Der Millionär unter den Sozialisten

Bernie Sanders muss bekennen: Er gehört zum reichsten Prozent. Das ist ihm peinlich. Dabei gibts dafür keinen Grund.

Bernie Sanders’ Arbeit hat sich ausbezahlt – dem Kapitalismus sei Dank. Foto: Mark Makela (Getty)

Bernie Sanders’ Arbeit hat sich ausbezahlt – dem Kapitalismus sei Dank. Foto: Mark Makela (Getty)

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Multimillionäre zu beschimpfen, ist ein einträgliches Geschäft. Zum Beispiel für Bernie Sanders. Der US-Senator, demokratische Präsidentschaftskandidat und bekennende Sozialist mit Rockstar-Status hat Einkünfte und ein Vermögen angehäuft, die ihn zu einem reichen Mann machen, reicher als die allermeisten US-Amerikaner. Sanders gehört zu den «One Percent». Das Geld, das der 77-Jährige für seinen nächsten Sturm aufs Weisse Haus schon gescheffelt hat, ist dabei gar nicht eingerechnet.

Reich gemacht hat ihn der Erfolg seiner Bücher. Darin wirft er den anderen US-Milliardären und -Millionären wortgewaltig vor, mit ihrer Gier die Gesellschaft zu spalten. Die USA seien auf dem Weg zur Plutokratie. Steuererhöhungen für Reiche und eine Steuer auf Börsenspekulation sind Bernie Sanders’ zentrale Kampagnenthemen. Sanders, der Klassenkämpfer.

Der Vorwurf der Scheinheiligkeit kam schnell auf, als diese Woche Sanders’ Reichtum ruchbar wurde. Und zwar nicht nur unter seinen Gegnern in der politischen Rechten, die den Ball natürlich mit Häme aufnahmen. Auch unter der kapitalismuskritischen Jugend, die ihm sonst zuverlässig zujubelt, sind viele konsterniert. Sanders habe ein «Millionärsproblem», finden linke Medien.

Hat er das? Sanders ist nicht mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund aufgewachsen. Er entstammt einem bescheidenen Einwandererhaushalt. Ein Kibbuzaufenthalt in Israel brachte ihm den Sozialismus nahe. Er jobbte als Hilfskraft, Lehrer, Zimmermann. Hinter seinem Aufstieg in die oberste politische Klasse der Vereinigten Staaten steckt zweifellos unglaublich viel harte Arbeit. Diese zahlt sich aber offensichtlich aus. Dem Kapitalismus sei Dank.

Dennoch will er sich höchstens als «Millionär» mit Anführungs- und Schlusszeichen bezeichnet sehen. Ein bisschen schämt er sich eben selber für seinen Status. Schade: Er könnte doch rundum stolz sein auf seine Leistungen, und auf sein Land, das solche Tellerwäscherkarrieren immer noch möglich macht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 18.04.2019, 18:38 Uhr

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