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Der Mann, der Wert auf Anstand legt

Der Republikaner Mitt Romney, ein erklärter ­Gegner von US-Präsident Donald Trump, könnte Senator werden.

Scharfer Trump-Kritiker: Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat 2012. Bild: Keystone
Scharfer Trump-Kritiker: Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat 2012. Bild: Keystone

Fast sein halbes Leben hat Orrin Hatch im Senat verbracht, 40 von 83 Jahren. Der Republikaner aus Utah ist damit der längstgediente Senator in der Geschichte der USA. Doch Ende des Jahres ist Schluss. Bei der Kongresswahl im November will Hatch nicht noch einmal antreten. Sein Senatssitz wird frei, und so wie es aussieht, könnte sich ein alter Bekannter dafür bewerben: Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2012.

Wären die Zeiten normal, hätte ein Wechsel von Hatch zu Romney kaum Aufmerksamkeit erzeugt. Ein traditioneller konservativer Republikaner wird durch einen jüngeren traditionellen konservativen Republikaner abgelöst – das Gleichgewicht der Macht im Kongress und in der Republikanischen Partei wäre davon nicht berührt. Doch seitdem Donald Trump im Weissen Haus sitzt, sind die Zeiten nicht mehr normal. In Washington wird die Personalie daher mit einem anderen Massstab gemessen: Orrin Hatch, ein zuverlässiger Unterstützer des Präsidenten, geht, und Romney, ein scharfer Kritiker Trumps, kommt.

«Ein falscher Fuffziger und Betrüger»

Offiziell hat Mitt Romney seit seiner Wahlniederlage gegen den Demokraten Barack Obama 2012 kein Wahl- oder Parteiamt mehr inne. Inoffiziell ist er hingegen einer der letzten Vertreter des Parteiestablishments, der sich noch nicht Trump unterworfen hat. Romney hatte bereits im Wahljahr 2016 eindrücklich vor Trump gewarnt. Der Immobilien­unternehmer sei «ein falscher Fuffziger und Betrüger», moralisch und charakterlich ungeeignet für das Amt des US-Präsidenten, sagte er im März 2016. Aus Sicht von Trumps Anhängern kam diese Kritik freilich eher einer Ehrenerklärung gleich. Denn für sie war Romney das Paradebeispiel eines reichen, elitären, kosmopolitischen Parteibonzen, dem das Land und die kleinen Leute egal sind.

Seither hat sich Romney immer wieder mit Kritik an Trump gemeldet. Romney, ein Mormone, der hohe Ämter in seiner Kirche innehatte, legt Wert auf persönlichen Anstand in der Politik. Als der Präsident sich nicht zu einer klaren Verurteilung des Neonazi-Aufmarschs in Charlottesville durchringen konnte, wurde er von Romney gerügt; ebenso, als Trump den dubiosen Senatskandidaten Roy Moore in Alabama unterstützte. Es war daher kein Zufall, dass Trump Hatch dazu gedrängt hatte, im November noch einmal zu kandidieren. Er fürchtet, einen Verbündeten im Senat zu verlieren. Doch es ist unklar, ob Romney tatsächlich gegen Trumps Politik stimmen würde. Es gibt im Senat auch andere Kritiker des Präsidenten, die laut über Trump lamentieren, im Ernstfall aber für seine Gesetze votieren.

Romney hätte wohl beste Chancen, die Senatswahl im November in Utah zu gewinnen. Zwar hat der 70-Jährige den grössten Teil seiner Karriere an der Ostküste verbracht; 2003 bis 2007 regierte er den Kleinstaat Massachusetts. Doch Romney hat enge Verbindungen zu Utah. Der Staat ist stark von Mormonen geprägt, Romney hätte als Würdenträger und Grossspender der Kirche einen wichtigen Vorteil. Zum anderen haben Utahs Einwohner ihn in guter Erinnerung: Als die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2002 in Utahs Hauptstadt Salt Lake City zu scheitern drohte, übernahm der Republikaner 1999 die Führung des desolaten Organisations­komitees. Die Spiele wurden ein Erfolg.

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