Der Machtwechsel in Caracas ist überfällig

Mit ihren Sanktionen gegen Venezuela geht die US-Regierung verblüffend clever vor.

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Die Vereinigten Staaten und ihre angeblichen Versuche, Lateinamerika zu «demokratisieren», das ist eine schreckliche Geschichte. Eine Geschichte voller Heucheleien, Lügen und Interventionen, die oft alles verschlimmert haben. Jeder, der die aktuelle Einmischung Washingtons in die verzwickte Venezuela-Krise mit grosser Skepsis betrachtet, tut das aus gutem Grund.

Es lässt sich aber auch nicht leugnen, dass sich die USA diesmal vergleichsweise clever verhalten. Die Sanktionen gegen den staatlichen venezolanischen Ölkonzern PDVSA und dessen texanische Tochter Citgo ergeben jedenfalls Sinn. Sie sind der Lage angemessen und versprechen Aussicht auf Erfolg. So könnte sich tatsächlich ein halbwegs friedlicher Machtwechsel in Caracas bewirken lassen.

Dieser Machtwechsel ist überfällig. Und es geht hier mal ausnahmsweise nicht um die grossen Ideologien. Manche Linke mögen das noch nicht verstanden haben, aber das Maduro-Regime ist keineswegs links. Es handelt sich vielmehr um eine kriminelle Elite, die ein ganzes Land ausraubt und in eine schwere humanitäre Krise gestürzt hat. Die Opposition um den selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó, sicherlich auch keine Ansammlung von lupenreinen Humanisten, verspricht immerhin, dringend nötige Hilfstransporte ins Land zu lassen. Das würde viele Menschen­leben retten.

Fast alle Beobachter sind sich einig, dass sich der offene Machtkampf in Caracas daran entscheiden dürfte, wie sich die Streitkräfte in den kommenden Tagen und Wochen verhalten. Mit den PDVSA-Sanktionen wird die Loyalität der Militärspitze zu Nicolás Maduro auf ihre bislang schwerste Probe gestellt. Denn korrupte Generäle kontrollieren bislang das Ölgeschäft in Venezuela. Wenn sie merken, dass da für sie nichts mehr herausspringt, könnte sie das zu einem Seitenwechsel animieren. Damit wäre Maduro wohl erledigt – und dann auch hoffentlich der Weg frei für Wahlen, die diesen Namen verdienen.

Erstellt: 29.01.2019, 21:52 Uhr

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