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Der Präsident auf Liebesentzug

Donald Trump bezeichnet die Medien neu als Feinde der USA. Hinter der Kritik an den Journalisten steht nichts anderes als eine persönliche Kränkung.

Sacha Batthyany, Washington
«Ich bin kein böser Mensch»: US-Präsident Donald Trump während eines Gebets an einem Auftritt in Florida. (18. Februar 2017)
«Ich bin kein böser Mensch»: US-Präsident Donald Trump während eines Gebets an einem Auftritt in Florida. (18. Februar 2017)
Kevin Lamarque, Reuters

Donald Trumps Kritik an den Medien hat sich in den vergangenen Tagen noch einmal verschärft. Seit Monaten sind sich Journalisten gewohnt, von Trump als «Lügner» abgestempelt zu werden, als «Versager» oder einfach nur als «Abschaum». Im Wahlkampf forderte er seine Anhänger regelmässig dazu auf, Journalisten auszubuhen, sie würden zur «niedrigsten Sorte Mensch» gehören, die er kenne, sagte er damals. Am Freitag aber bezeichnete der US-Präsident verschiedene Fernsehsender und Zeitungen via Twitter neu als: «Feinde des amerikanischen Volkes».

Bei einem Auftritt in Florida vor 9000 Fans wiederholte der Präsident seine Äusserungen und sprach von «feindlichen Medien», die ihre eigene Agenda verfolgen würden. «Wenn die Medien die Menschen belügen, werde ich sie nicht davonkommen lassen», versprach Donald Trump und erntete dafür tosenden Beifall.

«So beginnen Diktaturen», sagte der republikanische Senator John McCain in einem Fernsehinterview am Samstag, angesprochen auf Trumps Medienattacke. Die Meinungsfreiheit dürfe nicht unterdrückt werden, so McCain, der den Präsidenten in den vergangenen Wochen für dessen Verstrickungen mit Russland heftig kritisierte. Der Senator machte darauf aufmerksam, welch wichtige Rolle Journalisten in einer Demokratie spielen würden. «Auch wenn ich mich häufig über Journalisten ärgere und mit vielen Berichten nicht einverstanden bin: Wir brauchen sie.»

Carl Bernstein, der Journalist der Washington-Post, der den Watergate-Skandal aufgedeckt hatte, sagte, Trumps Sprache erinnere ihn an Autokraten, die «keinerlei Verständnis für die Funktion einer freien Presse haben.»

Verweis auf die Geschichte

Übers Wochenende wurden in den US-Medien verschiedene Historiker zitiert, die auf Gemeinsamkeiten zwischen Donald Trumps und Richard Nixons Umgang mit den Medien hinwiesen. «Die Presse ist der Feind», habe Nixon seinem damaligen Nationalen Sicherheitsberater Henry A. Kissinger 1972 gesagt — ein Satz, den Trump nun wiederholte. Trumps Angriffe auf die Medien aber seien «heimtückischer und gefährlicher», so Bernstein, der Watergate-Journalist. Trump würde einen weiteren Keil in die amerikanische Bevölkerung treiben, um gleichzeitig von seinen eigenen Problemen abzulenken. «Plötzlich sprechen alle vom Verhalten der Medien, statt vom Verhalten des Präsidenten.»

Wie devot sich Donald Trump die Rolle der US-Medien wünscht, wurde an der einstündigen Pressekonferenz diese Woche deutlich. Als es darum ging, Fragen entgegenzunehmen, sagte der Präsident: «Ich versuche einmal, einen freundlichen Journalisten zu finden, was unmöglich sein wird.» Schliesslich aber wurde er fündig. Ein Fernsehreporter fragte nach den Plänen von First Lady Melania Trump. «Endlich eine gute Frage», so Trump, der dem Journalisten versprach, von nun an seinen Sender «häufiger einzuschalten.»

Früher gerne in der Presse

Lange bevor Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, war er in den Schlagzeilen der New Yorker Boulevardpresse zu finden. Er bediente sie mit Informationen zu seinen Scheidungen und Details zu seinem Liebesleben, im Austausch erhielt er einen prominenten Platz auf den bunten Titelseiten.

Donald Trumps Sicht auf die Medien verfinsterte sich zunehmend, je länger der Wahlkampf andauerte. Erst kritisierte er einzelne Reporter und Moderatorinnen persönlich, bald aber sprach er allgemein von «der Lügenpresse», die nichts als «Fake-News» produzieren und Verschwörungstheorien verbreiten würde.

«Dabei ist es Donald Trump, der sich Verschwörungstheorien bedient, wenn sie ihm nutzen», entgegnete nun Jake Tapper von CNN. Lange Zeit befeuerte Trump die These, wonach Barack Obama nicht in Amerika geboren sei und somit nie hätte Präsident werden dürfen. Im Wahlkampf sagte er, der Vater seines damaligen Konkurrenten Ted Cruz sei an der Ermordung John F. Kennedys involviert gewesen, eine Unterstellung, die er ebenso wenig belegen konnte, wie seine neueste Behauptung, bei der Wahl im November hätten drei Millionen Menschen ihre Stimme illegal abgegeben. Auf die Frage nach Beweisen für den Wahlbetrug, antwortete der Präsident neulich in einem Fernsehinterview, er habe es von «vielen Menschen gehört.»

«Hinter der Kritik an den Medien steckt nichts anderes, als eine tiefe narzisstische Kränkung», schrieb die New York Times, eine Zeitung, zu der Trump eine Art Hassliebe entwickelt hat. Er sei Kritik oder investigative Recherchen nicht gewohnt und könne damit nicht umgehen. Nachdem der Präsident an der Pressekonferenz vergangene Woche eine halbe Stunde lang verbal auf die Journalisten eingeprügelt habe, habe er aufgeblickt und sein wahres Gesicht gezeigt. «Woher kommt nur euer Hass?», fragte der Präsident. «Ich bin kein böser Mensch.»

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