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Der Ghadhafi-Clan: Tot oder auf der Flucht

Nach dem Ableben von Muammar al-Ghadhafi haben sich die meisten Familienmitglieder ins Ausland abgesetzt, einige sind tot. Nur das Schicksal zweier Kinder ist noch ungeklärt. Eine Übersicht.

Saadi Ghadhafi setzte sich nach einer Flucht durch die Sahara nach Niger ab und lebt dort in Niamey. Interpol verpflichtet Mitgliedstaaten, den ehemaligen Playboy festzunehmen. Am 6. März 2014 wurde er an Libyen ausgeliefert.
Saadi Ghadhafi setzte sich nach einer Flucht durch die Sahara nach Niger ab und lebt dort in Niamey. Interpol verpflichtet Mitgliedstaaten, den ehemaligen Playboy festzunehmen. Am 6. März 2014 wurde er an Libyen ausgeliefert.
Keystone
Saif al-Islam Ghadhafi wurde am 19. November 2011 in Sintan gefasst und ist seither in dem Bergdorf in Haft. Sein Fall ist umkämpft: Der Internationale Strafgerichtshof verlangte die Überstellung Saifs, um ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen, die libyschen Gerichte wollen einen Prozess in Libyen. Letztere scheinen sich durchgesetzt zu haben, doch ein Datum für das Gerichtsverfahren wurde noch nicht bekannt gegeben.
Saif al-Islam Ghadhafi wurde am 19. November 2011 in Sintan gefasst und ist seither in dem Bergdorf in Haft. Sein Fall ist umkämpft: Der Internationale Strafgerichtshof verlangte die Überstellung Saifs, um ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen, die libyschen Gerichte wollen einen Prozess in Libyen. Letztere scheinen sich durchgesetzt zu haben, doch ein Datum für das Gerichtsverfahren wurde noch nicht bekannt gegeben.
Reuters
Nach Angaben des Regimes kam der 29-Jährige bei einem Nato-Luftschlag im April 2011 ums Leben: Saif al-Arab Ghadhafi.
Nach Angaben des Regimes kam der 29-Jährige bei einem Nato-Luftschlag im April 2011 ums Leben: Saif al-Arab Ghadhafi.
Reuters
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Nach dem Tod von Libyens Ex-Machthaber Muammar al-Ghadhafi ist bei seinen Familienangehörigen lediglich das Schicksal seines einst als Nachfolger an der Staatsspitze gehandelten Sohnes Saif al-Islam und dasjenige seiner Stieftochter noch unklar. Weitere Söhne Ghadhafis waren bereits während des monatelangen Konflikts ums Leben gekommen, seine Frau Safia und vier weitere Kinder setzten sich ins Ausland ab.

Getötet:

Mutassim Ghadhafi: Der 1975 geborene Karrieresoldat und Arzt wurde 2007 zum Chef des nationalen Sicherheitsrates berufen. Nach dem Vorwurf eines Putschversuchs ging er ins Exil nach Ägypten, doch sein Vater verzieh ihm und liess ihn zurückkehren. Mutassim war der stärkste Konkurrent seines Bruders Seif el Islam um die Nachfolge an der Staatsspitze. Am Donnerstag kam er wie sein Vater in Sirte ums Leben.

Saif al-Arab Ghadhafi: Der 1980 geborene Ghadhafi-Sohn war mehrere Jahre an der Technischen Universität München als Student eingeschrieben, wo er in einer exklusiven Villa wohnte, das Leben mit Alkohol und teuren Autos genoss und mehrfach mit der Justiz in Konflikt geriet. Er wurde nach Angaben der libyschen Regierung Ende April gemeinsam mit drei von Ghadhafis Enkelkindern bei einem NATO-Luftangriff in Tripolis getötet.

Khamis Ghadhafi: Er wurde 1983 geboren und war damit der jüngste Sohn Ghadhafis. Er kommandierte eine berüchtigte Eliteeinheit und galt als Hardliner, der in die Repression von Demonstrationen verwickelt gewesen sein soll. Seine Militärbasis in Tripolis fiel nach einem NATO-Luftangriff am 27. August. Die Rebellen verkündeten einen Tag später Khamis' Tod. Ein Ghadhafi nahestehender TV-Sender bestätigte den Tod am 17. Oktober.

Ins Ausland abgesetzt:

Safia Farkash: Sie ist die zweite Ehefrau Ghadhafis und Mutter von sieben seiner acht leiblichen Kinder. Die einstige Krankenschwester gilt als diskret, während der Herrschaft Ghadhafis hatte sie grossen Einfluss. Sie floh am 29. August nach Algerien.

Mohammed Muammar Ghadhafi: Der älteste Sohn Ghadhafis wurde 1970 geboren und ist das einzige Kind aus Gaddafis erster Ehe mit Fatiha el Nuri, von der sich der Machthaber im gleichen Jahr scheiden liess. Er war Vorsitzender der staatlichen Post- und Telekommunikationsgesellschaft. Er floh ebenfalls am 29. August nach Algerien.

Hannibal Ghadhafi: Er wurde 1978 geboren. Der «Kapitän» hat eine militärische Ausbildung, war für den Küstenschutz zuständig und leitete die libysche Schifffahrtsgesellschaft. Die vorübergehende Festnahme Hannibals und seiner Frau Aline im Juli 2008 in Genf führte zu einem diplomatischen Konflikt mit Bern. Die Schweizer Justiz warf dem Paar Gewalt gegen zwei Dienstmädchen vor, legte den Fall dann aber zu den Akten. Hannibal setzte sich ebenfalls nach Algerien ab.

Aisha Ghadhafi: Die 1977 geborene einzige Tochter Ghadhafis wird aufgrund ihres eleganten Aussehens und der langen blonden Haare «Claudia Schiffer Libyens» genannt. Die Anwältin schloss sich nach der Festnahme des irakischen Ex-Staatschefs Saddam Hussein dem Team seiner Verteidiger an. Sie floh auch am 29. August nach Algerien, wo sie einen Tag später eine Tochter zur Welt brachte.

Saadi Ghadhafi: Nach einer Sperre wegen Dopings verzichtete er auf eine Karriere als Profifussballer und widmete sich ab 2004 seiner Tätigkeit als Vorsitzender der libyschen Investmentgesellschaft Lafico. Ausserdem machte der 1973 geborene Saadi Karriere in der Armee, wo er eine Eliteeinheit führte. Saadi galt als Anhänger von Reformen und einer Öffnung des Landes. Er setzte sich am 11. September in den Niger ab.

Schicksal unbekannt:

Saif al-Islam al-Ghadafi: Der 1972 geborene und damit zweitälteste Sohn ist der Bekannteste der leiblichen Ghadhafis-Kinder. Häufig zeigte sich Saif al-Islam al-Ghadafi, der in Wien und London studierte, bei Fernsehauftritten, in denen er in perfektem Englisch über nötige Reformen in seinem Land sprach. Zu Beginn der Proteste versprach er Veränderungen, schlug dann aber einen zunehmend unversöhnlicheren Ton an. Er wird per Haftbefehl wegen mutmasslicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht.

Hana al-Ghadhafi: Offiziell lebt die Adoptivtochter seit der amerikanischen Bombardierung von Ghadhafis Bunker im Jahr 1986 gar nicht mehr: Hana al-Ghadafi, Adoptivtochter des Revolutionsführers, soll bis zuletzt als Chirurgin in einem libyschen Spital gearbeitet haben. Wie die «Welt» berichtet, stiess eine irische Reporterin in Ghadhafis Residenz auf Indizien, welche dies belegen: medizinische Fachliteratur, Familienfotos aus jüngerer Zeit, ein Zertifikat eines Englischkurses.

AFP/mrs

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