Der schlechtere Bernie

Der Komiker Larry David verkörpert Bernie Sanders, einen der Kandidaten der Demokraten bei der US-Präsidentschaftswahlen.

«Bern Your Enthusiasm»: Larry David in «Saturday Night Live». Quelle: Saturday Night Live


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Wo Larry David auftritt, lassen Peinlichkeiten nicht lange auf sich warten. Der Komiker hält nichts von Geschmack, Floskeln und Konventionen. Er sagt lieber die Wahrheit. Das kommt selten an. Es ist ihm egal.

So tat er es schon in der Serie «Curb Your Enthusiasm» («Lass es, Larry!»). Larry David hat sie kreiert, produziert und darin sich selber als Hauptrolle gespielt: einen Misanthropen und Hypochonder mit übersteigertem Gerechtigkeitssinn, der immer alle gegen sich aufbringt. Nur er sieht nicht ein, wieso.

So war es auch vergangenen Sonntag, bloss die Sendung war eine andere. Für die Show «Saturday Night Live» (SNL) drehte David den Sketch «Bern Your Enthusiasm», in dem er sich in der Rolle eines anderen spielte: Larry David als Bernie Sanders, Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur. Dieser erinnert verdächtig an Larry David aus «Curb» – mit all den Verwicklungen und Situationen, in die dieser sich so unweigerlich hineinmanövriert.

Auch im SNL-Sketch tut Sanders/David alles, um seine begeisterten Wähler vor den Kopf zu stossen. Erst weigert er sich, einer Frau die Hand zu schütteln, weil die gleich zuvor in sie hineingehustet hatte. Als ihr Ehemann protestiert, gibt Sanders/David zurück, respektlos sei wohl eher seine Gattin, ihm ihre bakterieninfizierte Hand hinzustrecken. Und als eine Wählerin ihn bittet, ihr die Schulter, die sie bei einem Auffahrunfall ausgerenkt hat, schnell zurückzupoppen, damit sie ihn wählen gehen kann, antwortet er: «Ich komme aus Brooklyn, da poppt man keine Schultern.»

Sein Team reagiert nicht begeistert. Besonders als sich am Ende herausstellt, dass der Chef wegen fünf oder sechs Stimmen gegen Hillary Clinton verloren hat. Und ihm am Bildschirm die hustende Frau, ihre Familie und die ausgerenkte Dame zuwinken – in Hillary-­T Shirts.

Seine eigenen Figuren mögen ihn nicht ausstehen, das Publikum liebt ihn. In den Neun­zigerjahren hatte David zusammen mit Jerry Seinfeld die Hitserie «Seinfeld» kreiert und damit einen Riesenerfolg. 1999 startete er «Curb Your Enthusiasm» und drehte bis 2011 acht Staffeln. Seine Fans haben die Hoffnung nie aufgegeben, es könnte doch noch eine neunte geben. Näher als am letzten Samstag waren sie der Erfüllung wohl nie. Entsprechend heftig jubelten Journalisten und Zuschauer, es sei der perfekte SNL-Sketch gewesen.

Und hoffen jetzt darauf, dass Bernie Sanders die demokratische Nomination gewinnt. Nur so kann Larry David ihn weiterhin darstellen, wie er es tut: als komplett unwählbar.

Erstellt: 10.02.2016, 10:13 Uhr

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