Der lange Arm der Weltmacht

Berater und Ausbilder der US-Armee sind überall. Erfolg? Der ist zweifelhaft. Bestenfalls.

US-Verteidigungsminister Ash Carter spricht bei einem Besuch im Irak zu den Truppen der 82. Airborne-Division.

US-Verteidigungsminister Ash Carter spricht bei einem Besuch im Irak zu den Truppen der 82. Airborne-Division. Bild: Carolyn Kaster/Reuters

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Sie sind im Irak und in Syrien, in Libyen und Afghanistan, auf den Philippinen, in Somalia, der Ukraine sowie in Dutzenden weiteren Ländern an der Arbeit: US-Militärberater und -ausbilder sowie Kommandoeinheiten amerikanischer Sonderkräfte.

Seit kurzem sind sie sogar im Jemen tätig als globaler Arm Washingtons, der abseits prüfender Blicke die militärischen Geschäfte der Weltmacht betreibt. 2015 operierten sie zumindest zeitweilig in 147 Nationen. Kein Tag vergeht, an dem sie nicht mindestens in 70 Staaten im Einsatz sind.

Über 4000 US-Berater aktuell im Irak

Nahezu ausnahmslos sind die Ausbilder und Berater Angehörige von Eliteeinheiten wie den Green Berets oder den Rangers der US-Armee, den Seals der Marine, den Air Commandos der Luftwaffe oder den Raiders der Marineinfanterie.

Allein im Irak, wo sie derzeit der irakischen Armee beim Angriff auf die vom IS eingenommene Stadt Falluja Beistand leisten, halten sich zwischen 4000 und 5000 US-Berater auf. Halfen sie bislang vor allem auf Divisionsebene, so beraten sie irakische Kommandeure neuerdings auf Regiments- und Bataillonsebene.

Im benachbarten Syrien koordinieren die Elitetruppen die US-Luftunterstützung für prowestliche Rebellen im Norden des Landes, organisieren die Versorgung mit Waffen und agieren als taktische Berater. Am Samstag stattete ihnen der Kommandeur des für den Nahen und Mittleren Osten zuständigen US-Zentralkommandos, General Joseph Votel, einen Besuch ab und zeigte sich zuversichtlich: «Dieses Modell funktioniert und funktioniert gut», glaubt der General.

US-beratene Einheiten haben versagt

Ein Blick zurück seit dem Beginn des amerikanischen «Kriegs gegen Terror» aber stimmt wenig zuversichtlich. Mit Ausnahme der ersten militärischen Aktionen in Afghanistan im Herbst und Winter 2001 haben von US-Kräften ausgebildete und beratene Einheiten in Afghanistan, im Irak und in Syrien bislang zumeist versagt.

Obwohl sie von 2003 bis 2011 von amerikanischen Elitesoldaten ausgebildet und von Washington grosszügig mit Waffen und Geld versorgt wurde, implodierte die irakische Armee beim IS-Angriff auf Mosul im Juni 2014 und erwies sich auch danach als weitgehend unfähig.

In Afghanistan sind trotz jahrelanger Ausbildung von Regierungstruppen und Polizeieinheiten sowie westlicher Milliardenhilfe die Taliban auf dem Vormarsch, in Syrien geriet die Ausbildung prowestlicher Rebellen durch die CIA und US-Militärberater zum Fiasko. «Amerikanische Bemühungen verbessern nicht auf sinnvolle Weise ausländische Streitkräfte», zog der Militärexperte und ehemalige Oberstleutnant Daniel Davis in der Zeitschrift «The National Interest» Bilanz.

Noch mehr Berater nach Syrien geschickt

Abgeschreckt durch die Pleiten wird die Weltmacht trotzdem nicht: Erst kürzlich wurde die Zahl der US-Militärberater und -ausbilder in Syrien erhöht, danach wurde bekannt, dass amerikanische Berater erstmals im Jemen eingesetzt werden. Sie sollen Truppen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie jemenitische Einheiten, die auf der Seite der alten Regierung stehen, in der sudöstlichen Hafenstadt Mukalla beim Kampf gegen al-Qaida beraten.

Verändert hat sich mithin nicht viel seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als US-Militärberater zu Beginn des Kalten Kriegs 1950 in Vietnam und 1951 in Taiwan in Erscheinung traten. In Vietnam unterstützten sie laut Befehl von Präsident Harry Truman die Truppen der französischen Kolonialmacht gegen die Viet Minh im ersten Indochinakrieg, neun Jahre später berieten nahezu 700 US-Militärs erfolglos die südvietnamesischen Streitkräfte.

Während des Kalten Kriegs waren US-Militärberater in Lateinamerika ebenso zu finden wie in Afrika und im gesamten Südostasien.

Heute agieren sie vor allem im Nahen und Mittleren Osten, am Horn von Afrika sowie in Westafrika. Sie sollen «ausbilden, beraten und Hilfe leisten», beschrieb das Weisse Haus unlängst ihre Rolle in Syrien. Hinterfragt wird die Wirksamkeit dieser Einsätze auch deshalb nicht, weil sie den auf über 70'000 Soldaten angeschwollenen US-Sonderkräften eine weltweite Bühne bieten.

Erstellt: 25.05.2016, 08:58 Uhr

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