüchtig, kleingeistig und paranoid» bezeichnen. Aktivisten werfen ihr auch vor, eine «Schurken-Regierung» geführt zu haben.

Klagen Privater standen am Anfang

Ursprünglich hatten Privatpersonen und Medien schon während des letzten Präsidentschaftswahlkampfs 2008 die Herausgabe von Palins Korrespondenz gefordert mit dem Ziel, sie für die höchsten Ämter in Washington unmöglich zu machen.

Angesichts der Verzögerung wurde Kritik laut, die Behörden blockierten die Herausgabe. Der aktuelle Gouverneur und Palin-Vertraute Sean Parnell versichert jedoch, es sei einzig der grosse Umfang des Materials, der zum langen Verfahren geführt habe. Auch für die Veröffentlichung von Palins Mails aus den verbliebenen zehn Monaten als Gouverneurin liegen Anträge vor. Die Politikerin trat vor dem Ende der Legislaturperiode im Juli 2009 zurück.

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