Der Kandidat mit dem unaussprechlichen Namen

Pete Buttigieg (37), demokratischer Bürgermeister einer Kleinstadt in Indiana, wäre der jüngste US-Präsident der Geschichte.

Seit «Buhtidschidsch» erklärte, dass er das Weisse Haus ins Auge gefasst hat, wird allenthalben gefragt, ob das wirklich möglich sei.

Seit «Buhtidschidsch» erklärte, dass er das Weisse Haus ins Auge gefasst hat, wird allenthalben gefragt, ob das wirklich möglich sei. Bild: Justin Lane/Keystone

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Für nächsten Sonntag hat Pete Buttigieg eine Strassensperre in seiner Heimatstadt South Bend im Bundesstaat Indiana beantragt. Es soll dort eine «spezielle Veranstaltung» stattfinden. Offiziell ist nicht bekannt, worum es bei dieser Veranstaltung geht, aber es ist ein offenes Geheimnis, was passieren wird: Der 37 Jahre alte Buttigieg will erklären, dass er Präsident der USA werden möchte.

Noch befindet er sich in der Sondierungsphase. Das heisst, er klärt ab, ob eine Kandidatur Aussicht auf Erfolg haben könnte. Nachdem er in drei Monaten überraschend rund sieben Millionen Dollar an Spendengeldern einsammeln konnte, ist diese Frage beantwortet. Buttigieg mag nicht der Favorit sein im übergrossen Kandidatenfeld der Demokraten, aber er ist sicher einer der interessantesten Bewerber.

Bisher wusste kaum jemand ausserhalb von South Bend, wie der Name des Kandidaten auszusprechen ist: «Buhtidschidsch». Sein Vater ist aus Malta eingewandert, dort sei der Name recht gewöhnlich, hat er erzählt. Vater und Mutter arbeiteten an der Universität von South Bend als Professoren. Pete wuchs in der Nähe des Campus auf und schloss die Highschool als Jahrgangsbester ab.

In Harvard studierte er Geschichte und Literatur, in Oxford schrieb er sich für den Studiengang Philosophie, Politik und Wirtschaft ein, den auch viele britische Politiker absolviert haben. Was tut man mit solchen Qualifikationen? Buttigieg arbeitete zunächst für die Beraterfirma McKinsey und beschloss dann, zurück nach South Bend zu gehen, das damals als «sterbende Stadt» bezeichnet wurde. Im Alter von 29 Jahren wurde Buttigieg zum Bürgermeister gewählt.

Er ist eloquent, klug, ruhig und freundlich.

Das junge Stadtoberhaupt liess alte Fabrikgebäude abreissen, siedelte neue Arbeitsplätze an und sorgte so dafür, dass sich die Arbeitslosigkeit in der 100'000-Einwohner-Stadt halbierte. 2015 wurde er mit 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Kurz vor der Wahl hatte er öffentlich gemacht, dass er schwul ist. 2018 heiratete er seinen Partner in einer kirchlichen Zeremonie. Quasi nebenbei diente er zwischendurch noch sieben Monate als Offizier in Afghanistan.

Seit er erklärte, dass er das Weisse Haus ins Auge gefasst hat, wird allenthalben gefragt, ob das wirklich möglich sei: dass die USA einen schwulen Kleinstadtbürgermeister wählen, der bei seiner Vereidigung gerade einmal 39 Jahre alt wäre und damit der jüngste Präsident der Geschichte. Unter normalen Umständen lautet die Antwort: natürlich nicht. Aber seit einigen Wochen nimmt Buttigieg die Amerikaner für sich ein.

Er ist eloquent, klug, ruhig und freundlich. Und er hat konkrete Vorstellungen davon, was er will: das Wahlsystem reformieren, die Krankenversicherung reformieren, für eine Politik der Fairness eintreten. Buttigieg gelingt es, diese Ziele mit Leben zu füllen. In Interviews und an Rednerpulten strahlt er grosse Souveränität aus, wirkt aber niemals übertrieben selbstsicher oder gar arrogant. Wenn man das exakte Gegenteil des lauten, lügenden und sich permanent selbst lobenden Präsidenten Donald Trump entwerfen müsste, käme dabei Pete Buttigieg heraus.

Erstellt: 10.04.2019, 11:22 Uhr

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