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Der Kommunikations-GAU der NRA

Angriff ist die beste Verteidigung: Diese Taktik wählte die US-Waffenlobby für ihren ersten Auftritt nach dem Newtown-Amoklauf. Die Forderung nach Polizeischutz für Schulen befremdet sogar Konservative.

Computerspiele als Sündenbock.
Computerspiele als Sündenbock.
Keystone
Die Pressekonferenz der NRA wurde von einer Aktivisten gestört, die ein Transparent in die Höhe hielt. «NRA – Blut an euren Händen» stand darauf zu lesen.
Die Pressekonferenz der NRA wurde von einer Aktivisten gestört, die ein Transparent in die Höhe hielt. «NRA – Blut an euren Händen» stand darauf zu lesen.
Keystone
Die Aktivistin der Gruppe Code Pink musste den Raum daraufhin verlassen.
Die Aktivistin der Gruppe Code Pink musste den Raum daraufhin verlassen.
AFP
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«Verlogen» und «wahnhaft»: Die Reaktionen zum Auftritt des Waffenlobbyverbandes NRA von gestern Abend fallen heftig aus. Besonders unverblümt äusserte sich der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der dem Verband eine «paranoide Vision eines noch gewalttätigeren Amerikas» vorwarf.

Der parteilose Politiker hat im Jahr 2007 mit den Republikanern gebrochen, weshalb sein Vorwurf nicht sonderlich überrascht. Doch Reaktionen aus dem konservativen Lager lassen umso mehr aufhorchen: Selbst der linientreue Erick Erickson, ein prominenter konservativer Blogger, äusserte sich distanziert: Auch wenn er sich grundsätzlich mit den Argumenten der NRA einverstanden zeige, mute diese Pressekonferenz so kurz nach dem Massaker in Newtown «stillos» an, tweetete Erickson. Gegenüber dem Fernsehsender MSNBC teilt Michael Steele, vormals Parteichef der Republikaner, mit, dass der NRA-Vorstoss «sehr verstörend» sei. Er wisse gar nicht womit er anfangen solle.

«Befremdender» Auftritt

Weitere Reaktionen von Politikern und in den US-Medien zeigen, dass sich die Äusserungen der NRA als Kommunikations-GAU entpuppen. Senator Frank Lautenberg aus New Jersey sagte, der Verband liege weit von dem entfernt, was die US-Öffentlichkeit wolle.

NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre war gestern, eine Woche nach dem Schulmassaker von Newtown, vor die Presse getreten. Er hatte sich dabei für den Einsatz bewaffneter Polizisten an jeder Schule ausgesprochen. «Das einzige, was einen bösen Menschen mit einer Waffe aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Waffe», sagte er in Washington (Redaktion Tamedia berichtete).

Als «befremdend» empfanden viele den Auftritt von LaPierre, der für das Überbringen seiner Botschaften die Taktik «Angriff ist die beste Verteidigung» wählte. Dabei nahm er Medien wie Politiker ins Fadenkreuz: Liberale Politiker seien dafür verantwortlich, dass Schulen zu «waffenfreien Zonen» erklärt würden. «Jeder verrückte Killer weiss nun, dass Schulen der beste Ort sind, mit minimalem Risiko maximales Durcheinander anzurichten», sagte LaPierre. Die Medien schliesslich seien «stille Helfer, wenn nicht gar stille Komplizen» der Täter. Diese würden bewusst die «schmutzige Wahrheit» hinter Amerikas Waffengewalt vertuschen und «rechtmässige Waffenbesitzer dämonisieren».

LaPierres Aufruf zur Selbstverteidigung überrascht nicht. Gemäss «Spiegel Online» moderierte der 64-Jährige im US-Fernsehen eine Reality-Show namens «Crime Strike»,« die brachial-bewaffnete Selbstverteidigung» predige.

«Wie viele mehr?»

Bei dem Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20-Jähriger am Freitag vor einer Woche 20 Kinder sowie sechs Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Attentäter zuhause auch seine Mutter getötet. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst. Das Verbrechen hat die Debatte um Waffenbesitz in den USA neu entfacht.

Am Freitag veröffentlichten zahlreiche Hollywood-Stars, darunter Gwyneth Paltrow, Julianne Moore und Jamie Foxx, ein Video, in dem sie sich unter anderem für ein Verbot von automatischen Schnellfeuergewehren sowie eine schärfere Überprüfung von Waffenkäufern aussprechen. «Columbine. Virginia Tech. Tucson. Aurora. Fort Hood. Oak Creek. Newtown. Newtown. Newtown,» zählen die Schauspieler den letzten und vorangegangene Amokläufe in dem Video auf. «Wie viele mehr?»

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