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Der Kandidat, für den Geld keine Rolle spielt

Milliardär Michael Bloomberg hat auf die bisherigen Vorwahlen verzichtet – und liegt trotzdem auf Rang 3. Trump hat nun gemerkt, dass dieser Mann ihm gefährlich werden könnte.

Christian Zaschke, New York
Mit viel Geld will er Donald Trump schlagen: Michael Bloomberg. Foto: Reuters
Mit viel Geld will er Donald Trump schlagen: Michael Bloomberg. Foto: Reuters

Die Zeiten, in denen Michael Bloomberg belächelt wurde für sein Vorhaben, als demokratischer Präsidentschaftskandidat im November gegen Donald Trump anzutreten, sind vorbei. In den jüngsten Umfragen liegt er an dritter Stelle unter den demokratischen Bewerbern, obwohl er bisher an keiner Debatte teilgenommen hat und auf die Vorwahlen in Iowa und in New Hampshire verzichtete. In Florida führt er die Umfragen sogar an.

Das liegt daran, dass der Milliardär Bloomberg Unmengen an Geld in seine Kampagne pumpt. Mehrere amerikanische Medien gehen davon aus, dass er bisher 300 Millionen Dollar investiert hat.

Damit kauft er sich zum einen Werbung. Auf Youtube, auf Facebook, im Fernsehen laufen seine Spots rauf und runter. Zum anderen heuert Bloomberg massenhaft erfahrenes Wahlkampfpersonal an – er zahlt besser als die Konkurrenten. Kürzlich hat er sogar im entlegenen Maine ein Büro eröffnet, in dem 20 Festangestellte und Dutzende Freiwillige arbeiten.

Ressourcen schier unerschöpflich

Die 300 Millionen Dollar, die er bisher ausgegeben hat, sind dabei nur der Anfang. Seine Ressourcen sind schier unerschöpflich. Laut Forbes besitzt er mehr als 54 Milliarden Dollar, und er ist bereit, einen nennenswerten Teil dieses Vermögens in den Kampf gegen Präsident Trump zu investieren.

Als er seine Kandidatur im vergangenen Jahr verkündete, schrieb er auf Twitter: «Donald Trump zu besiegen – und Amerika wieder aufzubauen – ist der dringlichste und wichtigste Kampf unseres Lebens. Und ich setze alles. Ich biete mich selbst als Macher und Problemlöser an.»

Milliardär gegen Milliardär

Viele Demokraten waren sich zunächst nicht sicher, ob sie mit dem 78 Jahre alten New Yorker Milliardär Bloomberg in den Wahlkampf gegen den 73 Jahre alten New Yorker Milliardär Trump ziehen wollten. Und die Mehrheit der Partei ist den Umfragen zufolge immer noch skeptisch, ob das so eine gute Idee ist. Seine parteiinternen Konkurrenten griffen Bloomberg zuletzt scharf an. Bernie Sanders, der linke Senator aus Vermont, warf Bloomberg vor, sich «diese Wahl kaufen» zu wollen. Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota, monierte, Bloomberg vermeide kritische Debatten und Interviews.

Doch Bloombergs Kampagne gewinnt an Momentum. Jeden Tag laufen seine Spots, jeden Tag wird er bekannter im Land. Dazu kommt, dass er mittlerweile die Aufmerksamkeit des Präsidenten auf sich gezogen hat.

Trump verhöhnt Bloomberg auf Twitter fortwährend als «Mini Mike» und schreibt wieder und wieder, sein potenzieller Gegner sei lediglich 1,60 Meter gross. Bloomberg ist in der Tat kein Riese, aber er ist immerhin 1,70 Meter gross. Dass Trump nun so viel über Bloomberg twittert und diesen mit einem Spitznamen bedacht hat, bedeutet, dass er ihn ernst nimmt. Er hat verstanden, dass dieser Kandidat ihm gefährlich werden könnte.

Bloomberg trifft Trump an dessen wunden Punkten

In der vergangenen Woche beschrieb Trump seinen Rivalen als «Masse an toter Energie». In der Regel antworten die Opfer von Trumps Kanonaden nicht, weil sie sich nicht auf das Niveau des Präsidenten begeben wollen und weil unter den Demokraten der Eindruck herrscht, dass man dieses Spiel gegen Trump nur verlieren kann. Er rudert bekanntlich nie zurück und legt immer noch mal nach. Bloomberg aber nahm die Vorlage umgehend auf.

Ebenfalls auf Twitter verbreitete er, dass er und Trump viele gemeinsame Bekannte in New York hätten, und dass diese alle hinter dessen Rücken über ihn lachen und ihn einen Clown nennen würden.

Das war keine subtile Attacke, aber eine schlaue, denn dass die New Yorker Society ihn nicht ernst nimmt, ärgert Trump seit jeher. Bloomberg fuhr fort, indem er anmerkte, Trump habe ein Vermögen geerbt und durch dumme Deals verschleudert. Ein weiterer wunder Punkt des Präsidenten, der sich gern als den grössten Dealmaker des Planeten präsentiert. Ausserdem eine Erinnerung daran, dass er, Bloomberg, viel, viel reicher ist als der Präsident.

In den kommenden Wochen wird Bloomberg weitaus mehr Aufmerksamkeit zuteil werden als bisher. Dabei wird immer wieder Thema sein, dass er sich in der Vergangenheit herablassend gegenüber Frauen geäussert hat und dass in seiner Zeit als New Yorker Bürgermeister besonders Angehörige von Minderheiten wahllos von der Polizei durchsucht wurden. Nicht zuletzt werden viele Demokraten sich fragen müssen, ob sie sich hinter einem Mann versammeln wollen, der vor nicht allzu langer Zeit noch erklärter Republikaner war.

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