Zum Hauptinhalt springen

Der lauteste Feind der Journalisten

«Haltet den Mund und hört zu», sagt der frühere «Breitbart»-Chef und heutige Trump-Berater Steve Bannon der «New York Times». Damit positioniert er sich im internen Machtkampf.

«Journalisten haben keine Integrität, keine Intelligenz»: Donald Trumps Chefberater Steve Bannon, im Bild am Tag der Vereidigung seines Chefs. Foto: Joshua Roberts (Reuters)
«Journalisten haben keine Integrität, keine Intelligenz»: Donald Trumps Chefberater Steve Bannon, im Bild am Tag der Vereidigung seines Chefs. Foto: Joshua Roberts (Reuters)

Es war eine Riesensensation, als Donald Trump Mitte August verkündete, Steve Bannon zum Chef seiner Wahlkampagne zu machen. Bannon war zuvor Chef der Website «Breitbart News», die gern von Konservativen, Trump-Fans und auch von Rechtsextremen gelesen wird. Nach dem Wahlsieg machte Trump Bannon zu seinem Chefstrategen und neben Schwiegersohn Jared Kushner hat Bannon den besten Draht zum 45. US-Präsidenten.

Die Handschrift Bannons war schon in der düsteren Antrittsrede nach der Vereidigung zu erkennen gewesen, und am Tag sechs der Trump-Präsidentschaft zeigt der 63-Jährige erneut, dass er genauso denkt wie sein Chef. «Ich möchte, dass Sie das zitieren. Die Medien sind die Oppositionspartei. Sie verstehen dieses Land nicht. Sie verstehen immer noch nicht, warum Donald Trump Präsident geworden ist», sagt Bannon zu einem Reporter der «New York Times».

Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker geht so weit, dass er nicht die Demokraten als Opposition ansieht – sondern die Journalisten. Er äussert die Überzeugung, dass die Medien durch den Wahlausgang «gedemütigt» worden seien und «zu 100 Prozent» falsch berichtet hätten. Namentlich greift er die «Washington Post» und die «New York Times» heraus.

«Die Medien sollten sich schämen und demütig sein.»

Steve Bannon

Bannon gibt äusserst selten Interviews und seine Aussagen haben ja eine Vorgeschichte. Trump selbst nennt die Medien «Abschaum» und wirft ihnen vor, absichtlich falsch über ihn zu berichten. Regierungssprecher Sean Spicer drohte am Tag nach der Vereidigung damit, die Medien wegen der angeblich falsch berichteten Zuschaueranzahl «zur Rechenschaft» ziehen zu wollen, während Trump-Beraterin Kellyanne Conway von «alternativen Fakten» spricht.

Spicer erklärte die Kritik Trumps an den Journalisten am Montag damit, der neue Präsident sei «frustriert» und fände die kritischen Berichte «demoralisierend». Dass es die Aufgabe der Medien in einer Demokratie ist, kritisch über Regierung, Parlament und andere Institutionen zu berichten, scheinen nicht alle im Weissen Haus zu akzeptieren. Weitere Zitate von Steve Bannon: «Die Medien sollten sich schämen und demütig sein. Haltet den Mund und hört für eine Weile zu» und «Die Journalisten haben keine Integrität, keine Intelligenz und sind keine harten Arbeiter».

Bannon stehen mächtige Gegner gegenüber

Indem der Chefstratege nun nachlegt, treibt er den bestehenden Narrativ voran: Alle Journalisten seien gegen Donald Trump, kritische Nachfragen oder das Beharren auf Fakten seien der Versuch, seine Legitimation zu untergraben und seine Präsidentschaft zu ruinieren. Laut NYT war Bannon dafür, Spicer am Samstag vor die Journalisten zu schicken und diese zu attackieren. Der Ex-«Breitbart»-Chef gehört neben Conway zum kleinen Team, das für Trumps Sieg arbeitete und den «Bewegung»-Charakter betont.

Ihnen gegenüber steht etwa Büroleiter Reince Priebus, der seit Jahren in Washington aktiv ist und bestens mit konservativen Politikern wie Paul Ryan vernetzt ist. Sie drängen Trump, sich stärker auf konservative Sachpolitik zu konzentrieren und nicht ständig durch Gerede über den Einsatz von Folter oder angeblichen Wahlbetrug unseriös zu erscheinen. Oft haben provokante Aussagen aus dem Trump-Lager das Ziel, von unangenehmen Geschichten abzulenken: Dies scheint heute aber nicht der Fall, denn Bannons Medien-Attacke lenkt ab von der Unterzeichnung der Präsidialdekrete und dem öffentlichen Gerangel mit Mexiko um die Finanzierung der Grenzmauer.

Bannon selbst war am Vortag in die Schlagzeilen geraten: Er ist nämlich sowohl in Florida als auch in New York als Wähler registriert. Dies ist genau jener angebliche «Wahlbetrug», über den sich Trump beschwert und den er – ohne jegliche Grundlage – als Erklärung ausführt, wieso Hillary Clinton knapp drei Millionen mehr Stimmen erhielt. Laut «Washington Post» waren noch vier andere Mitglieder des engsten Trump-Zirkels in zwei Bundesstaaten in die Wählerlisten eingetragen: Tochter Tiffany, Schwiegersohn Jared Kushner, der designierte Finanzminister Steve Mnuchin – und auch Regierungssprecher Sean Spicer.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch