Der Informationskrieg erreicht Trumps Schlafzimmer

Die Lecks im Weissen Haus sind ausserordentlich. Wer einen Machtkampf verliert, wirft den Medien etwas zu. Jetzt leckt sogar die President's Suite.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dank einer sorgfältig recherchierten Story, die am Montag im «New York Magazine» erschien, ist nun bekannt, dass Donald Trump und Sean Hannity beinahe täglich miteinander telefonieren. Hannity schlägt bei «Fox News» die Trommel für Trump, er gilt als hundertprozentiger Gefolgsmann des Präsidenten.

Die Autorin Olivia Nuzzi berichtet, Trump und Hannity telefonierten gegen Ende des Tages, wenn sich der einsame Präsident – Melania hat ihr eigenes Leben samt eigenem Schlafzimmer – entstressen möchte. Bei den Telefonaten werde geklatscht, «Fuck» und «Fucker» gehörten zum Standardvokabular, und Hannity, so ein Informant zu Nuzzi, fülle Trumps Kopf mit «verrückter Scheisse».

Vertraulich bleibt wenig

Die Indiskretion ist ausserordentlich: Insider beschreiben gegenüber einer Journalistin im Detail private Konversationen eines amerikanischen Präsidenten. Willkommen im Weissen Haus des Donald Trump, wo Lecks an der Tagesordnung sind und der Stab keinerlei Hemmungen hat, nahezu alles nach aussen zu tragen. Dass Trump sein Bett selber abzieht und täglich stundenlang im Schlafanzug vor dem TV sitzt: Wir sind darüber ebenso informiert wie über die hässliche Bemerkung einer Trump-Mitarbeiterin namens Kelly Sadler, die das Weisse Haus vergangene Woche in die Defensive drängte.


Video – Trump & Kim: Treffen fix

US-Präsident Donald Trump trifft Nordkoreas Führer Kim Jong-un am 12. Juni in Singapur. Foto: Tamedia/Reuters


Nachdem sich der schwer kranke Senator John McCain gegen die von Trump zur CIA-Direktorin nominierte Gina Haspel ausgesprochen hatte, sagte Sadler in internem Kreis, darum brauche man sich nicht weiter zu scheren. McCain sterbe «ja sowieso». Weil Sadler in der Kommunikationsabteilung arbeitet, versammelte Präsidentensprecherin Sarah Sanders ihr Team und beklagte die Indiskretion – was wiederum sofort nach draussen leckte und Sanders zur Weissglut trieb.

Vertraulich bleibt nur wenig in Trumps Weissem Haus, wo Plapperer Privatfehden mittels Indiskretionen austragen und sich gegenseitig anschwärzen. Wer bei einem internen Machtkampf unterliegt, revanchiert sich, indem er Journalisten anruft. Laut dem Medienportal «Axios» tarnen sich die Informanten dabei mithilfe von Ausdrücken, die Kollegen verwenden. «So verwische ich meine Spur», sagt ein Insider.

Am Montag platzte Trump der Kragen: Die Quellen der vielen Indiskretionen seien «Verräter und Feiglinge», man werde sie ausfindig machen. Viel Glück!

Bisweilen werden die Indiskretionen auch mit hehren Vorsätzen begründet: Die amerikanische Öffentlichkeit solle erfahren, was hinter den Mauern des Weissen Hauses wirklich geschehe. Natürlich greifen die Journalisten der «New York Times» oder der «Washington Post» dankbar auf, was ihnen zugeworfen wird. Im Laufe einer Woche wird deshalb mehr Pikantes und Brisantes über Trumps Schwätzerbude bekannt, als in einem Jahr über Barack Obamas Weisses Haus veröffentlicht wurde.

Dass Trumps Mitarbeiter mit wenigen Ausnahmen wie alte Seelenverkäufer lecken, ist Ausdruck fehlender Loyalität. Wer für diesen Präsidenten arbeitet, sitzt auf einem Schleudersitz: Über 40 Prozent des Personals ist seit Trumps Amtsantritt entweder ausgeschieden oder wurde entlassen – ein Rekord. Die Indiskretionen, erklärte ein ehemaliger Mitarbeiter des Präsidenten dem «Axios»-Journalisten Jonathan Swan, seien Teil eines internen «Informationskriegs», bei dem die eigene Version der Geschehnisse präsentiert werde, um Feinde blosszustellen.

Dagegen ist bislang kein Kraut gewachsen, obschon ein Mitarbeiter von Trumps Nationalem Sicherheitsrat 2017 offenbar versuchte, die privaten Telefone des Stabs zu überwachen. Daraus wurde nichts, wie der Beitrag vom Montag im «New York Magazine» beweist. Trump muss unterdessen verkraften, dass nicht einmal seine Privatsphäre von Lecks verschont bleibt. Stets suchte er die Öffentlichkeit und verwertete sich zum eigenen Vorteil. Nun wird er verwertet. Am Montag platzte Trump der Kragen: Die Quellen der vielen Indiskretionen seien «Verräter und Feiglinge», man werde sie ausfindig machen, twitterte der Präsident. Viel Glück! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2018, 21:48 Uhr

Artikel zum Thema

Keine Hinweise auf Maulwurf in Trumps Wahlkampfteam

Die US-Geheimdienste haben nach Angaben der Demokraten keine Hinweise auf eine Unterwanderung des Teams von Präsident Trump durch das FBI. Mehr...

Trump hält Wort – um jeden Preis

Video Die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem hat mit der Persönlichkeit des US-Präsidenten zu tun, mit Lobbyisten – und einem seiner früheren Berater. Mehr...

Trump besucht Melania im Spital

Die First Lady der USA wurde operiert. «Wir verlassen das Spital in zwei oder drei Tagen», twitterte Donald Trump. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Baum fällt: Eine Frau geht an einem Baum vorbei, der während eines Sturms in Kiew umgeknickt ist. (16. August 2018)
(Bild: Valentyn Ogirenko) Mehr...