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Der Jäger

Barack Obama hat die Lorbeeren für die Tötung des Terroristen eingeheimst. Die erfolgreiche Operation verdankt er aber Vizeadmiral William McRaven. Wer ist der Mann, der sich an Bin Ladens Fersen heftete?

Darf auf eine Beförderung hoffen: Vizeadmiral William McRaven.
Darf auf eine Beförderung hoffen: Vizeadmiral William McRaven.
United States Navy
Setzten ihre Hoffnungen auf McRaven: Präsident Obama und sein Beraterstab, die im Situation Room die Operation mitverfolgten.
Setzten ihre Hoffnungen auf McRaven: Präsident Obama und sein Beraterstab, die im Situation Room die Operation mitverfolgten.
Reuters
McRaven koordinierte die Einsätze von Eliteeinheiten wie den Seals: Soldaten der Seals im Trainingszentrum Moyock in North Carolina.
McRaven koordinierte die Einsätze von Eliteeinheiten wie den Seals: Soldaten der Seals im Trainingszentrum Moyock in North Carolina.
Keystone
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Möglicherweise fühlte sich William McRaven an seine Jugend erinnert, als die Spezialeinheiten der Navy Seals ins Versteck von Osama Bin Laden eindrangen. Denn der Drei-Sterne-Admiral gehörte einst selber dem berüchtigten Team Six der Seals an. Obwohl er eine hohe Position bekleidet, soll der 55-Jährige hin und wieder seine Teams bei Einsätzen begleiten. Dieses Mal war er aber nicht vor Ort, auch wenn er lange auf diesen Moment gewartet haben mochte. Seit 2001 arbeitet der Texaner nämlich fast ausschliesslich in der Terrorismusbekämpfung, die meiste Zeit verbrachte er in Afghanistan.

McRaven war zudem Kommandant während der Operation Desert Storm im Irak, und er soll auch die Eliteeinheit geführt haben, die 2003 Saddam Hussein aufstöberte. Vor drei Jahren übernahm McRaven die Leitung der United States Special Operations Command von seinem Vorgänger Stanley McChrystel. Dies ist jene Einheit, die die Einsätze der Anti-Terror-Truppen koordiniert. Auch diplomatisch war der Amerikaner tätig: 2009 handelte er mit Jemens Präsident Saleh ein Abkommen aus. Gemäss diesem sollen die jemenitischen Truppen auf der arabischen Halbinsel Jagd auf Al-Qaida-Mitglieder machen.

McRaven gilt nicht als Haudegen

Der Befehl, den grossen Schlag gegen Osama Bin Laden zu planen, erhielt McRaven gemäss Informationen der «Washington Post» direkt von CIA-Chef Leon Panetta. Darüber spricht McRaven allerdings nicht, Anfragen amerikanischer Medien für Interviews lehnte er ab. Zum einen, weil sein Amt Verschwiegenheit erfordert, zum anderen, weil McRaven als zurückhaltend gilt.

Weggefährten und ehemalige Vorgesetzte beschreiben ihn gegenüber der US-Zeitung als besonnenen Menschen. Ein Haudegen ist er nicht. Selbst in jungen Jahren als Seal galt er deswegen vielen als Vorbild. So soll er die Befehle eines draufgängerischen Vorgesetzten verweigert haben, weil er sie als fragwürdig einstufte. Zudem gesteht McRaven auch Fehler ein und zeigt sich immer wieder von seiner menschlichen Seite – etwa im vergangenen Jahr, als seine Einheit in Afghanistan versehentlich fünf Zivilisten tötete.

Damals reiste er persönlich in das betroffene Dorf und nahm zwei Schafe mit, um sie nach Stammessitte zu opfern und so um Vergebung zu bitten. Die Dorfältesten verschonten gemäss der «Times» die Schafe, akzeptierten aber die Zahlung von 30'000 Dollar. Mit solchen Aktionen holte sich McRaven zumindest in der westlichen Welt viel Kredit. «Er ist nicht nur eine grosse Führungskraft, sondern auch ein grosser Denker», sagte zudem einer seiner Wegbegleiter der «Washington Post».

Als Buchautor veröffentlichte er Tipps für erfolgreiche Militäraktionen

Seine Erfahrungen verarbeitete McRaven 1995 in einem Buch mit dem Titel «Spec Ops». Darin beschreibt er, was es für eine erfolgreiche Mission braucht: Überraschung, Schnelligkeit, Sicherheit, Einfachheit, zielgerichtetes Vorgehen und Repetition. Das Verfassen des Buchs dürfte ihm nicht schwergefallen sein, denn ursprünglich hatte der Texaner an der Universität von Austin Journalismus studiert, bevor er zur Marine wechselte. Dort wird er wohl auch bleiben. Denn im März, also noch vor der Operation gegen Bin Laden, schlug Verteidigungsminister Robert Gates seine Beförderung zum Vier-Sterne-Admiral vor. Der Senat muss dem noch zustimmen – doch scheint dies angesichts der jüngsten Entwicklungen nur noch Formsache zu sein.

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